Vier jugendliche Mitglieder der Band "Rapthor" spielen auf einer Bühne im Thomas Morus Haus
Die Band "Rapthor" spielte zum Jubiläum im Thomas Morus Haus. Bildrechte: MDR/ Marila Zielke

Jubiläum Seit 30 Jahren Anlaufpunkt für Jugendliche: das Thomas Morus Haus in Genthin

von Marila Zielke, MDR SACHSEN-ANHALT

22. Januar 2024, 16:49 Uhr

Zu DDR-Zeiten gab es im heutigen Sachsen-Anhalt in vielen kleinen Städten und sogar Dörfern Jugendklubs. Vielerorts wurden die Einrichtungen inzwischen geschlossen. Nicht so in Genthin. Dort eröffnete 1994 das Jugendhaus "Thomas Morus" – und ist bis heute eine feste Adresse für die Jugendarbeit in der Stadt. Am Wochenende wurde gefeiert.

Tischfußball, Darts, Zeit zusammen verbringen – ein Jugendclub ist für viele Jugendliche ein besonders wichtiger Treffpunkt. Zu DDR-Zeiten hatten auch viele kleinere Orte, auch in ländlichen Regionen einen Jugendclub. Nach der Wende kam 1994 in Genthin eine wichtige Anlaufstelle hinzu: das Jugendhaus "Thomas Morus". Träger ist die Katholische Pfarrei St. Marien. Das Haus existiert bis heute. Am Wochenende wurde das 30-jährige Bestehen gefeiert – in einer Zeit, in der es in Sachsen-Anhalt im Vergleich zur DDR deutlich weniger Jugendclubs gibt.

Als buntes Haus am Wasserturm oder auch "coole Hütte" wird das Jugendhaus gern bezeichnet. Es ist eine beliebte Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche. Das Team hat ganz unterschiedliche Angebote, um die Teenager auf ihren Weg zum Erwachsenwerden mitzunehmen. Der Fokus liegt dabei auf den Bedürfnissen derjenigen, die es aufsuchen. Das Morus-Haus ist bei den Jugendlichen deswegen so beliebt, weil sie selbst über die Angebote mitentscheiden dürfen. Kinder ab acht Jahren finden hier einen Platz

Thomas Morus Haus Genthin
Zahlreiche Gäste kamen zur Feier im "Thomas Morus"-Haus in Genthin. Bildrechte: MDR/ Marila Zielke

Hausaufgaben machen, Karten spielen, zusammen kochen, oder die Jugendlichen bei der Suche nach dem passenden Job beraten, all das ist hier möglich. Auch wenn Kinder und Jugendliche Probleme Zuhause, in der Familie oder in der Schule haben, finden sie Halt im "Thomas Morus"-Haus.

Nach dem Motto: "Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag"

Leiter der Einrichtung ist Sebastian Kroll. Der 38-jährige Sozialwissenschaftler sagt: "Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag." Es ist ein Sprichwort von Charly Chaplin, nach dem er versucht, mit den Jugendlichen zu arbeiten. In der Kernstadt Genthin gibt es nur noch einen Jugendclub. Sebastian Kroll ist auch mal der Kummerkasten, hört sich Probleme an. "Wir haben oft auch Probleme, die direkt angesprochen werden. Wir sagen dann, was wir darüber denken, aber eben neutral. Wir sind außen vor, aber wir können versuchen, uns in die Sache hineinzuversetzen."

Sebastian Kroll, ein bärtiger Mann mit Brille, hält eine Kerze.
Sebastian Kroll fordert mehr Geld für die Jugendarbeit in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MDR/ Marila Zielke

Musik hilft bei der Bewältigung von Problemen

Im Morus-Haus wird auch musiziert. Mitunter werden hier sogar Talente entdeckt. So wie der Sänger und Songwriter Robby Schulze. Der heute 38-Jährige hat in der Einrichtung vor gut 20 Jahren seine erste Band gegründet und im Innenhof sein erstes Konzert gespielt. Er kam zum Jubiläum noch einmal zurück in die Einrichtung und spielte erneut ein Konzert.

Robby Schulze ist in Brandenburg geboren und in Genthin aufgewachsen. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er ist Musiktherapeut und Sänger. Er ist stolz, dass es das Morus-Haus gibt. Auch die Band "Rapthor" aus dem benachbarten Ort Elbe-Parey hatte am Jubiläumstag die Chance, sich zu präsentieren. Sie spielten ebenfalls ein kleines Konzert. Backstage gab es dann Tipps vom Profi-Musiker: "Bleibt erstmal bei den Coversongs. Findet euch als Band. Sammelt unbedingt Bühnenerfahrungen und wachst als Band zusammen," riet der 38-Jährige den Nachwuchstalenten.

Fünf Musiker sitzen auf einer Couch.
Robby Schulze (r.) gibt der Band "Rapthor" Tipps für die Zukunft. Bildrechte: MDR/ Marila Zielke

Auch wenn in Genthin gerade gefeiert wurde, sieht es bei der Jugendarbeit in weiten Teilen Sachsen-Anhalts nicht gerade rosig aus. Deswegen fordert der Leiter des "Thomas Morus"-Hauses, Sebastian Kroll, dass der Bund mehr Geld für Jugendarbeit zahlen soll. Die finanziellen Mittel sollten aus seiner Sicht an die Länder übertragen und von dort aus weiter verteilt werden. Damit vor allem im ländlichen Raum künftig wieder mehr Kinder- und Jugendarbeit stattfinden und gefördert werden kann.

MDR (Marila Zielke, Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Januar 2024 | 19:00 Uhr

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