Kriminaltechnik Liegen noch mehr menschliche Knochen auf JVA-Gelände Torgau?

Blick auf die Justizvollzugsanstalt (JVA) Torgau auf der ehemaligen Festungsanlage Fort Zinna.
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Die Polizei vermutet noch mehr menschliche Knochen an der Justizvollzugsanstalt Torgau (JVA). Ende Juni waren auf dem Gelände des Gefängnisses bereits Skelettteile gefunden worden. Nach derzeitiger Einschätzung sei mit weiteren sterblichen Überresten zu rechnen, teilte die Staatsanwaltschaft Leipzig mit. Die Zahl der Skelette und -teile könne noch nicht abgeschätzt werden. Derzeit seien die Grabungen vorläufig unterbrochen worden, auch, um zu prüfen, ob bei der Suche Technik weiterhelfen könnte.

Rechtsmediziner untersuchen Knochenfunde

Bei Bauarbeiten waren Ende Juni die Gebeine mehrerer Menschen entdeckt worden. Die Fundstelle soll an der Nordmauer liegen, hieß es. Anhand der bisherigen Erkenntnisse geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass es sich bei den bislang gefundenen Knochen um die Überreste einer Personengruppe einer im unteren zweistelligen Bereich handelt. Die Zahl könne sich noch ändern. Rechtsmediziner seien dabei, das Alter der Skelettteile und die mutmaßlichen Todesumstände zu klären. Mit einem Ergebnis sei in einigen Wochen oder Monaten zu rechnen. Allerdings: An der ersten Einschätzung, dass die Knochen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen, habe sich bislang nichts geändert.

Früheres Militärgefängnis

Die bis 1813 gebaute Anlage Fort Zinna wird seit 1890 in Torgau als Gefängnis genutzt. Ab 1943 befand sich dort zwei Jahre lang das Reichskriegsgericht. Nach Angaben des sächsischen Justizministeriums waren in dieser Zeit Militärangehörige gefoltert und im Wallgraben der Anstalt erschossen worden. 1945 wurde das Gefängnis dann kurzzeitig ein sogenanntes sowjetisches Speziallager. Seit 1950 wird die Einrichtung von der deutschen Justiz für den Strafvollzug genutzt.

Eine Tafel vor der JVA Torgau informiert 2010 über die Geschichte des Gefängnisses in der NS-Zeit.
Eine Tafel vor der JVA Torgau informiert über die Geschichte des Gefängnisses in der NS-Zeit. Bildrechte: dpa

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MDR (kk)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 30. Juni 2022 | 12:30 Uhr

1 Kommentar

wer auch immer vor 5 Wochen

Kommt darauf an wie tief man gräbt.
Vielleicht schon vor tausenden Jahren ein Ort mit Grausamkeiten.

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