Der geschlossene Eingang einer Galeria-Kaufhof-Filiale
Am Montag informierte der Warenkonzern in Essen über die Streichliste: 52 Kaufhäuser sollen schließen, auch der Standort Leipzig. Das Unternehmen begründete die Schließungen mit hohen Energiepreisen und Konsumflaute. Bildrechte: dpa

Einzelhandel Galeria Kaufhof - Schließungen: Leipzig in Sorge, Chemnitz erleichtert

14. März 2023, 08:46 Uhr

Der Kaufhaus-Konzern Galeria Karstadt Kaufhof will 52 seiner noch verbliebenen 129 Warenhäuser deutschlandweit schließen. Auch Leipzig ist betroffen. 160 Beschäftigten droht Arbeitslosigkeit. Die Enttäuschung über das angekündigte Aus ist groß. Gewerkschafter und Lokalpolitiker wollen nicht tatenlos zusehen, sie rufen zum Handeln auf. In Chemnitz und Dresden ist die Erleichterung über den Erhalt der Standorte dagegen groß.

Leipzigs letztes traditionelles Kaufhaus der Stadt soll am 30. Juni schließen. Das teilte der Konzern am Montag mit. Die Kaufhausstandorte in Chemnitz und Dresden sollen demnach erhalten bleiben. "Für Leipzig ist die Schließung von Galeria Karstadt Kaufhof enttäuschend, vor allem für die engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es ein herber Schlag", sagte Wirtschaftsdezernent Clemens Schülke. Man stehe vor der Aufgabe, die Innenstadt neu auszurichten. Vor rund vier Jahren hatte bereits das historische Karstadt-Warenhaus geschlossen. In Einkaufszentren gebe es derzeit einigen Leerstand.

Gewerkschaft will für Leipzig kämpfen

Von einem "rabenschwarzen Tag", sprach der Galeria-Betriebsrat, weil bundesweit mehr als 5.000 Arbeitsplätze wegfielen. In Leipzig seien 160 Beschäftigte davon betroffen. Der Verdi-Landesbezirk kündigte Widerstand gegen die Schließung in Leipzig an. "Wir dürfen die Schließungspläne nicht tatenlos hinnehmen", sagte Gewerkschafter Torsten Furgol. Ein Aktionsplan solle erarbeitet und Kommunal- und Landespolitiker als Unterstützer für das Anliegen gewonnen werden.

Wir dürfen die Schließungspläne nicht tatenlos hinnehmen. Nachdem hunderte Millionen Euro an Steuergeldern in das Unternehmen gepumpt wurden, sollen etliche Innenstädte weiter veröden.

Torsten Furgol Verdi-Landesbezirk Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Fachbereich Handel

Die Beschäftigten hätten über Jahre auf erhebliche Teile ihres Tarifentgeltes verzichtet. "Nun müssen sie erneut - wie schon im Jahr 2020 - feststellen, dass es nicht geholfen hat." Furgol kritisierte auch, dass die Unternehmensleitung kein tragfähiges Konzept für ein Warenhauskonzept auf den Tisch gelegt habe. Es wäre ein "Supergau", wenn eine derart große Fläche mitten in der Leipziger Innenstadt leer bliebe. Schon jetzt gebe es andere Leerstände in der Stadt.

IHK bezeichnet geplante Warenhausschließung in Leipzig als Desaster

Die Industrie- und Handelskammer Leipzig hat die geplante Schließung von Galeria Karstadt Kaufhof als Desaster für die Leipziger Innenstadt bezeichnet. Der Geschäftsführer für Grundsatzfragen, Gert Ziener, sagte dem MDR, die Branche sei gerade auf einem guten Weg gewesen, sich von den Folgen der Corona-Pandemie zu erholen. Trotz des immer stärker wachsenden Online-Handels würde ein Kaufhaus der Leipziger Innenstadt weiterhin guttun.

Grafik Filialen Galeria Karstadt Kaufhof Mitteldeutschland
Vier Standorte in Mitteldeutschland sollen geöffnet bleiben. Die Galeria in Leipzig soll geschlossen werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Vorsitzende der Händlervereinigung City Marketing Leipzig, Thomas Oehme, zeigte sich überrascht, aber auch besorgt. Der Kaufhof sei ein Anker auf der Grimmaischen Straße, sagte Oehme MDR SACHSEN. "Es ist ein dramatische Situation nachdem P&C Insolvenz angemeldet hat. Und nun kommt nach der Karstadt-Immobilie eine weitere mit Leerstand hinzu." Wie schwierig eine Weitervermietung sei, sehe man am ehemaligen Karstadthaus.

Ruf nach Landesregierung

Der Bundestagsabgeordnete und Stadtrat für die Linke, Sören Pellmann, forderte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und die Landesregierung zum Handeln auf. "Es darf längst nicht das letzte Wort über die Schließungspläne des letzten Universalkaufhauses in der Messestadt Leipzig gesprochen sein."

Kritik an Eigentümer Benko

Die Warenhauskette Galeria schlittert seit Jahren von einer Krise in die nächste. Zuletzt hatten die behördlichen Auflagen in der Corona-Krise das Geschäft belastet. Der Konzern griff nach Staatshilfen in Höhe von fast 600 Millionen Euro und schloss mehrere Filialen. Hauptgesellschafter von Galeria ist René Benko - ein österreichischer Milliardär. Er hatte Galeria Kaufhof 2018 gekauft und mit Karstadt zusammengelegt. An ihm entzündet sich jetzt auch viel Kritik.

Die Immobilie hat immer Kaufhof gehört und ist vor anderthalb, zwei Jahren verkauft worden an eine andere Gesellschaft. Eventuell war dies auch die Vorbereitung, das Haus perspektivisch zu schließen. Da kann man nur spekulieren.

Thomas Oehme Vorsitzender von City Marketing Leipzig

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), es seien "Zweifel angebracht, ob es Benko jemals um Galeria ging und nicht immer zuerst um sein Immobiliengeschäft". Bartsch forderte ein Eingreifen der Bundesregierung. Auch der Vorsitzende der Händlervereinigung City Marketing Leipzig, Thomas Oehme, vermutet, dass die Schließung schon länger vorbereitet wurde. "Die Immobilie hat immer Kaufhof gehört und ist vor anderthalb, zwei Jahren verkauft worden an eine andere Gesellschaft. Eventuell war dies auch die Vorbereitung, das Haus perspektivisch zu schließen. Da kann man nur spekulieren."

Erleichterung in Chemnitz und Dresden

Der angekündigte Erhalt der Galeria Kaufhof in Chemnitz hat bei den Beschäftigten und der Stadt für Erleichterung gesorgt. Finanzbürgermeister Ralf Burghart sagte, es sei eine wichtige Entscheidung für die Innenstadt, gerade auch im Hinblick auf das Kulturhauptstadtjahr 2025. Nun gelte es, gemeinsam mit der Konzernspitze und dem neuen Eigentümer der Immobilie, der Krieger-Gruppe, ein neues Konzept für innerstädtischen Handel und das Warenhaus die Chance zu nutzen. "Dass sich flächenmäßig Galeria verkleinert, halte ich für den richtigen Weg. Weil sich ja gezeigt hat, dass die ganz großen Flächen nicht rentabel sind, auch über die nächste Zeit."

Auch das Galeria-Warenhaus an der Prager Straße in Dresden soll in den kommenden Jahren weiter modernisiert werden, wie der Konzern ankündigte. Unklar ist jedoch noch, ob in Dresden Personal abgebaut wird und inwiefern es Änderungen beim Angebot gibt.

MDR (kk/kbe)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 13. März 2023 | 19:00 Uhr

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