In einem hellen Ausstellungsraum laden verschiedene Stationen mit Erklärtexten und multimedialen Elementen zum Entdecken ein. In der Mitte des Bildes ist das Ausstellungselement wie ein überdimensionales Buch gestaltet, das die Aufschrift "Dornröschen" trägt.
Digitales Märchenbuch mit den drei Varianten des Märchens in der Ausstellung "Dornröschen. Das Märchenschloss im Blütentraum" Bildrechte: Stefan Hoyer

Es muss nicht immer Aschenbrödel sein Anderes Märchen, gleiche Magie: Dornröschen-Ausstellung auf Schloss Hartenfels

von Grit Krause, Landeskorrespondentin MDR KULTUR

22. November 2023, 15:30 Uhr

Sie ist ein echter Klassiker – die Winterausstellung "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" auf Schloss Moritzburg. Dabei gibt es noch ein weiteres Schloss in Sachsen, das sich seiner Märchenfilmgeschichte widmet: Schloss Hartenfels in Torgau. Dort wurde 1970 die DEFA-Verfilmung von "Dornröschen" gedreht. Sie ist Ausgangspunkt einer Sonderausstellung rund um die schlafende Schöne, deren Besuch sich lohnt.

Der Große Wendelstein von Schloss Hartenfels gehört zu den Hauptwerken der deutschen Renaissancearchitektur. Damals wie heute ist er ein Blickfang mit seiner spektakulären Farbenpracht. Wenn man sich allerdings das DEFA-Märchen "Dornröschen" von 1971 anschaut, für das Schloss Hartenfels als Filmkulisse diente, blickt man lediglich auf puren, verwitterten Stein. Damals war das Schloss noch nicht restauriert und die schöne Farbigkeit hat gefehlt. Die Wandlung des Schlosses zu zeigen, sei gewollt gewesen, sagt Lydia Klöppel, die Leiterin von Schloss Hartenfels .

Vom Film zurück zur Literatur

Lydia Klöppel war es auch, die die Idee hatte, die Märchenfilmvergangenheit von Schloss Hartenfels zum Thema einer Sonderausstellung zu machen. Dabei spielen u. a. verschiedene Szenen aus dem Film eine Rolle: Wie die Spindeln auf dem Schlosshof verbrannt werden oder die so genannte böse Fee mit einem Spinnrad unterm Arm den imposanten Wendelstein emporeilt.

Szene aus einem Film, in dem ein Mädchen in einem hellblauen Kleid hinter einem Spinnrad sitzt, neben ihm steht eine Frau in einem weißen Kleid mit goldenem Besatz und hält ihm die Hand
Szene aus der DEFA-Verfilmung von 1970: Dornröschen, gespielt von Juliane Korén (rechts), sticht sich an der Spindel der bösen Fee, dargestellt von Vera Oelschlegel (links) Bildrechte: MDR/WDR/CINE AKTUELL

Doch das ist nur der Auftakt der Schau, denn vom Film führt der Weg wieder zurück zum Ursprung, zur Literatur. Da gehört natürlich das Dornröschen der Brüder Grimm dazu, aber auch "Sonne, Mond und Thalia" von Giambattista Basile aus dem Jahr 1634 und Charles Perraults "Schlafende Schöne im Wald", erschienen 1697 in Frankreich. Die Originaltexte kann man sich an den Hörstationen noch einmal vorlesen lassen

Grenzüberschreitende Szenen und feministische Perspektiven

Grafiken, etwa von Josef Hegenbarth und Ludwig Richter illustrieren die Texte. Besonders gelungen sind die Federzeichnungen des Dresdner Künstlers Chris Löhmann. Zum Teil sind die Szenen daraus aus heutiger Perspektive beklemmend, wenn etwa in "Sonne Mond und Thalia" der Prinz die schlafende Thalia nicht wachküsst, sondern sich an ihr vergeht. Da lag der Bezug zu Goethes "Heidenröslein" nahe, das die Ausstellung ebenfalls zitiert. Das brechen einer Rose sei symbolisch für das Vergewaltigen einer Frau, erklärt Lydia Klöppel.

Zwei Zeichnungen in einem Bilderrahmen zeigen Motive des Märchens "Dornröschen"
Der Dresdner Künstler Chris Löhmann hat eine Art Märchen-Storyboard gestaltet. Bildrechte: MDR/Grit Krause

Diese gesellschaftlichen Konventionen, die diese Lesart des Märchens beflügelt haben, seien durch einen Film aufgebrochen worden, so Lydia Klöppel weiter: "Maleficent – Die dunkle Fee" von 2014. Mit durchaus feministischem Ansatz, denn der "Kuss der wahren Liebe", durch den die schlafende Prinzessin Aurora geweckt werden kann, kommt von der dunklen Fee, ihrer unfreiwilligen Ziehmutter. Auch Maleficent begegnet man als lebensgroßer Figur in der Ausstellung in Torgau.

Dornröschen soll festen Platz auf Schloss Hartenfels finden

Immer umgeben von zartem Rosenduft taucht man ein ins Dornröschenuniversum auf Schloss Hartenfels, in dem sich auch so unverzichtbare Requisiten, wie der Goldene Teller, ein Spinnrad oder eine Dornenhecke befinden. Nicht zu vergessen: die wunderbaren originalen Puppen aus dem DEFA-Trickfilm "Dornröschen" von 1968, die wie einst auf dem Tricktisch szenisch in Vitrinen arrangiert wurden.

Eine Vitrine zeigt eine Reihe von Puppen in mittelalterlicher Kleidung, die um eine weitere Puppe mit Krone, Kleid und rotem Umhang neben einer Wiege stehen
Die originalen Puppen aus dem DEFA-Trickfilm "Dornröschen" aus dem Jahr 1968 gehören zu den Highlights der Ausstellung auf Schloss Hartenfels. Bildrechte: MDR/Grit Krause

Beim Publikum kommt das alles an. Das beweist nichtzuletzt ein Blick in das Besucherbuch. Für Kuratorin Lydia Klöppel steht deshalb fest, dass Dornröschen nach der Sonderausstellung einen festen Platz auf Schloss Hartenfels bekommt. Ab Frühjahr 2024 plant sie eine neu gestaltete Abteilung zum Thema Geschichten aus dem Märchenschloss.

Weitere Informationen zur Ausstellung

Sonderausstellung "Dornröschen. Das Märchenschloss im Blütentraum"
noch bis zum 31. Dezember auf Schloss Hartenfels zu sehen

Schloss Hartenfels
Schlossstraße 27
04860 Torgau

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 16 Uhr

Preise:
Erwachsene 5 Euro
Ermäßigt 4 Euro
Kinder bis 17 Jahre Eintritt frei

(Redaktionelle Bearbeitung: as, tmk)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. November 2023 | 07:10 Uhr

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