Ein Mann mit grauem Haar blickt in die Kamera. Im Hintergrund hängen Fotografien an weißen Wänden. 4 min
Ulrich Wüst wurde 1949 in Mageburg geboren. Nun widmet ihm seine Geburtstadt eine große Schau und zeigt Fotoserien aus seinem 40-jährigen Werk. Bildrechte: IMAGO / IPON
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Im Jahr 2021 hat der Fotograf Ulrich Wüst mit Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt erhalten. Nun widmet ihm das Kunstmuseum Magdeburg eine große Schau: "Haltepunkte" zeigt zehn Fotoserien aus seinem 40-jährigen Werk.

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Kunstmuseum Madgeburg Neue Schau feiert den Fotografen Ulrich Wüst

26. November 2023, 05:00 Uhr

Im Jahr 2021 hat der Fotograf Ulrich Wüst den Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt erhalten. Nun widmet ihm das Kunstmuseum Magdeburg eine große Schau: "Haltepunkte" zeigt zehn Fotoserien aus seinem 40-jährigen Werk. Die abgebildeten Landschaften und Architekturen ergeben zusammen eine Art Erinnerungschronik, die gesellschaftliche Veränderungen aufzeigt und besonders in Wüsts Geburtstadt Magdeburg auf einige Resonanz stoßen dürfte.

  • Bekannt wurde Ulrich Wüst durch seine Stadtbilder, die er an verschiedenen Orten der DDR aufgenommen hatte. Als Künstler hat er sich hin zu Fotoserien entwickelt.
  • Inzwischen sind seine Fotoserien Teil von internationalen Sammlungen und wurden auf der Documenta in Kassel ausgestellt.
  • Seine fotografischen Erkundungen bilden eine Art Erinnerungschronik, die gesellschaftliche Umbrüche festhält.

Eine Straßenlampe auf freiem Feld, grüne Bäume vor einer bunten Fabrikfassade, triste Häuserfassaden mit abgebrochenen Schaufenster-Jalousien. Präzis unbestechlich und durchaus humorvoll dokumentiert der Fotograf Ulrich Wüst unscheinbare Winkel seiner Umgebung, die sonst vielleicht niemand eines Blickes würdigen würde. "Ulrich Wüst findet Dinge, die bildwürdig werden, die er zu seinen Kompositionen zusammenschiebt, von denen man manchmal denkt, die kann es gar nicht geben", sagt Annegret Laabs, Direktorin vom Kunstmuseum Magdeburg.

Mal sind es Landschaften, mal Architekturen. Am Ende aber sind es aufschlussreiche Einblicke in Struktur und Umbruch gesellschaftlicher Zusammenhänge, die der heute 73-jährige Foto-Künstler ins Bild bringt. Wüst beschreibt seine Entwicklung als Künstler wie folgt: "Je länger man arbeitet, umso mehr denkt man in Reihen und Zyklen und will eine größere Geschichte erzählen."

Grüne Bäume stehen vor einer bunten Fabrikfassade.
Ein Werk aus der Serie "Stromauf / Stromab" von Ulrich Wüst von 2022/23. Bildrechte: Ulrich Wüst

Ulrich Wüsts Fotoserien waren auch auf der Documenta zu sehen

Zum Beispiel hat er im Juni 1990 Schaufenster im Prenzlauer Berg aufgenommen, in denen Schilder zu sehen sind, die schon etwas von der Verzweiflung und kommenden Leere wiedergeben. "Auf einem Bild zum Beispiel steht Räucherwaren und dahinter steht ganz klein mit Kreide 'Fischstäbchen'. Aber das Schaufenster ist leer. Es gibt nicht mal mehr Fischstäbchen. Einfach schlichtweg gar nichts, außer den blanken, schönen Blümchenkacheln", erzählt Annegret Laabs.

Es sind subjektive aber unsentimentale Erkundungen mit der Kamera, die eine Art Erinnerungschronik ergeben. Ein schonungsloser aber durchaus liebevoller Blick, der gerade in Ostdeutschland und seiner Heimatstadt Magdeburg funktioniert. So entstanden etliche Serien, die 2017 sogar auf der Documenta ausgestellt wurden und auch Eingang in internationale Sammlungen gefunden haben.

Im Vordergrund ist eine zugewachsener Uferbereich zu sehen, dahinter Teile einer Brücke.
Ein weiteres Werk aus der Foto-Serie "Stromauf / Stromab" von Ulrich Wüst. Bildrechte: Ulrich Wüst

Zu sehen sind gesellschaftliche Umbrüche – ohne "vordergründige Idylle"

Wüst erspürt das Erinnerungsreservoir unseres Alltags. Er verfolgt die strukturellen Veränderungen durch Abriss, Sanierung oder auch Kultivierung von Landschaft. "Ich wollte alle vordergründige Idylle rausnehmen", beschreibt der Künstler sein Vorgehen. Auf diese Weise erfährt das Zerborstene, Marode, Abgebrochene eine eigene raue Schönheit.

Ich wollte alle vordergründige Idylle rausnehmen.

Fotokünstler Ulrich Wüst

Oft wirken seine Bildmotive wie aus dem Lauf der Zeit gelöst, sagt Laabs. Dabei fällt die Stille auf, welche alle seine Motive umgibt. Meist menschenleer beschreiben die Bilder mit ihren Hinterhöfen, Mauerresten, Glasscheiben eine Art Poesie der Leere. Und gerade diese menschenleere Anonymität bezieht den Betrachter noch stärker in das Geschehen ein. Wüst gibt dem Unfertigen ein Gesicht und so evozieren die Bilder das ambivalente Gefühl von Umbruchsituationen – zwischen Erinnerung und Erwartung, zwischen Abbruch und Aufbruch. Eine seiner Fotoserien nennt er "Vergangene Zukunft". Letztlich, so resümiert er selbst, könne man damit wohl sein gesamtes Werk beschreiben.

Informationen zur Ausstellung Ulrich Wüst "Haltepunkte"
26.11.2023 bis 01.04.2024

Adresse:
Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg
Regierungsstraße 4-6
39104 Magdeburg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr
Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr
montags geschlossen

MDR KULTUR (Sandra Meyer)
Redaktionelle Bearbeitung: td

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | | 24. November 2023 | 08:40 Uhr

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