Frau hebt Hände schützend vor Gesicht
Eine Frau hebt Hände schützend vor Gesicht. Die Gewalt in Partnerschaften ist in Thüringen gestiegen. in vier von fünf Fällen sind Frauen Opfer von Gewalt. (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO / Wirestock

Opferschutz Gewalt gegen Frauen nimmt in Thüringen zu - drei Todesfälle

25. November 2023, 12:46 Uhr

Die Gewalt in Partnerschaften ist im Vorjahr gestiegen. In 80 Prozent der Fälle sind laut Polizeistatistik Frauen die Opfer. Drei Frauen starben im Vorjahr in Thüringen durch Gewalt ihres Partners.

Drei Frauen sind in Thüringen laut Polizeistatistik im Vorjahr durch Gewalt ihres Partners gestorben. Die Fälle von Gewalt in Partnerschaften stiegen dabei 2022 in Thüringen um sieben Prozent. In 80 Prozent der Fälle sind laut Polizeistatistik Frauen die Opfer.

Wir brauchen vernetzte Maßnahmen, die Frauen Beratung und Hilfe anbieten, und vor allem einen Ausweg aufzeigen.

Gabi Ohler, Gleichstellungsbeauftragte

Das Dunkelfeld sei in Thüringen riesig, das Thema schambesetzt, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Gabi Ohler zum Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November. Gewalt, die im Verborgenen geschehe, dürfe dort nicht bleiben. "Wir brauchen vernetzte Maßnahmen, die Frauen Beratung und Hilfe anbieten, und vor allem einen Ausweg aufzeigen." Neben dem Opferschutz seien unter anderem konsequentes polizeiliches Handeln, Prävention und Aufklärung sowie besonders auch die Berücksichtigung von Kindern wichtig.

DGB: Hunderte Schutzplätze fehlen in Thüringen

Der Paritätische Thüringen und der Sozialverband VdK forderten eine angemessene Ausstattung von Frauenhäusern sowie Beratungsstellen in Thüringen. Gerade Beratungsstellen müssten mit ungenügenden Mitteln immer steigende und komplexe Hilfeanfragen bearbeiten, teilte Der Paritätische mit.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sprach von 400 fehlenden Familienplätzen in Thüringer Schutzeinrichtungen. Die Beschäftigte in den Frauenhäusern und in Beratungsstellen arbeiteten seit Jahren am Limit, kritisierte der DGB Hessen-Thüringen. Der weitere Ausbau der Platzangebote müsse zeitnah und zügig erfolgen.

Thüringens Gleichstellungsbeauftragte Ohler hatte im Mai erklärt, dass fünf Thüringer Landkreise kein eigenes Frauenhaus unterhalten würden. Laut dem Sozialministerium betraf das damals die Landkreise Sömmerda, Ilm-Kreis, Saale-Holzland-Kreis, Suhl sowie Hildburghausen. Im Kreis Greiz musste kürzlich jedoch ein weiteres Frauenhaus schließen.

Im Norden und Süden von Thüringen gebe es vor allem wenig Plätze, berichtet eine Mitarbeiterin eines Thüringer Frauenhauses aus dem ländlichen Raum. Die rot-rot-grüne Minderheitsregierung plant ein Gesetzesentwurf, um die Lage der Frauenhäuser in Thüringen zu verbessern. Ob das Gesetz vor den Landtagswahlen im September 2024 verabschiedet wird, ist unklar.

Aktionen am Tag gegen Gewalt an Frauen in Thüringen

Im Eisenacher Frauenhaus fanden im Vorjahr 25 Frauen mit 21 Kindern über Wochen und Monate Schutz. In Eisenach wehen aus Anlass des Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen zwei Fahnen mit den Schriftzügen "Frei leben - ohne Gewalt" und "Wir sagen Nein zu Gewalt an Frauen!" vor dem Rathaus.

Auf dem Theatervorplatz in Jena sind ebenso am Sonnabend mehrere Aktionen geplant. Ab 13 Uhr ist laut Stadt ein Rundgang geplant, der an Opfer häuslicher Gewalt erinnern soll. Danach sind eine Kundgebung und Demonstration geplant. Im Anschluss soll mit Kerzen an die Opfer häuslicher Gewalt erinnert werden.

Das Frauenhaus Meiningen bietet am Sonnabend kostenlose Selbstverteidigungskurse an. Auch in Henfstädt (Kreis Hildburghausen) gibt es Selbstverteidigungskurse ab 15 Uhr.

Der 25. November erinnert ursprünglich an den Tod von drei Frauen in der Dominikanischen Republik 1960. Sie waren vom militärischen Geheimdienst gefoltert, vergewaltigt und ermordet worden.

MDR (kl/rom)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. November 2023 | 12:04 Uhr

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