Nach Antisemitismus-Vorwurf Gemischte Reaktionen auf Westin-Banner bei Solidaritätskundgebung

Mehrere Fahnen Israels, Halbmonde als Symbol des Islam und dazwischen der Hotelname: Dieses Banner hatten Westin-Mitarbeiter am Dienstagabend auf der Kundgebung hochgehalten und damit nicht nur in Sozialen Netzwerken für Irritationen gesorgt.

Mitarbeiter des Hotel Westin, die mit einem Banner ein Zeichen gegen Antisemetismus setzen wollen
Was hat das Banner des Westin-Hotels bei der Kundgebung in Leipzig zu bedeuten? Bildrechte: dpa

  • An einer spontane Kundgebung vor dem Hotel nahmen auch Mitglieder des Hotels teil und hielten ein Banner hoch. Hierfür bekommen sie viel Kritik in den sozialen Netzwerken.

Hunderte Menschen hatten sich am Dienstagabend vor dem Leipziger Westin versammelt. Sie zeigten ihre Solidarität mit dem Musiker Gil Ofarim und Jüdinnen und Juden in Deutschland. Auf der Kundgebung waren auch Mitarbeiter des Hotels mit einem großen Banner. Für das gibt es sowohl Lob als auch deutliche Kritik.

Davidsterne und Halbmonde

"Die Leute sind mit diesem Banner gekommen, weil es ihr Herz ihnen gesagt hat. Die haben das mit guten Gedanken gemacht", sagt Küf Kaufmann. Er ist der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, die mit über 1.300 Mitgliedern die größte jüdische Gemeinde in Sachsen ist. Das Banner selbst wolle er gar nicht bewerten, sagte Küf Kaufmann.

Auch für Nora Goldenbogen vom Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden steht zunächst eine positive Geste hinter dem Banner des Hotels. Die darauf gezeigten Davidsterne und Halbmonde sind aus ihrer Sicht nicht automatisch als Gegensatz anzusehen:

"Man müsste allerdings fragen, warum die Mitarbeiter so eine Verbindung herstellen. Die haben sich was dabei gedacht und den Halbmond mit reingenommen. Sonst hätten sie nur den Davidstern auf das Banner gedruckt", sagt die Verbandsvorsitzende.

Sie verweist in diesem Zusammenhang auf das Projekt "Schalom Aleikum" des Zentralrates der Juden Deutschland, in dem es um den Dialog zwischen verschiedenen Religionen geht.

Deutliche Kritik vom Zentralrat der Juden

Vom Zentralrat der Juden in Deutschland kommt dagegen deutliche Kritik an dem Banner. "Nach der antisemitischen Anfeindung gegen einen Juden in Deutschland fällt dem Hotel nichts Anderes ein, als die israelische Flagge und Symbole des Islam auf ein Banner zu drucken", sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Beim Hotel gebe es offenbar wenig Bewusstsein dafür, dass Juden ein Teil der deutschen Gesellschaft seien. Josef Schuster kritisierte zudem, bisher habe es noch keine Entschuldigung des Hotels gegenüber Gil Ofarim gegeben.

Der Sänger mit israelischen Wurzeln hatte über Instagram ein Video verbreitet, in dem er zwei Mitarbeitern des Hotels Antisemitismus vorwirft. Ein Mitarbeiter soll Gil Ofarim aufgefordert haben, seine Kette mit Davidstern für das Einchecken abzulegen.

Zudem war der Sänger beim Warten in der Schlange nach seinen Angaben mehrfach übergangen worden. "Das ist wirklich ein Problem, dass es nicht mehr normal ist, den Davidstern oder die Kippa offen zu tragen. Und das die für manche Menschen ein Motiv sind, andere anzugehen", sagt Nora Goldenberg vom Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden.

Hotelmitarbeiter beurlaubt – Anzeige wegen Verleumdung gegen Sänger

Das Westin-Hotel hat inzwischen zwei Mitarbeiter beurlaubt. In der Zwischenzeit solle ermittelt werden, was am Montag passiert sei, sagte eine Sprecherin des Hotels am Mittwochmittag. Antisemitismus sei nicht akzeptabel, Gäste seien unabhängig von Religion und Hautfarbe willkommen.

Wie die Beurlaubung den Mitarbeitern gegenüber begründet wurde, ließ die Sprecherin allerdings offen. Zum umstrittenen Banner der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Kundgebung am Dienstagabend selbst äußerte sich das Hotel ebenfalls nicht.

Auf MDR-Nachfrage dazu weist ein Sprecher der Marriott-Gruppe darauf hin, dass es bisher nur um Anschuldigungen und nicht um bestätigte Fakten gehe. Das Westin gehört zur Marriott-Gruppe.

Noch keine Anzeige von Ofarim

Laut der Leipziger Polizei hat Gil Ofarim bislang keine Anzeige erstattet. Derzeit werde aber eine Anzeige von einem der beschuldigten Hotelmitarbeiter geprüft.

Dieser habe Verleumdung und Bedrohung angezeigt und den Vorfall deutlich anders als der Künstler dargestellt. In den Sozialen Netzwerken wurden Hotelmitarbeiter laut Polizei heftig angegangen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 05. Oktober 2021 | 20:00 Uhr

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