Minus im Haushalt Bis Ostern doch keine Streichliste bei Jugendhilfe in Chemnitz

In Chemnitz droht mehreren Jugend- und Familienangeboten das Aus. Das Jugendamt hatte sie darüber informiert, dass ihre Förderung zum Jahreswechsel wegfällt. Nun hat die Stadt Chemnitz zurückgerudert und will die Projekte bis nach Ostern 2023 weiter bezahlen – vorerst.

Mann hält einen Taschenrechner und berechnet seine Ausgaben
Zahlreichen Jugend- und Familienangebote in Chemnitz sollte die Förderung durch die Stadt gestrichen werden, weil der Haushalt der Stadt klamm ist. Bildrechte: IMAGO / Jochen Tack

Die von Kürzungen betroffenen Angebote der Jugend- und Integrationshilfe in Chemnitz sollen zunächst bis Ende April 2023 weiter finanziert werden. Das sei durch die kurzfristige Umschichtung von Haushaltsgeldern möglich, teilt die Stadt mit.

"Das heißt für die Projekte, dass sie erstmal weiterarbeiten können, was positiv ist", urteilt der Leiter Soziale Dienste bei der Diakonie Stadtmission Chemnitz, Peter Joachim Wild. "Langfristige Entwicklungsprozesse sind natürlich schwierig, wenn ich nicht sicher bin, ob es in einigen Wochen weiter geht."

Weiterhin große Sorgen bei den Betroffenen

Es bedeute für die Kinder und Jugendlichen, die Sozialpädagogen und die anderen Mitarbeitenden eine große Unsicherheit. "Das ist was, was in Zeiten von Nach-Corona, in Zeiten von Energiekrise ganz, ganz schwer zu vermitteln ist", so Wild. "Wir brauchen eher deutlich mehr Kinder- und Jugendhilfe als eine sehr verunsicherte Kinder und Jugendhilfe, die große Sorge hat, dass das Licht bald ausgeht."

Vor rund zwei Wochen waren mehr als ein Dutzend Angebote der Jugend- und Integrationshilfe in Chemnitz vom Jugendamt darüber informiert worden, dass ihre Förderung zum 1. Januar ausläuft. Grund dafür seien Einsparungen aufgrund eines Haushaltsdefizites. Das Vorgehen der Stadt hatten Stadträte und Betroffene scharf kritisiert.

Petition gegen die Schließung der Kinder- und Familienzentren

Neben anderen Projekten stehen auch alle acht Kinder- und Familienzentren auf der Streich-Liste. Gegen die Schließungen wurde eine Online-Petition ins Leben gerufen, die bislang rund 6.100 Menschen (Stand: 30. November, 16 Uhr) unterzeichnet haben. Am 6. Dezember soll eine Kundgebung gegen die Kürzungen stattfinden, über die zeitgleich im Jugendhilfeausschuss im Rathaus debattiert wird.

Die Stadt hat angekündigt, gemeinsam mit den betroffenen Trägern und Stadträten nun nach einer zukunftsfähigen Lösung für die Projekte zu suchen.

MDR (ali/Christiane Günther)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 30. November 2022 | 17:30 Uhr

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