Kohlekraftwerk in Stare Zagora, Bulgaria
Viele Bundesländer investieren in klimaschädliche Industrien. Dazu gehört auch Sachsen-Anhalt. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Guido Koppes

Fossile Energie Sachsen-Anhalt investiert Geld in klimaschädliche Industrien

11. Mai 2023, 18:20 Uhr

Sachsen-Anhalt legt einen Teil seines Geldes in Unternehmen an, die den Klimazielen der Bundesregierung entgegenstehen. Einem Bericht des Recherchekollektivs CORRECTIV zufolge will das Finanzministerium an den klimaschädlichen Investitionen festhalten. Die Grünen fordern mehr Transparenz bei Investitionen des Landes.

Sachsen-Anhalt investiert Teile seines Vermögens in klimaschädliche Industrien. Das hat das Recherchekollektiv CORRECTIV herausgefunden. Demnach hat das Land mehr als 58 Millionen Euro bei einigen der größten Erdöl- und Gaskonzerne der Welt angelegt, darunter Exxon und BP. Das Landesfinanzministerium habe auf Anfrage mitgeteilt, dass ein "Deinvestment aus Firmen mit fossiler Energiegewinnung" nicht geplant sei.

Grüne fordern Nachvollziehbarkeit von Investitionen

Unter Federführung der Grünen hatte die letzte Landesregierung solche Investitionen verhindern wollen. Nur dank der Recherchen unabhängiger Journalisten wisse man jetzt, dass dieser Beschluss nicht umgesetzt wurde, sagte Cornelia Lüddemann, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Landtag, MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag. Es brauche mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit für Investitionen des Landes, so Lüddemann weiter, denn es handle sich um Steuergelder.

Zehn Bundesländer mit klimaschädlichen Geldanlagen

Neben Sachsen-Anhalt legt unter anderem auch Sachsen Geld in Branchen an, die Kohle, Öl und Gas abbauen und verarbeiten. CORRECTIV hatte bei allen 16 Finanzministerien eine Liste ihrer Anlagen für die Pensionsfonds angefragt. Demnach investieren zehn von 16 Bundesländern hunderte Millionen Euro ihrer Pensionsfonds in Konzerne, die den Klimazielen der Bundesregierung entgegenstehen.

Was sind Pensionsfonds? Mit Pensionsfonds wollen die Bundesländer sicherstellen, dass die Pensionen für Beamte im Ruhestand in Zukunft gezahlt werden können. Finanziert werden sie durch die Haushalte der Länder. In welche Anlagen investiert wird, entscheiden die jeweiligen Finanzministerien.

In den meisten Bundesländern steigt das Volumen der Pensionsfonds. Wo dieses Geld investiert wird, wird damit in Zukunft noch wichtiger.

Bereits 2016 hatte CORRECTIV öffentlich gemacht, dass die Bundesländer damals rund 400 Millionen Euro in klimaschädliche Unternehmen investierten. Einige Bundesländer wie Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen oder Berlin haben zwar kürzlich ihr Portfolio auf mehr Nachhaltigkeit ausgerichtet. Doch auch diese investieren CORRECTIV zufolge weiterhin direkt oder indirekt in klimaschädliche Industrien.

Expertin: Nachhaltige Finanzpolitik ist möglich

Dass die Bundesländer noch immer massiv in fossile Energien investieren, liege vor allem an mangelnder Sensibilisierung oder fehlendem Know-How, sagt Silke Stremlau CORRECTIV. Sie ist Vorsitzende des "Sustainable Finance"-Beirats der Bundesregierung und Vorständin einer nachhaltigen Pensionskasse.

Eine andere Art der Finanzpolitik sei möglich, sagt Stremlau: "Wir haben kein Erkenntnisproblem mehr, nur noch ein Umsetzungsproblem." Es gebe viele nachhaltige Fonds und Auswahlmöglichkeiten, die dieselbe Rendite erbringen würden wie herkömmliche Fonds.

Mehr zum Klimawandel

MDR (Cornelia Winkler), CORRECTIV

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Mai 2023 | 07:00 Uhr

18 Kommentare

Reuter4774 am 12.05.2023

Ja weil es beim Geldanlegen ( in Fonds investieren) um Gewinn erzielen geht. Ich will ja keine Verluste machen. Zumal die Steuergelder ja auch dringend benötigt werden u.a. in den Sozialkassen.

hilflos am 12.05.2023

@ich nicht, aber die Finanzierung eines Teils des Energiepreises aus staatlichen Mitteln, also aus Steuern, geht nur, wenn nicht alles in ideologische Projekten verbrannt wird. Jeder weiß welche Projekte das sind.

hilflos am 12.05.2023

Pwsksk, das mit den USA ist ein ganz schlechtes Beispiel, denn die juckt kein co2 wahn und wahre Freunde brauchen die eh nicht.
Übrigens macht fast jedes halbwegs normal regierte Land egoistisch in AKW nur die deutschen Ampeldeppen... Sorry mein Blutdruck

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