Trauerzug vor der Trauerhalle auf dem Städtiuschen Friedhof Chemnitz.
Zum Abschied der Trauerfeier erklang der Titanic-Song "Time to Say Goodbye" für Jutta Müller. Sie ist am Mittwoch an der Seite ihres 2016 verstorbenen Mannes Bringfried Müller, ein ehemaliger Fußball-Nationalspieler der DDR, beigesetzt worden.  Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Trainerlegende aus Chemnitz Trauerfeier für Eiskunstlauftrainerin Jutta Müller

13. Dezember 2023, 14:00 Uhr

Sie war die erfolgreichste Eiskunstlauftrainerin der Welt. Am 2. November starb Jutta Müller im Alter von 94 Jahren. Ihre Schützlinge holten 57 Medaillen bei internationalen Meisterschaften - Olympiasiege, Welt- und Europameistertitel. Nun haben viele von ihnen persönlich Abschied genommen.

Die erfolgreichste Eiskunstlauftrainerin der Welt ist am Mittwoch in Chemnitz beigesetzt worden. Jutta Müller war am 2. November im Alter von 94 Jahren in Bernau bei Berlin gestorben. Zu der öffentlichen Trauerfeier auf dem Städtischen Friedhof von Chemnitz waren viele ihrer Weggefährten und Freunde nach Chemnitz gekommen.

Unter den etwa 100 Trauergästen waren neben Tochter Gaby Seyfert und deren Familie auch ehemalige Schützlinge wie Katarina Witt, Anett Pötzsch und Jan Hoffmann. Mit Peter Seifert, Barbara Ludwig und Sven Schulze (SPD) erwiesen zwei ehemalige und der amtierende Oberbürgermeister der Stadt der Toten ihre Ehre.

Gaby Seifert (li.) mit Trainerin und Mutter Jutta Müller, 1969.
Jutta Müller (re.) 1969 zusammen mit ihrer Tochter Gaby Seyfert (Archivfoto). Bildrechte: IMAGO / Camera 4

"Hingabe zur Perfektion"

Vor der Trauerhalle hatten sich auch viele Chemnitzer Bürger versammelt, um von der weltberühmten Trainerin Abschied zu nehmen. Die Trauerreden wurden per Lautsprecher nach draußen übertragen. Die ehemalige Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sagte in ihrer Traueransprache, eigentlich hätte man heute den 95. Geburtstag von Jutta Müller feiern wollen. Doch das Schicksal habe anders entschieden.

Jutta Müller habe sie stets beeindruckt, mit ihrer Hingabe zur Perfektion. Sie sei als Trainerin eine Visionärin gewesen, die das Potential ihrer Schützlinge erkannt und gefördert habe. Die Stadt habe den Auftrag, das Vermächtnis dieser weltberühmten Trainerin zu bewahren.

"Rücken gerade, Brust raus und keine Bange!"

Katarina Witt, die zweimal Olympiasiegerin mit ihrer Trainerin wurde, sagte zum Abschied: "Sie waren für uns ein großer Inspirator, für seine Ziele zu kämpfen." Ihre Trainerin Jutta Müller habe die kleine DDR auf die Weltkarte des Sports gebracht. Mit ihrer Disziplin, ihrem Ehrgeiz und der Beharrlichkeit ein Ziel zu verfolgen, stehe Jutta Müller für eine Haltung, die heutzutage fast schon nicht mehr zeitgemäß erscheine.

Witt sagte, sie habe von Jutta Müller vor allem gelernt, dass man beharrlich seine Ziele verfolgen müsse, gemäß dem Motto: "Rücken gerade, Brust raus und keine Bange, dass es nicht klappt!"

Sie waren für uns ein großer Inspirator, für seine Ziele zu kämpfen.

Katarina Witt Abschiedsworte an ihre ehemalige Trainerin Jutta Müller

Archivbild von Katarina Witt, rechts, und ihrer damaligen Trainerin Jutta Mueller, die sich am 15. Maerz 1987 gemeinsam über den Gewinn der Goldmedaille bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Cincinnati (USA) freuen.
Jutta Müller und Kati Witt freuen sich uber den Sieg bei den Weltmeisterschaften 1987 in Cincinnati (USA). Bildrechte: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Anonymous

Liebevolle und herzliche Oma

Enkelin Sheila sagte, sie werde ihre Großmutter als "stark, humorvoll und elegant" in Erinnerung behalten. Entgegen dem weit verbreiteten Image der strengen und fordernden Trainerin habe sie ihre Oma als liebevollen und herzlichen Menschen lieben gelernt, der herrlich mit der Enkelin blödeln konnte.

Und auch wenn ihre Oma ganz weit weg gewesen sei, habe sie an ihre Familie daheim gedacht. Allerdings - typisch Jutta Müller - sehr dezent: "Wir hatten mit Omi ausgemacht, immer wenn sie im Fernsehen zu sehen war und sich ans Ohr gefasst hat, war das ein Gruß für uns zu Hause."

Die Erfolgstrainerin Jutta Müller wird zu ihrem 80. Geburtstag Ehrenbürgerin von Chemnitz
Zu ihrem 80. Geburtstag bekam Jutta Müller die Ehrenbürgerurkunde der Stadt Chemnitz (hier mit Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig). Bildrechte: IMAGO / HärtelPRESS

Chemnitzer Bürger nehmen Abschied

Zur Trauerfeier hatten sich auch viele Chemnitzerinnen und Chemnitzer auf dem Städtischen Friedhof versammelt. Darunter zwei Frauen, die der Meinung sind, mit Jutta Müller verliere Chemnitz die berühmteste Persönlichkeit der Stadt: "Kati Witt ist ja fast noch berühmter. Das ist wahr. Aber ohne Jutta Müller wäre sie nie so erfolgreich geworden."

Ihre Begleiterin ergänzte: "Wir haben Jutta Müller alle sehr verehrt. Sie hat uns Karl-Marx-Städter und Chemnitzer stolz auf unsere Stadt gemacht."

Ein Mann trägt eine Urne die Treppe von der Trauerhalle hinunter. Ihm folgt die Trauergemeinde.
Über hundert Gäste aus Sport, Kultur und Politik und viele Chemnitzer nahmen Abschied von Erfolgstrainerin Jutta Müller. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Jutta Müller hat uns Karl-Marx-Städter und Chemnitzer stolz auf unsere Stadt gemacht.

Chemnitzerin bei der Trauerfeier

Beeindruckende Karriere

Seit 1955 war Jutta Müller als Eiskunstlauftrainerin aktiv. Für ihre internationalen Erfolge wurde sie während ihrer Karriere als Trainerin wie auch nach ihrer aktiven Laufbahn mehrfach geehrt. Sie wurde im Jahr 1980 in der DDR mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold und 1988 mit dem Karl-Marx-Orden ausgezeichnet. Im Jahr 2003 nahm der Weltverband, die International Skating Union, Jutta Müller in Colorado Springs in die "Hall of Fame" auf.

Ihre größten internationalen Erfolge erzielte sie mit:

  • Katarina Witt (zweifache Olympiasiegerin, vierfache Weltmeisterin und sechsfache Europameisterin)
  • Anett Pötzsch (Olympiasiegerin, zweifache Weltmeisterin und vierfache Europameisterin)
  • Jan Hoffmann (zweifacher Weltmeister, vierfacher Europameister und Olympia-Silber)
  • Gaby Seyfert (zweifache Weltmeisterin, dreifache Europameisterin, Olympia-Silber).

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MDR (mwa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 13. Dezember 2023 | 13:30 Uhr

1 Kommentar

Erna vor 31 Wochen

Damals mit "Zuckerbrot und Peitsche" zu Weltruhm und Spitzenleistung. Heute mit Teilnahmeurkunde und "dabeisein ist alles" chancenlos. Mit Samthandschuhen bringt man niemanden zu Spitzenleistung, genau wie man ohne Bildung nie ein guter Politiker sein kann.

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