Ziel Kenia. Drei erfolgreiche Ostafrika-Rallyes hat Michael Kahlfuß mit seinem Team bereits absolviert. (Bild zeigt Siegerehrung)
Michael Kahlfuß aus Möser ist schon dreimal mit dem Trabant bei der Ostafrika-Rallye in Kenia angetreten. Jetzt will er ein viertes Mal starten. (Archivbild) Bildrechte: Michael Kahlfuß

Renn-Trabi in Afrika Fahrlehrer aus dem Jerichower Land startet bei Kenia-Rallye

Von Annette Schneider-Solis, MDR SACHSEN-ANHALT

08. Dezember 2023, 10:52 Uhr

Vor mehr als 30 Jahren staretete Michael Kahlfuß aus Möser zum ersten Mal zu einer Rallye, viele weitere folgten. Nun macht er sich bereit für sein nächstes Abenteuer: Mit einem neu aufgebauten Trabant P 60 reist er aus Sachsen-Anhalt zur Ostafrikanischen Safari Rallye. Mit dem Kugelporsche geht es neun Tage lang quer durch Kenia. Es ist die vierte Rallye für Michael Kahlfuß in Ostafrika. Er weiß: Es wird hart.

Auf den Straßen ist der Trabant P 60, gern auch "Kugelporsche" genannt, kaum noch zu sehen. Michael Kahlfuß hat seinen in Zwickau komplett neu aufbauen lassen. In der Trabantwelt wurde er mit viel Liebe ein Rallye-Auto: getunet, na klar, geländefest. Aber robust ist der Trabant ohnehin. In einem Container ist der fahrbare Untersatz per Schiff nach Kenia gereist. In Mombasa wird er in wenigen Tagen von der Startrampe rollen – als erster Trabant P 60 überhaupt.

Rallye-Pilot Michael Kahlfuß: Leidenschaft, die nicht vergeht

Nachdem 1989 die Welt auch für Michael Kahlfuß ein ganzes Stück größer wurde, zog es den Fahrlehrer und Rallye-Piloten in die große weite Welt. Im Herbst 1992 war Großbritannien seine erste internationale Station. Es folgten Touren durch Australien, Ostafrika, Japan, China, Finnland, Mexiko, Argentinien, Schweden, Neuseeland, Spanien. Überhaupt: in Europa gibt es kaum ein Land, in dem Michael Kahlfuß nicht bei einer Rallye gefahren ist.

Bei einer Rallye ist es immer anders. Du weißt nicht, was dich erwartet, nach jeder Kurve wartet etwas Neues.

Michael Kahlfuß, Rallye-Fahrer

Rallye-Fahrer Michael Kahlfuß (Archivbild 2015)
Michael Kahlfuß ist seit mehr als drei Jahrzehnten auf den Rallye-Strecken der Welt unterwegs. (Archivbild) Bildrechte: picture alliance / dpa | Jens Wolf

Sein größter Erfolg war der Klassensieg bei einem Weltmeisterschaftslauf in Mexiko. Gefragt, was ihn am Rallye-Fahren so reizt, antwortet der Fahrlehrer aus Möser: "Rallye ist immer unkalkulierbar. Es ist einfach anders als die Formel 1, wo man 50 mal dieselbe Runde fährt, immer wieder dieselben Kurven passiert. Bei einer Rallye ist es immer anders. Du weißt nicht, was dich erwartet, nach jeder Kurve wartet etwas Neues." Hinzu komme, dass er durch den Sport weltweit unterwegs ist und immer wieder ins Leben fremder Länder eintaucht.

Zum vierten Mal bei der Rallye in Kenia

Im März 1994 ging das Team Mika-Motorsport zum ersten Mal in Mombasa an den Start. Auch damals schon mit einem Trabant. "Die Begeisterung dort ist einfach riesig", erinnert sich Michael Kahlfuß, "Da brennt der Baum." im Norden Kenias wussten die Massai: Immer wenn die bunten Autos kommen, ist Ostern.

Fünf Männer auf einer grünen Trabi bei der Siegerehrung der Ostafrika-Rallye.
Dreimal mit demselben Auto bei der Ostafrika-Rallye - das schaffte außer dem Team Kahlfuß bislang niemand. Bildrechte: Michael Kahlfuß

2003 hatte die Rallye in Kenia ihren WM-Status verloren. Zum 50. Geburtstag ließen die Afrikaner darum die klassische "East African Safari Rally" wieder aufleben, die seitdem alle zwei Jahre ausgefahren wird. Jetzt immer am Jahresende, weil dann die Rallye-Saison vorbei ist und die Fahrer teilnehmen können. Große Namen kann man in der Starterliste lesen.

Normalerweise sind die Autos nach den 4.000 Kilometern quer durchs Land Schrott. Aber das Auto aus Zwickau ist ja vor allem ob seiner Robustheit bekannt.

Michael Kahlfuß, Rallye-Fahrer

Michael Kahlfuß fuhr 2003 und 2015 nochmals die Rallye in Afrika – dreimal mit demselben Auto. "Das ist für Ostafrika eigentlich undenkbar", sagt Michael Kahlfuß. "Normalerweise sind die Autos nach den 4.000 Kilometern quer durchs Land Schrott. Aber das Auto aus Zwickau ist ja vor allem ob seiner Robustheit bekannt."

Kugelporsche "Fritzi": Ein neuer alter Trabant

Der Kugelporsche, mit dem Michael Kahlfuß am 8. Dezember über die Startrampe rollen wird, wurde in der Zwickauer "Trabantwelt" mit viel Liebe neu aufgebaut. Der Motor hat die trabi-typischen 600 Kubikzentimeter Hubraum, die Leistung wurde von 26 auf knapp 50 PS getunet.

Die Chancen auf einen Sieg sind trotzdem gering. Das Mika-Team startet in der Klasse bis 1.600 Kubik, und die schwächsten Gegner haben 120 Pferdestärken unter der Motorhaube – das 2,5-fache von Kahlfuß' blau-gelbem Trabi. Am Ende geht es für das Team aus Mitteldeutschland darum, durchzukommen und nicht Letzter zu werden. "Das Auto muss rollen und rollen, solange es geht", lautet die Devise von Michael Kahlfuß.

Ein weißer Trabi fährt bei einer Rallye durch eine Pfütze.
Trabi "Fritzi" hat die Herausforderungen der Rallye in Kenia schon mehrfach gemeistert. Bildrechte: Michael Kahlfuß

Wetter in Kenia wird Herausforderung für Kahlfuß und seinen Trabi

Kenia wird derzeit von heftigen Regenfällen geplagt. Über 200 Menschen starben bereits, Tausende sind auf der Flucht, Straßen hat es einfach weggespült. In Kenia ist der Klimawandel längst Realität. "Ich bin sehr gespannt, was sich die Kenianer einfallen lassen", überlegt Rallye-Pilot Kahlfuß. "Allgemein sehen es die Afrikaner eher gelassen, Flussdurchfahrten gibt es auf der Strecke einige. Aber wenn das Wasser zu hoch ist, dann haben nicht nur wir ein Problem."

Wenn das Wasser zu hoch ist, dann haben nicht nur wir ein Problem.

Michael Kahlfuß, Rallye-Fahrer

Michael Kahlfuß wird mit seinem alten Team antreten und mit seinem Zwickauer Beifahrer Ronald Bauer. Ein bisschen Aufregung ist diesmal dabei. "Früher waren wir drei bis viermal im Jahr irgendwo auf der Welt unterwegs, jetzt sind wir ein paar Jahre nicht gefahren", räumt der Pilot ein. "Was sonst Routine war, muss sich erst wieder neu einspielen."

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MDR (Annette Schneider-Solis) | Erstmals veröffentlicht am 5.12.2023

MDR SACHSEN-ANHALT

7 Kommentare

unverbesserlicher Realist vor 11 Wochen

Ok, das Rennfahrzeug ist tatsächlich doch ein P60. Aber leider im Artikel nur als Vorschau-Bild im Video-Beitrag zu sehen. Hätte man vielleicht als Titelfoto nehmen sollen. Die anderen Fotos zeigen wahrscheinlich das Vorgängerfahrzeug.

sandro2009 vor 11 Wochen

Ich habe großen Respekt vor dieser Leistung und wünsche Euch gutes Gelingen!
Schönen Gruß an "Hugh" (Insidername)

hilflos vor 11 Wochen

Helmut, das mag sein, ist letztendlich Wurst. Ich bemängele mal den co2 Fußabdruck... Den allerdings auch nicht wirklich

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