Hochwasserschutz Wie sich Sachsen seit der Flut 2002 besser schützt

Die Hochwasserkatastrophe im August 2002 ging als sächsische Jahrhundertflut in die Geschichte ein. Damals war man von der Situation völlig überrascht. Seitdem ist viel getan worden - bei den Vorwarnsystemen, aber auch beim Material.

Sandsäcke werden zum Schutz abgelegt.
Mobile Sperren erhöhen die Deiche und helfen im Ernstfall, Hochwasser zu verhindern. (Archivfoto) Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Um die Bürger besser und schneller vor Hochwasser zu warnen, werden zum Beispiel neue Sirenen angeschafft, wie in Oederan im Erzgebirge. Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler) hält sie für das beste Mittel im Katastrophenfall.

Sirenen werden für Katastrophenfall aufgerüstet

Auch beim Hochwasser 2002 war die Stadt damit nach einem nächtlichen Dammbruch alarmiert worden. "Es gibt keine schnellere Information wie diese Sirene, weil die zur gleichen Zeit mit ihrem Ton überall präsent, ist," sagt Bürgermeister Schneider. Radio oder Handy seien nicht so sicher, weil diese nicht immer angeschaltet seien. "Eine Sirene, das sind wir gewöhnt, das ist eine sichere Angelegenheit. Das funktioniert."

Eine Sirene, das sind wir gewöhnt, das ist eine sichere Angelegenheit, das funktioniert.

Steffen Schneider Bürgermeister in Oederan

Die neuen Exemplare können nicht nur hupen, sondern auch Sprachnachrichten verbreiten. 13 Sirenen will Oederan auf den neuesten Stand bringen und hofft auf notwendiges öffentliches Geld dafür.

Landeshochwasserzentrum warnt Bürger und Behörden im Ernstfall

Dass die Informationen über eine Hochwasserlage schnell beim Bürger ankommen, dafür ist das Landeshochwasserzentrum in Dresden zuständig. Es war nach der Flutkatastrophe deutlich ausgebaut worden. Experten beobachten nun ständig die Wetterentwicklungen und die Flusspegel. "Kommt es in einem Flussgebiet zur Überschreitung der Hochwassermeldegrenze, geht eine Hochwasserwarnung, eine Eilbenachrichtigung raus, und alle untenliegenden Warngebiete werden ebenfalls informiert," erklärt die Leiterin des Landeshochwasserzentrums Kristina Rieth.

Eine Frau steht vor einer Karte.
Die Leiterin des Landeshochwasserzentrums, Kristina Rieth, hat die Lage im Blick und zeigt in Sachsen auf 54 kleinteilige Flut-Warngebiete. Bei regionalen Unwettern können die Bürger zielgenau informiert werden. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Diese Meldungen werden über Rundfunk und Fernsehen, über das Internet, aber auch über kostenlose Warnapps wie Katwarn oder Nina verschickt - an Privatleute aber auch zu den Entscheidern im betroffenen Ort. Die alarmieren bei Bedarf Rettungskräfte und setzen Krisenstäbe ein.

Rechtzeitig informiert – mobile Sperren errichtet

Auf die schnellen Informationen aus den Hochwasserzentrum ist auch das Klärwerk Dresden-Kaditz, das unmittelbar an der Elbe liegt, angewiesen. 2002 war die Anlage in den Fluten versunken, die Abwasserbehandlung für 700.000 Menschen zusammengebrochen.

Überschwemtes Gewerbegebiet
In dem Klärwerk entstand beim Hochwasser 2002 ein Schaden von 46 Millionen Euro, auch weil man damals nicht vorbereitet war (Archivfotot). Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Damit das nicht wieder passiert, werden die Pegel und Alarmsysteme des Landeshochwasserzentrums ständig im Auge behalten, sagte Klärwerksleiter Gert Bamler MDR SACHSEN: "Dieses Zeitfenster, das uns zur Verfügung besteht, um unsere Maßnahmen umzusetzen, das müssen wir bestmöglich nutzen. Deshalb haben wir großes Interesse, die Informationen so früh wie möglich zu bekommen."

Inzwischen wurde der Hochwasserschutz der Kläranlage auf zehn Meter Elbpegel angehoben, das sind 60 Zentimeter mehr als 2002. Im Ernstfall werden auf den Deichen mobilen Sperren errichtet. Aber für den Aufbau braucht es Vorwarnzeit. Immerhin kann das Landeshochwasserzentrum an der Elbe 60 Stunden vorher warnen. An den Nebenflüssen wie Mulde oder Flöha sind bereits 24-Stunden-Vorhersagen realistisch.

Hochwasserschutzlager mit über 15 Millionen Sandsäcken

Um besser gegen Hochwasser gewappnet zu sein, wurden sachsenweit auch Hochwasserschutzlager eingerichtet oder ausgebaut. Erst 2020 ging ein neues Lager in Görlitz-Hagenwerder in Betrieb. Dort lagern seither eine Million Sandsäcke, Schutzvlies und sogenannte BigBags, das sind große Stausäcke aus Kunststoff. Nach Angaben der Landestalsperrenverwaltung hatte das Hochwasser im August und September 2010 gezeigt, dass das Hochwasserschutzlager in Lohsa für die beiden Landkreise Bautzen und Görlitz nicht ausreiche.

Sandsäcke schützen das Elbufer in Pieschen.
Bei der Flut an der Elbe in Dresden haben die Sandsäcke nicht immer ausgereicht. Bildrechte: Heike Brauer

Damit die Materialien im Notfall schnell dorthin gelangen, wo sie gebracuht werden, stehen in Sachsen insgesamt fünf Hochwasserschutzlager bereit. Sie befinden sich in Chemnitz, in Trebsen im Landkreis Leipzig, in Radeburg im Kreis Meißen, in Lohsa im Landkreis Bautzen und in Hagenwerder im Landkreis Görlitz.

Sandsäcke (ungefüllt) in Hochwasserschutzlagern in Sachsen
  Chemnitz Görlitz Lohsa Radeburg Trebsen Gesamt
             
  4,8 Millionen 1 Million 1,5 Millionen 3,2 Millionen 5.2 Millionen 15,7 Millionen
        plus 1,3 Millionen Ende 2022    
             
        4,5 Millionen    

Quelle: Landestalsperrenverwaltung Sachsen

Derzeit wird das Lager in Radeburg ausgebaut und soll Anfang 2023 fertiggestellt sein, wie eine Sprecherin der Landestalsperrenverwaltung MDR SACHSEN sagte. Dann sollen dort 4,5 Millionen Sandsäcke für den Katastrophenfall bereitliegen, 1,3 Millionen mehr als bisher. Das Lager versorgt die Kreise Meißen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und den Raum Dresden im Notfall mit Material.

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https://www.mdr.de/sachsenradio/programm/audio-hochwasserschutz-dresden-laubegast-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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MDR (kbe,she)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 11. August 2022 | 19:00 Uhr

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