Lohnkampf Beschäftigte von Teigwaren Riesa protestieren in Baden-Württemberg

20. Oktober 2022, 19:40 Uhr

Die Beschäftigten der Teiwaren Riesen kämpfen seit langem mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für einen höheren Lohn. Aktuell hätten viele nur Mindestlohn. Doch das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg lehnt die Lohnforderungen ab und hat eigene Tarifvorstellungen. Höhere Löhne hätten angeblich schwere Folgen für das Unternehmen.

Beschäftigte der Teigwaren-Fabrik Riesa haben am Donnerstag vor dem Gebäude des Nudelproduzenten Alb-Gold in Trochtelfingen in Baden-Württemberg protestiert. Dort hat die Eigentümerfamilie Freidler ihren Sitz, die Teigwaren Riesa nach der Wende gekauft hatte. Mit der Protestaktion wollten die Beschäftigten in den festgefahrenen Lohnverhandlungen den Druck erhöhen.

Der Tarifstreit zwischen dem Nudel-Produzenten und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist mittlerweile in der vierten Verhandlungsrunde. Die NGG fordert zwei Euro mehr Lohn pro Stunde bis Ende 2023. Das Unternehmen sei hingegen nur zu einer Lohnsteigerung von 1,20 Euro bereit, sagte der Gewerkschaftsverteter des NGG-Landesbezirks, Olaf Klenke: "Armutslöhne beim ostdeutschen Markenführer müssen endlich der Vergangenheit angehören." Aktuell verdienten viele Beschäftigte einen Stundenlohn von knapp über zwölf Euro.

Armutslöhne beim ostdeutschen Markenführer müssen endlich der Vergangenheit angehören.

Olaf Klenke Landesbezirk Ost der NGG

NGG: Leute dauerhaft in Mindestlohn halten?

Die Forderungen der NGG lehnt der Nudel-Hersteller ab. Dabei habe die Gewerkschaft dem Unternehmen mehrere Kompromisse angeboten, wie etwa mit einer stufenweisen Lohnerhöhung, sagte Klenke: "Das Unternehmen ist nicht bereit, darüber zu reden, ob mehr als 1,20 Euro gezahlt werden kann."

Die NGG habe bereits von ihren ursprünglichen Forderungen Abstand genommen. Die Gewerkschaft habe einen klaren Auftrag von den Beschäftigten der Nudel-Fabrik in Riesa bekommen, in der etwa 150 Beschäftigte arbeiten. Die Mehrheit wolle weg vom Mindestlohn, so Klenke: "Welchen Anspruch hat das Unternehmen als Markenführer in Ostdeutschland? Sollen die Leute dauerhaft auf Mindestlohn gehalten werden in so einem namhaften Unternehmen?"

Alb-Gold: Forderungen gefährden Zukunft des Unternehmens

Eine Sprecherin des Nudel-Produzenten Alb-Gold verwies am Donnerstag auf das Tarif-Angebot von Ende August, das die NGG abgelehnt habe. Dieses sah vor, den Lohn in zwei Stufen um insgesamt zehn Prozent innerhalb eines Jahres zu erhöhen. Mit ihren "unrealistischen Forderungen" gefährde die Gewerkschaft die Zukunft des Unternehmens, sagte die Sprecherin.

Unterdessen streiken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nudelherstellers in Riesa seit rund zwei Wochen. Laut Klenke wird es dann auch erste betriebliche Auswirkungen für die Betriebe des Nudel-Produzenten in Baden-Württemberg geben: "Die Streikfolgen werden immer offensichtlicher. Das Unternehmen muss überlegen, ob es Geld verbrennen will durch drei, vier oder fünf Streikwochen."

MDR (phb)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten des Regionalstudios Dresden | 20. Oktober 2022 | 15:30 Uhr

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