Mehr Bedürftige, weniger Spenden Tafeln in Sachsen-Anhalt an Belastungsgrenze

23. Juli 2022, 07:42 Uhr

Hohe Energiekosten, eine große Nachfrage und weniger Lebensmittelspenden – die Tafeln in Sachsen-Anhalt haben momentan mit vielen Problemen zu kämpfen. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT fordert der Vorsitzende der Tafeln im Land, Steppuhn, Steuererleichterungen für Lebensmittelspenden.

Der Landesvorsitzende der Tafeln in Sachsen-Anhalt, Andreas Steppuhn, hat sich für ein Ende der Versteuerung von Lebensmittelspenden ausgesprochen. Steppuhn sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man brauche dringend ein Lebensmittelrettungsgesetz. Die Hoffnung dahinter: So könnte die in letzter Zeit deutlich zurückgegangene Spendenbereitschaft wieder etwas steigen.

Die Lebensmittelspenden aus Supermärkten und Bäckereien seien in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen, sagte auch Frieder Weigmann, Sprecher der Diakonie Mitteldeutschland. Unter deren Dach gibt es 14 Tafeln mit 24 Ausgabestellen in Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Massive Einbrüche bei Lebensmittelspenden

Bei Molkereiprodukten, Obst und Gemüse seien Spenden teilweise ein Drittel weniger geworden, bei Mehl, Zucker und Reis sogar um 50 Prozent. Zugleich stiegen die Kosten für die Tafeln, etwa die Energiekosten für die Räumlichkeiten, wo die Waren ausgegeben werden und die Transportkosten, um Lebensmittelspenden abzuholen.

Es helfe wenig, dass man ein Wegwerfverbot bekomme, sagte Stepphuhn, der lange für die SPD im Landtag von Sachsen-Anhalt saß. Es müsse erleichtert werden, Lebensmittel zu retten, da wo Überproduktion sei und Lebensmittel übrig blieben. Das gehe los bei Supermärkten bis hin zu den Erzeugern und privaten Haushalten.

Tafeln haben schon länger Probleme

Die Tafeln in Sachsen-Anhalt haben zunehmend Schwierigkeiten: Immer mehr Bedürftige stehen immer weniger Lebensmittelspenden gegenüber. Zudem ist es für Supermärkte immer noch billiger, nicht verkaufte Lebensmittel wegzuwerfen als an die Tafeln zu geben.

Der Schatzmeisterin der Naumburger Tafel, Birgit Schröder, machen die enorm steigenden Sprit-und Energiepreise zu schaffen. Sie sagte, man habe vor Beginn der Krise rund 900 Euro für Energie bezahlt. Ab Juli sollte die Tafel laut Schröder mehr als 3.300 Euro bezahlen. Inzwischen nehmen 10 der 35 Tafeln im Land keine neuen Kunden mehr an.

MDR (Tanja Ries, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Juli 2022 | 06:00 Uhr

9 Kommentare

zeig_auch_charakter_nicht_nur_maske am 24.07.2022

Das Basisproblem in der momentanen Situation ist und bleibt die (regierungsverursachte!) Verteuerung des Transports. Lebensmittel bleiben ungeerntet auf dem Feld (siehe Erdbeeren), weil der Transport nicht lohnt; Verschenk-Angebote im Internet werden nicht wahrgenommen, weil ein paar Kilometer Fahrt (gefühlt mehr noch als real!) zu sehr "ins Geld gehen"; der Vorteil einer guten Infrastruktur (der wirtschaftlich schon den Unterschied BRD-DDR weitgehend ausmachte) wird zur Zeit einfach "weggeworfen".
Möglicherweise ja in ehrlicher (aber eben sehr naiver) Hoffnung auf eine späteren besseren "Neuaufbau"; aber zur Zeit wird eben die wirtschaftliche (und damit auch soziale!) Katastrophe durch blosse Zukunftshoffnung nicht zu stoppen sein. -
"Leere Regale" sind nur die Vorzeichen! Wenns so weitergeht, werden wir in ein paar Jahren die potentiellen Opfer der "Klimaereignisse" gegen eine vielfache Menge an Opfern der Transport-, Heizungs-, Wirtschaftskrise getauscht haben. Verantwortungslos!

DanielSBK am 23.07.2022

Die "Tafel" empfinde ich in der ganzen Berichterstattung eher wie ein Geschäftsmodel was an ihre "Kunden" verkauft; weniger wie ein Gemeinnütziger Verein. Am besten man würde das generell einstellen.

Dachs am 23.07.2022

Wenn man sieht , mit was für prall gefüllten Beuteln die Benutzer die Tafel verlassen, hat nichts mehr mit Unterstützung zu tun sondern ist Vollverpflegung und wer solche schweren Beutel tragen kann ist auch arbeitsfähig.

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