Ein Feuerwehrmann löscht im Wald einen Brand.
Die Brände in der Sächsischen Schweiz sind weitgehend gelöscht. Wie geht es jetzt weiter? Bildrechte: Daniel Förster

Nach Waldbränden Sachsen streitet um die Zukunft der verbrannten Wälder

20. August 2022, 05:00 Uhr

Die Brände in der Sächsischen Schweiz sind mittlerweile weitgehend gelöscht, die letzten Glutherde verglimmen allmählich. Wie geht es jetzt weiter? Aufforsten sagen die einen, einfach in Ruhe lassen sagen die anderen. Die Antwort ist komplex.

So stellen wir uns die Umgebung im Wald vor: ruhig, friedlich, grün. Auf 150 Hektar Wald herrschte im Juli allerdings eine ganz andere Geräuschkulisse – nämlich die eines Waldbrandes. Zurück blieben kahle, in die Luft ragende Baumstümpfe und mit Asche und Totholz bedeckte Böden.

Uneinigkeit zwischen Umweltministerium und Ministerpräsident

Schon jetzt streitet das sächsische Umweltministerium mit Ministerpräsident Michael Kretschmer um die richtige Walderneuerung. Während das Umweltministerium eine Aufforstung des Nationalparks ablehnt, heißt es auf Anfrage vom MDR AKTUELL aus dem Büro des Ministerpräsidenten schriftlich: "Die Brände haben gezeigt, dass es ein 'Weiter so' nicht geben kann." Man könne deswegen nicht sagen, dass es keine Aufforstung im Nationalpark geben werde. Es sei allein aus Brandschutzgründen notwendig, dass der sächsische Wald umgestaltet werden müsse. Eine Überlegung sei, Totholz aus dem Wald zu entfernen und Brandschneisen herzustellen. Unter anderem werden mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Sachsen Strategien entwickelt, um den sächsischen Wald zu erneuern und bestehenden zu schützen.

Wissenschaftler befürwortet Wiederaufforstung

Forstwissenschaftler Friedrich Findeisen, Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft, sieht in der Wiederaufforstung der verbrannten Waldgebiete viel Potenzial. "In diesen Gebieten ist es besonders wichtig, diese Waldfunktion auch zügig wiederherzustellen. Das heißt, dass man an erosionsgefährdeten Hängen, aber auch in Wassereinzugsgebieten wirklich aktiv aufforstet und die Natur einfach dabei unterstützt, wieder möglichst schnell Wald zu etablieren."

Vor allem da, wo vor dem Brand schon kaum Laubbäume gewachsen sind, sollen junge Birken und Pappeln den Wald schon in wenigen Jahren wiederbeleben. Die Vorstellung, einen Wald schnell wieder herstellen zu können, ist für den Eberswalder Waldbrandforscher Pierre Ibisch realitätsfern. "Ich würde vor allem davon abraten, Bäume in der Baumschule zu bestellen und die zu pflanzen. Das ist auch in Brandenburg, etwa in Treuenbrietzen passiert, da ist ganz viel Geld auch einfach vertrocknet."

Was ein neuer Wald braucht

Ibisch forscht seit 2018 auf einem ehemaligen Waldbrandgebiet. Im ersten Jahr nach dem Brand erschienen schon die ersten sogenannten Pionierbäume, vor allem Zitterpappeln. Die überlebten den Brand in diesem Sommer – sogar auf derselben Fläche. Wenn ein Wald neu startet, benötigt er Sonne und Wasser, erklärt Forstwissenschaftler Ibisch. "Die Frage ist: Wie können wir dafür sorgen, dass Wasser auf der Fläche gehalten wird? Wie können wir Windgeschwindigkeit senken? Wind kurbelt die Verdunstung an, hohe Temperaturen sind sehr ungünstig. Da setzen wir stark aufs Totholz und werben dafür – bei allen Bedenken, die immer wieder geäußert werden – dass man dieses Holz auf der Fläche belässt, das sich im Laufe von Jahren dann zersetzen wird und zu Boden wird, der besser Wasser speichern kann." Am Dienstag wird im Kabinett über weitere Maßnahmen gesprochen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. August 2022 | 05:00 Uhr

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