Stadtteilmanagement Magdeburg "Nichts zu verlieren, alles zu gewinnen" – So tickt die neue Hasselmanagerin von Magdeburg

Leonard Schubert
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Marianne Tritz wird die neue "Hasselmanagerin" von Magdeburg. Sie will den Fokus in Magdeburgs angeschlagenem Ausgehviertel auf Kommunikation und Imagearbeit legen, plant aber auch regelmäßige Veranstaltungen und langfristige Änderungen. Der Hasselbachplatz ist für viele Magdeburgerinnen und Magdeburger das eigentliche Zentrum der Stadt. Marianne Tritz will ihn wieder zum Gesicht Magdeburgs machen und einen lebendigen Platz für alle schaffen.

Marianne Tritz, die neue Hasselmanagerin von Magdeburg
Marianne Tritz ist die neue Hasselmanagerin von Magdeburg Bildrechte: Marianne Tritz

Marianne Tritz wird die neue "Hasselmanagerin" von Magdeburg. Bereits am 1. Dezember tritt sie ihren Dienst an und arbeitet schon jetzt intensiv an Konzepten und Ideen für den Hasselbachplatz. Nachdem ihre Vorgängerin Alena Hertrich nach nur wenigen Monaten im Amt gekündigt hatte, hatte die Stadt erst kürzlich in einer Stellungnahme verkündet, die Stelle solle schon in wenigen Wochen neu besetzt werden. Da es keine öffentliche Ausschreibung gegeben hatte, erwarteten viele die Entscheidung der Stadt mit Spannung – aber auch Verwunderung. Jetzt ist klar: Marianne Tritz hatte die Jury bereits in der ersten Ausschreibung überzeugt und das Rennen nur knapp gegen Alena Hertrich verloren. Nach der Kündigung Hertrichs sei sie sehr schnell kontaktiert worden und habe direkt zugesagt, so Tritz.

Ihre Aufgabe wird es sein, das Image des Hasselbachplatzes zu verbessern, Kommunikationsarbeit zu leisten und gemeinsam mit den Menschen, die am "Hassel" leben oder tätig sind, Konzepte zu entwickeln, um den Hasselbachplatz langfristig für alle attraktiv zu gestalten. Der Hasselbachplatz ist für viele Menschen das Zentrum Magdeburgs. Zuletzt hatte der Platz, der ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist und zahlreiche Gastrobetriebe sowie Clubs und Initiativen beheimatet, aber sowohl mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie als auch mit seinem Ruf zu kämpfen. Daher schuf die Stadt Magdeburg Anfang 2020 die Stelle des Hasselbachmanagements, das dabei helfen soll, den Hasselbachplatz zu einem attraktiven Ort zu gestalten, an dem die Anliegen und Interessen von Anwohnern, Besuchern und Gewerbetreibenden gewahrt werden.

Der Hasselbachplatz in Magdeburg an einem verregneten Morgen
Der Hasselbachplatz in Magdeburg ist ein wichtiges Zentrum der Stadt. Zuletzt hatte er aber mit seinem angeschlagenen Ruf zu kämpfen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Wichtigstes Tool: Der Umgang mit Menschen

Die neue Hasselmanagerin fühlt sich für die neue Aufgabe bestens gerüstet. Die Magdeburgerin, die zuletzt als selbstständiger Coach für Führungskräfte gearbeitet hat, saß bereits für die Grünen im Bundestag oder arbeitete als Geschäftsführerin des Deutschen Zigarettenverbandes. Dadurch kann die 56-Jährige nach eigenen Angaben auf viel Erfahrung in Kommunikationsstrukturen zurückgreifen.

Wie geht man mit Menschen um? Das kann ich!

Marianne Tritz, neue Hasselmanagerin von Magdeburg

Genau mit dieser Kommunikationsarbeit will Tritz auch erstmal in ihren Job einsteigen und die notwendigen Netzwerke aufbauen, um am Hasselbachplatz auch wirklich alle Interessen in ihre Arbeit einbeziehen zu können. Dazu, sagt sie, sei gerade eine gute Zeit, weil durch die Pandemie sowieso vieles andere nur eingeschränkt möglich sei. Zusätzlich arbeitet sie bereits an einem Event für Dezember, das Corona-conform und draußen stattfinden soll. Daraus soll eine ganze Veranstaltungsreihe werden, verrät sie, wollte aber zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht ins Detail gehen.

In jedem Fall ist es wichtig, nicht einfach Events rauszuballern, sondern mit allen Beteiligten gemeinsam zu agieren

Marianne Tritz, Hasselmanagerin von Magdeburg

Natürlich sei die Lage gerade angespannt, räumt die neue Hassel-Managerin ein. Man müsse erstmal schauen, welche Gastronomen am Hassel die Pandemie überhaupt überleben werden und langfristige Konzepte zur Hilfe entwickeln, die über den Verkauf von Essen-to-go hinausgingen, findet Tritz. Natürlich sei das schwierig. Trotzdem freut sie sich auf die Aufgabe.

Gerade in Bezug auf das angeschlagene Image sagt sie: "Wir haben gerade doch nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen!". Zuletzt waren vermehrt Stimmen laut geworden, der Hassel habe ein Sicherheitsproblem und sei dreckig und laut. Tritz sagt dazu: "Die Statistiken belegen diese Behauptungen nicht. Es handelt sich also erstmal um ein subjektives Empfinden."

Ziel: Einen Ort schaffen, an dem sich alle wohlfühlen

Um den Hasselbachplatz wieder zum Gesicht Magdeburgs werden zu lassen, möchte Tritz einen Platz mit einladender Atmosphäre schaffen, an dem sich alle wohlfühlen können. Sie will die Wirtschaft am Hasselbachplatz stärken, die Kommunikation forcieren und durch gezielte Aktionen das Image des Magdeburger Ausgehviertels verbessern. In einem Interview mit der Stadt Magdeburg sagte Tritz, sie wolle "im Dialog Probleme zu erkunden und abbauen". Dazu, sagt sie, sei es wichtig, alle Menschen mitzudenken und mit allen zu sprechen.

Auch eine Gentrifizierung dürfe nicht mir der Stärkung der Wirtschaft am Hasselbachplatz einhergehen. Der Hassel solle offen, belebt und beliebt bei allen bleiben oder werden, und wieder zu einem neuen, echten Zentrum für jedermann heranwachsen. Dabei spiele die Entwicklung des Hassels eine wichtige Rolle für die ganze Stadt.

Eine gute Nachtökonomie ist für eine Stadt extrem wichtig. Das prägt das Gesicht der Stadt und wird auch zu einem Grund für Neuansiedlungen.

Marianne Tritz, Hasselmanagerin von Magdeburg

Um diese Ziele zu erreichen, will Tritz verschiedene Strategien verfolgen. Neben Vernetzungsarbeit, Imagearbeit und Veranstaltungen am Hasselbachplatz möchte sie dazu auch ein Nachdenken über langfristige Veränderungen anregen. So sei es durchaus eine Diskussion wert, ob man zum Beispiel das Immobilienmanagement am Hassel gestalten und attraktive Mieten festlegen könne.

Sehr langfristig, wenn die Baustellenlage es zuließe, könne es zudem sinnvoll sein, über die Verkehrsführung über den Hassel nachzudenken. Viele große Städte weltweit hätten derzeit Probleme damit, dass ihre Zentren sterben, und viele würden nach und nach probeweise verkerhsberuhigte Bereiche in den Stadtzentren einführen oder versuchen, Autoverkehr aus der Innenstadt herauszuhalten, um die Innenstädte neu beleben zu können, erzählt Tritz. Es würde sich durchaus lohnen, einen Blick auf diese Städte zu werfen, die Entwicklungen zu beobachten, und langfristig darüber zu diskutieren, ob so etwas auch in Magdeburg sinnvoll sein könne, so Tritz.

Begegnungen machen: Hasselmanagerin Alena Hertrich im Interview
Auch Alena Hertrich, die Vorgängerin von Marianne Tritz als Hasselmanagerin, hatte zu Beginn ihres Jobs angekündigt, Kommunikation zu verbessern und die Gastrobranche zu stärken. Bildrechte: MD2025/Felix Paulin

Kritik an Stellenansiedlung oder Finanzierung momentan kein Thema für Tritz

Ähnlich wie ihre Vorgängerin betont Marianne Tritz, wie wichtig Kommunikation für ihre Aufgabe am Hasselbachplatz sei. Sie wolle daher in ihren ersten Wochen erstmal mit allen in Kontakt treten, sich ein genaueres Bild von der Lage vor Ort schaffen, in dem nach Möglichkeit alle Perspektive vertreten sind, und in langfristige Projekte einbezogen werden können.

Für Projekte stehen dem Hasselmanagement, das bei der Stadtmarketingfrima Pro M angesiedelt ist, aber von der Stadt Magdeburg finanziert wird, jährlich 10.000 Euro zur Verfügung. Die Summe wurde von einigen Akteuren am Hasselbachplatz als zu klein kritisiert, ebenso wie die Ansiedlung der Stelle bei Pro M als zu stadtnah. Marianne Tritz sieht zumindest momentan diese Probleme nicht. Die Ansiedlung bei Pro M habe durchaus Vorteile, etwa, weil dort viel Vernetzung mit wichtigen Akteuren der Stadt stattfinden könne, sagt Tritz.

Das Geld, das zur Verfügung steht, sei "eine sehr gute Summe, um Veranstaltungen anzuregen und den Fokus auf Vernetzung zu legen". Natürlich könne es sein, dass sie manchmal Sponsoren gewinnen müsse oder mit dem Geld Events nur anregen, aber nicht komplett finanzieren könne. Dann sei sie eben darauf angewiesen, dass sich beispielsweise die Gastronomen selbst finanziell an den Events beteiligten, aber das sei ja auch durchaus sinnvoll, meint Tritz. Jetzt freut sie sich erstmal darauf, loszulegen.

Leonard Schubert
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Leonard Schubert arbeitet seit Februar 2020 in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Interessensschwerpunkte sind Politik, Umwelt und Gesellschaft. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er beim Charles Coleman Verlag, für das Outdoormagazin Walden und beim ZDF.

Nebenher arbeitet er an seinem Masterabschluss in Friedens- und Konfliktforschung. Über den Umweg Leipzig kam der gebürtige Kölner 2016 nach Magdeburg, wo er besonders gern im Stadtpark unterwegs ist. In seiner Freizeit steht er mit großer Leidenschaft auf den Poetryslambühnen Sachsen-Anhalts oder sitzt mit einem Eisbärbier am Lagerfeuer, irgendwo in Skandinavien.

Quelle: MDR/ls

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. November 2020 | 06:30 Uhr

2 Kommentare

Realist62 vor 35 Wochen

Wenn ich Magdeburger wäre, wäre diese jetzige neue Hasselbach Managerin keine Fremde für mich, denn ihre Geburtsgegend ist genauso PREUSSISCH/ BRANDEBURGISCH geprägt wie die Magdeburger Gegend.
Sie wird es besser machen als diese Oberfränkin, die bestimmt keinen Draht zu den ,,Preußen" fand.

Denkschnecke vor 35 Wochen

Wenn Sie denken, dass der Hasselmanager Ihnen sagen, wie Sie etwas zu machen hätten, haben Sie das ziemlich falsch verstanden.
Davon mal abgesehen: Wann bitte ist man in dieser Stadt als in Niedersachsen geborener kein Fremder mehr und darf mitreden? Nie? Warum sollte jemand, der im 200 km entfernten sächsischen Dresden geboren ist, per se für diesen, wie Sie sagen integrativen Posten geeigneter sein als jemand aus dem 150 km entfernten Dannenberg? Manchmal machen es einem die Magdeburger schwer, hier heimisch zu werden - Gott sei Dank aber nicht alle.

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