Grüne Kunst Skulpturen aus Pflanzen: Heiligenstadt fördert neuen Künstler

Felix Teuber ist Künstler, sein Material ist die Natur. Aus Pflanzen macht der 35-Jährige einzigartige Skulpturen. Weil das ganz besonders gut zu Heiligenstadt passt, unterstützt ihn der Kurort dabei.

Felix Teuber und Ute Althaus begutachten Pflanzen
Felix Teuber und Ute Althaus begutachten die wachsenden Kunstwerke. Bildrechte: MDR/Vanessa Clobes

Kunst findet auch im ländlichen Raum statt. Um Künstlern besonders in ihren Anfangsjahren zu helfen, unterstützt Heiligenstadt seit 2016 immer wieder ausgewählte Personen. Mit Felix Teuber hat sie nun jemanden mit einem einzigartigen Handwerk gefunden, das perfekt zur Kurstadt passt.

Kunst, die nie endet

Skulpturen aus Pflanzen. Das ist zwar sehr verkürzt, aber darauf läuft es oft hinaus, wenn versucht wird, Kunst in Worte zu fassen. Felix Teuber arbeitet gerne in der Natur. Der 35-Jährige ist gelernter Naturwissenschaftler und hat Pflanzen- und Biotechnologie in Hannover studiert. An der Natur hängt er bis heute. Seine Kunst besteht darin, Bäume und Gewächse mithilfe kleiner Gummi-Ringe in Form zu bringen. Das Material wird auch im Weinanbau verwendet.

Felix Teuber
Felix Teuber ist gerne in der Natur unterwegs und hat sich ihr deshalb als Kunstobjekt angenommen. Bildrechte: MDR/Vanessa Clobes

Die Natur hat Geduld und das färbt natürlich auch ab auf den, der in der Natur arbeitet.

Felix Teuber Künstler

Mit den Gummi-Ringen und Draht werden die Äste in eine Form gebracht, zum Beispiel Spiralen, ein Herz oder eine Sonne. Im Laufe der Zeit, wenn die Pflanzen wachsen, ergeben sich dann verschiedenste Formen. Das Kunstwerk wächst immer weiter und ist eigentlich nie vollendet. "Das ist eine meditative Arbeit. Die Natur hat Geduld und das färbt natürlich auch ab auf den, der in der Natur arbeitet."

Handwerk passt zu Heiligenstadt

Ute Althaus ist als Erste Beigeordnete, stellvertretende Bürgermeisterin und Kulturamtsleiterin zu Gast im Atelier-Garten von Teuber. Sie war von der Kunst sofort begeistert, als es darum ging, einen neuen Künstler für die Stadt auszuwählen: "Wir haben das noch nie vorher gesehen und das ist etwas ganz Besonderes, aus wachsenden Gehölzen Skulpturen zu entwickeln. Das hat uns einfach fasziniert."

Zusätzlich passt diese Art von Kunst natürlich besonders gut zur Kurstadt Heiligenstadt, findet Ute Althaus: "Weil es ein Kunsthandwerk ist, das sich sehr mit unserer Umwelt, unserer Natur beschäftigt, und wir als Kurstadt haben natürlich auch besonderes Interesse daran, dass unsere Natur geschützt wird."

Ute Althaus und Felix Teuber
Ute Althaus ist von Teubers Kunst begeistert. Bildrechte: MDR/Vanessa Clobes

Überraschungen sind programmiert

Teuber hat zwar eigene Ideen. Da er mit der Natur arbeitet, kann er jedoch über seine Kunstwerke nicht immer komplett selbst bestimmen: "Also meistens mache ich Zeichnungen, um meine Vorstellungen erstmal auf Papier zu bringen, und arbeite dann mit dem Maßstab und spiele da ein bisschen rum. Es entsteht aber auch viel im Prozess. Wenn zum Beispiel ein Ast abbricht, dann ersetze ich den oder es bildet sich was anderes."

Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.

Khalil Gibran

Wenn ein Kunstwerk dann in Teubers Augen fertig ist, schreibt er auch. Er zitiert dazu den libanesischen Schriftsteller Khalil Gibran: "Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt." - "Und so versuche ich auch, zu den Kunstwerken, zu den Skulpturen oder Plastiken passende Gedichte, passende Wort zu finden."

Ein Pflanzen-Kunstwerk von Felix Teuber
Die Natur ist nie vollständig planbar. Bildrechte: MDR/Vanessa Clobes

Herrnmühle als Ausgangspunkt

Heiligenstadt fördert den Künstler seit Juli. Er kann kostenlos in einer Wohnung der alten Herrnmühle wohnen und erhält von der Stadt ein monatliches Honorar in Höhe von 400 Euro. Teuber erhält so die Freiheit, sich künstlerisch entfalten zu können. Gleichzeitig kümmert es sich um die Mühle. Die Stadt erhofft sich von ihm künstlerische Projekte, beispielsweise mit Schulen. Außerdem haben die bisherigen Künstler immer ein Kunstwerk hinterlassen.

Drei waren es schon vor Teuber. Seit 2016 gibt es den Kulturförderpreis in Heiligenstadt, der bei gegenseitigem Einverständnis jährlich verlängert werden kann. Die Idee zu dem Preis entstand mit der Fertigstellung der Herrnmühle. Dort sah die Stadt ideale Bedingungen. Teuber sammelt noch Ideen für das Stück, das bleiben soll. Er kann sich aber schon jetzt sehr gut vorstellen, eines seiner lebendigen Kunstwerke in Heiligenstadt zu hinterlassen.

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MDR (cfr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 28. Juli 2022 | 18:00 Uhr

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