Konzert Klassik Deluxe - ein Start-up aus Dresden hat keine Angst vor großen Namen

14. Mai 2023, 15:20 Uhr

Ein Konzert beginnt, ein berühmter Chor tritt auf, das Publikum strömt herbei. Aber was ist eigentlich drum herum zu tun? Wer kümmert sich um Künstler und Publikum, um den Saal, die Gagen, die Technik oder das Catering? Das machen Konzertveranstalter. Große, berühmte Agenturen wie MAWI, Semmel oder Lieberberg. Aber es gibt auch neue, kleine und regionale Agenturen. Deren Stärke ist das besondere Erlebnis, die fast private Atmosphäre, und die ganz persönliche Leidenschaft dahinter. Wie bei Klassik Deluxe.

Noch 90 Minuten bis zum Konzertbeginn. In der Pirnaer Marienkirche singt sich der weltberühmte Knabenchor aus Poznan warm. Draußen im Vorraum stehen Steffen und Christian die Schweißperlen auf der Stirn. Das kleine Team um die beiden jungen Männer hat alle Hände voll zu tun und noch jede Menge Fragen. Die Abendkasse aufbauen, Werbeaufsteller zurechtrücken, Programmhefte verteilen, Soundcheck für die Mikrofone. Und wer hat eigentlich die Kisten mit der Schokolade?

Wie, Schokolade? "Ja", lacht Steffen, "die geben wir den Gästen nachher für den Heimweg mit. Als süße Erinnerung an einen hoffentlich tollen Konzertabend!" Ja, bei Klassik Deluxe ist einiges anders als bei anderen Konzerten. Hier sind die Veranstalter selbst vor Ort, kümmern sich um alles, sprechen mit den Künstlern letzte Fragen ab, und wenn dann das Publikum hereinströmt, wird jeder zu seinem Platz geleitet, bekommt kostenlos ein Programm. Steffen schiebt letztlich sogar noch die Rollatoren in die letzte Reihe, nachdem er die gehbehinderten Gäste zu ihren Plätzen begleitet hat.

Als dann endlich die wunderschönen Stimmen der Sänger des Poznaner Knabenchores erklingen, können sich auch die beiden endlich zurücklehnen und genießen. Denn das, was sie hier machen, ist eine Herzensangelegenheit.

Vom Sänger zum Veranstalter

Steffen Schuster und Christian Hacker sind beide ehemalige Kruzianer, Mitglieder des weltberühmten Dresdner Kreuzchores. Später ging der eine ins Marketinggeschäft, der andere blieb der Kunstszene als Agent treu. Doch was beide schon immer wollten, war eigene Veranstaltungen zu organisieren, Künstler zu engagieren. Nach dem Ende der Pandemie erfüllten sie sich endlich ihren Traum – eine eigene Konzertagentur.

"Eigentlich war das Wahnsinn nach den letzten drei Jahren. Jeder Unternehmensberater hätte gesagt: 'Lasst bloß die Finger davon!' Aber was überwiegt, ist die Leidenschaft. Wir haben beide die Kreuzchor-Vergangenheit, auch wenn wir unterschiedlichen Alters sind, aber da kommen wir her und da ist die Liebe zur klassischen Musik schon ganz früh entstanden", sagt Steffen Schuster.

"Keine Angst vor großen Namen"

Und wie kommt man an die Künstler heran? Denn wenn man Publikum anlocken will, braucht man gute Künstler, große Namen, berühmte Stimmen und Orchester. Christian Hacker lacht – einfach nach dem Motto "Keine Angst vor großen Namen":

"Ich habe einfach an den Chorleiter Jacek Sykulski geschrieben. Und aus einer E-Mail wurden drei, wurden nette Telefonate, und schon schwang ich mich auf mein Rennrad und bin von Dresden nach Posen gefahren und wir haben alles abgesprochen. Also ich habe meine Leidenschaft für die Musik mit der Leidenschaft fürs Radfahren kombiniert."

Was für ein Glück – der berühmte Chor, der auch die "Polnischen Nachtigallen" genannt wird und der in einer Reihe steht mit den Leipziger Thomanern oder den Wiener Sängerknaben, folgte der Einladung. 50 junge Sänger und Männer reisten aus Polen an und schon war wieder Betreuung gefragt. Am Tag vor dem Konzert stand eine Wanderung in der Sächsischen Schweiz auf dem Programm und ein abendliches Lagerfeuer. Die Gäste sollten sich schließlich wohlfühlen.

Unterstützung aus der regionalen Wirtschaft

Doch all das geht nicht ohne finanzielle Unterstützung. Und die haben Steffen Schuster und Christian Hacker in einem Dresdner Unternehmen gefunden, der Firma BSI – Beratende Ingenieure. "Für uns ist die Förderung junger Talente im Ingenieurwesen ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmenskultur, auch grenzüberschreitend. Als europäisches Ingenieurbüro bauen wir Brücken von Ufer zu Ufer. Die Sänger bauen Brücken von Mensch zu Mensch", erklärt der Geschäftsführer der BSI, Christian Simchen, sein Engagement.

Tränen und Schokolade

Von orthodoxen korsischen Mönchsgesängen über polnische Chormusik des 19. und 20. Jahrhunderts bis zu Popklassikern – die Zuschauer in der Pirnaer Marienkirche erleben ein umfangreiches Repertoire unter dem Motto "Der Klang Europas". Höhepunkt des Konzerts ist Leonhard Cohens berühmtes "Hallelujah" mit einem berührenden Solo eines der jüngsten Chorknaben. Da hat manch ein Zuschauer doch eine Träne im Auge. Minutenlanger Applaus am Schluss - und glückliche, selbst ganz ergriffene Veranstalter.

Steffen Schuster: "Das ist genau das, was wir möchten: den Leuten ein berührendes Erlebnis schaffen, was nachhaltig bleibt. Man kann nie genug solche Momente schaffen, das ist nie verkehrt." Am Ausgang dann bekommt tatsächlich jeder Gast noch ein Stück Schokolade für den Heimweg - die kleinen Dinge machen eben den Unterschied.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 07. Mai 2023 | 19:00 Uhr

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