Eine Gruppe Polizisten steht vor einem Grundstüchstor.
Die Polizeikräfte klingeln in Döbeln buchstäblich an jeder Tür, um auf den Grundstücken mögliche Spuren zu finden und die Anwohner zu befragen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Vermisstes Mädchen "Es ist beklemmend" - So erleben die Menschen in Döbeln die Suche nach Valeriia

07. Juni 2024, 09:25 Uhr

Seit am Montagabend bekannt wurde, dass die neunjährige Valeriia in Döbeln vermisst wird, sucht die Polizei rund um die Uhr nach dem Mädchen. Am Donnerstag waren mehr als 300 zusätzliche Polizeikräfte im Einsatz, um von Haus zu Haus zu gehen und erneut nach ihr zu suchen. In Döbeln sind die Menschen aufgewühlt.

Die Polizeipräsenz in Döbeln am Donnerstagvormittag ist unübersehbar. Dutzende Polizeifahrzeuge fahren durch die Stadt, auf allen größeren Parkplätzen sind ebenfalls die weißblauen Einsatzfahrzeuge abgestellt. Gruppen von Bereitschaftspolizisten und Polizeischülern aus Chemnitz und Schneeberg gehen in der Stadt von Tür zu Tür und suchen auf öffentlichen Flächen.

Mehr als 300 zusätzliche Polizisten seien im Einsatz, sagt der Sprecher der Polizeidirektion Chemnitz, Andrzej Rydzik. "Wir werden - um es geradeaus zu sagen - versuchen, die Stadt noch einmal auf links zu drehen."

Der Sprecher der Polizeidirektion Chemnitz, Andrzej Rydzik, steht mit einer Polizeiweste vor zwei Polizeiautos.
Laut dem Sprecher der Polizeidirektion Chemnitz, Andrzej Rydzik, wird die Suche nach Hinweisen auf das verschwundene Mädchen noch einmal intensiviert. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Wir werden versuchen, die Stadt noch einmal auf links zu drehen.

Andrzej Rydzik Sprecher der Polizeidirektion Chemnitz

Anwohnerbefragungen laufen weiter

Parallel dazu würden weiterhin die Anwohner befragt, sagt Rydzik. "Da die Befragungen im Umfeld der Wohnung von Valeria am Mittwoch keine Ergebnisse gebracht hat, haben wir den Bereich nun auf den Schulweg ausgedehnt."

Die Einsatzkräfte seien alle hoch motiviert. "Viele sind selbst Eltern, da schwingt natürlich eine Betroffenheit mit", erklärt er. Alle hätten das Ziel, die Suche zu einem guten Ergebnis zu führen.

Stadt zwischen Normalität und Ausnahmezustand

In der Stadt rollt der Verkehr wie immer - mehr oder weniger. Ich sehe Eltern mit Kindern, auch kleine Gruppen von Schulkindern, die in Richtung ihrer Schule unterwegs sind. Gleich daneben schwärmen Gruppen von schwarz gekleideten Bereitschaftspolizisten in die umliegenden Straßen aus und drehen, wie es der Polizeisprecher am Morgen gesagt hat, die Stadt auf links.

Zwei Polizisten suchen in Mülltonnen nach Spuren.
Die Polizisten suchen im Stadtgebiet an jedem zugänglichen Ort nach Spuren, die dem vermissten Mädchen zugeordnet werden könnten. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Eine Frau am Straßenrand schaut dem Einsatz etwas ratlos zu. Ich sage ihr, dass die Polizei weiterhin keine heiße Spur hat und weiterhin auf der Suche ist. Da sprudelt es aus ihr heraus: "Das ist so schrecklich, wenn eine Mutter nicht weiß, was mit ihrem Kind passiert ist. Ich kann mir das gar nicht ausmalen, wie sie sich fühlen muss." Hoffentlich werde die Polizei das Kind finden.

Ich folge den Beamten in eine ruhige Wohnstraße in der Nähe der Schule. Auch hier verteilen sie sich, klingeln bei den Anliegern und suchen in den Gartenbereichen nach Hinweisen.

Auf einem Parkplatz stehen dutzende Polizeifahrzeuge und Einsatzkräfte.
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

"Es ist beklemmend"

Als ich zurück in der Innenstadt bin, ist auch dort die Suche nach möglichen Zeugen in vollem Gange. Beamte klingeln an jeder Tür. Ein Ehepaar, das neben mir stehen bleibt, frage ich nach ihrem Gefühl.

"Es ist schon beklemmend", sagt die Frau. "Der Hubschrauber, der über unseren Köpfen kreist und die viele Polizei - das gibt es sonst nicht in Döbeln." Sie sei aber froh, dass die Polizei alles versuche, um das Kind wiederzufinden. "Ich muss immer an die Mutter denken, die nun schon seit Tagen nicht weiß, wo ihre Tochter sein könnte. Schrecklich ist das."

Ungewissheit kaum zu ertragen

Ein junges Paar mit Kinderwagen geht vorbei. Auch sie frage ich, wie sie die Situation empfinden. "Man schaut die Stadt plötzlich mit anderen Augen an", sagt der junge Mann. "Natürlich weiß man nicht, was passiert ist mit dem Kind, aber man denkt immer an etwas Schlimmes." Die junge Frau ergänzt, dass sie hoffe, dass alles gut werde und das Kind wohlbehalten wieder auftaucht. "Das macht mir schon ein bisschen Angst." Die Ungewissheit sei auch für sie nicht gut zu ertragen, weil sie ja auch ein Kind habe. "Ich kann nur ahnen, was die Mutter durchmacht", sagt sie.

Ein Polizist und eine Polizistin klingeln an einer Haustür.
Auch im Bereich der Innenstadt klingeln die Polizisten auf der Suche nach Hinweisen zu Valeriia an jeder Tür. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Suche bringt keine neuen Erkenntnisse

Kurz nach 17 Uhr ist der Einsatz der 300 Polizisten beendet. Ich erkundige mich noch einmal bei Polizeisprecher Andrzej Rydzik nach dem Stand der Suche. Er sagt mir, dass die Beamten das vorher festgelegte Gebiet vollständig abgesucht haben. "Allerdings hat dieser Einsatz keine neuen Erkenntnisse gebracht." Doch an Aufgeben will hier keiner denken. Die Suche werde am Freitag fortgesetzt, ergänzt er.

Auf einem Parkplatz in Döbeln stehen drei Polizeifahrzeuge nebeneinander.
Am Abend war der Einsatz der 300 Polizisten in Döbeln ohne neue Erkenntnisse beendet worden. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 06. Juni 2024 | 19:00 Uhr

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