Alle Schüler in Regelklassen Ukraine-Flüchtlinge: Ankunftsklassen sollen aufgelöst werden

20. Februar 2023, 05:19 Uhr

Als vor einigen Monaten viele Menschen wegen des Krieges aus der Ukraine nach Sachsen-Anhalt flüchteten, wurden an Schulen zahlreiche Klassen eingerichtet, in denen nur Ukrainerinnen und Ukrainer gemeinsam lernen. Nun sollen alle nach und nach in die regulären Klassen wechseln. Das Bildungsministerium betont den Stellenwert der Sprachkenntnisse. In regulären Klassen werden die Kinder und Jugendlichen regulär benotet.

Schülerinnen und Schüler, die wegen des Krieges aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sind, sollen in Zukunft regulär in Sachsen-Anhalt zur Schule gehen. Ankunftsklassen soll schrittweise aufgelöst werden. Das teilte das Bildungsministerium Sachsen-Anhalt mit. Demnach besuchen rund 5.700 Geflüchtete in Sachsen-Anhalt derzeit die Schule.

Die 192 ukrainischen Lehrerinnen und Lehrer sowie 63 Lehrkräfte, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten, scheiden spätestens am 31. Juli aus dem Dienst aus. Die entsprechenden Arbeitsverträge seien bis zum Schuljahresende befristet. Ukrainische Lehrerinnen und Lehrer, die langfristig bleiben wollen, können nach Angaben des Ministeriums ukrainische Abschlüsse auf regulärem Weg anerkennen lassen und müssten die benötigten Deutschkenntnisse nachweisen.

Ukrainische Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt in Zahlen Insgesamt werden rund 5.700 geflüchtete ukrainische Schülerinnen und Schüler an Schulen in Sachsen-Anhalt unterrichtet, davon 2.200 an Grundschulen, etwa 1.600 an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen, knapp 1.300 an Gymnasien, 55 an Förderschulen und rund 270 Schülerinnen und Schuler an Gesamt- und Sportschulen. 320 Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, lernen zudem an berufsbildenden Schulen.

Deutschkenntnisse für Versetzung vorausgesetzt

Auch Schülerinnen und Schüler müssen ein bestimmtes Niveau an Deutschkenntnissen besitzen, um in die nächste Klasse versetzt zu werden. Das hatte Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) ukrainischen Eltern Ende Januar in einem Brief mitgeteilt. Feußner schrieb: "Wesentliche Voraussetzungen für den angestrebten Schulerfolg ist das Erlernen der deutschen Sprache."

Man sei deshalb bemüht, die schulischen Angebote zur Sprachförderung weiter auszubauen, mehr unterschiedliche Angebote zu unterbreiten. Die Ministerin forderte Eltern zudem auf, "alle zusätzlichen Möglichkeiten zur Unterstützung Ihrer Kinder, die deutsche Sprache zu lernen, zu nutzen."

Grundschüler: Sprachkenntnisse auf unterschiedlichem Niveau

Die Vorsitzende des Grundschulverbandes, Thekla Mayrhofer, sagt, dass die Deutschkenntnisse der Schülerinnen und Schüler sehr unterschiedlich seien. Einige Kinder sprächen so toll Deutsch, dass man nicht glauben könne, dass sie erst ein Jahr hier seien. Andere würden eher eingeigelt leben. Sie führt das auch darauf zurück, dass man die Schülerinnen und Schüler sehr unterschiedlich aufgeteilt hatte.

An einigen Schulen seien sie auf so viele verschiedene Klassen aufgeteilt worden wie möglich, an anderen Schulen habe es räumlich abgetrennte Ankunftsklassen nur für Ukrainerinnen und Ukrainer mit ukrainischen Lehrerinnen und Lehrern gegeben. Mayrhofer sagt, insgesamt würden sich die ukrainischen Familien etwa bei Schulfesten sehr einbringen.

Keine Noten in Ankunftsklassen

In Ankunftsklassen werden ukrainische Kinder und Jugendliche nicht benotet. Das teilte das Landesschulamt mit. Es gebe aber eine Dokumentation, die mit Zeugnissen vergleichbar sei. Das Ziel der Ankunftsklassen sei es, dass die Kinder und Jugendlichen in Regelklassen wechseln können.

Ukrainische Kinder und Jugendliche, die in Regelklassen lernen, würden hingegen auch regulär benotet. In Ausnahmen könne die Benotung wegen nicht ausreichender Deutschkenntnisse in den ersten zwei Schuljahren ausgesetzt werden. In Abschlussklassen würden abweichende Regeln gelten.

Ein Sprecher des Landesschulamts sagte: "Ukrainische Kinder und Jugendliche sollen perspektivisch nicht nur wie ihre deutschen Mitschüler benotet werden, sondern vor allem genauso wie alle anderen Kinder und Jugendlichen mit Fluchthintergrund. Eigene Standards sind nicht gewollt."

dpa, MDR (Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. Februar 2023 | 10:00 Uhr

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