Eichsfeld Streit in Nordthüringen: Eichsfelder Ritter kämpfen gegen Windrad in Hessen

13. Februar 2023, 11:18 Uhr

Auf dem grünen Band zwischen Thüringen und Hessen soll auf der hessischen Seite ein Windrad gebaut werden. Der Verein Eichsfelder Ritterschaft will den Bau stoppen. Sie sehen den Tourismus durch das Windrad gefährdet. Doch der Bau ist nicht mehr aufzuhalten.

In Spanien ist der Kampf gegen Windmühlen durch Don Quichotte ja legendär - doch auch in Thüringen treiben die Windräder so manchen auf die Barrikaden. Auf dem grünen Band zwischen Thüringen und Hessen hat das Regierungspräsidium Kassel nun ein 244 Meter hohes Windrad genehmigt, das auch hier die Ritter zornig werden lässt.

Die Eichsfelder Ritterschaft ist ein Verein mit knapp 40 Mitgliedern, der sich der Pflege und Erhaltung von mittelalterlichen Kulturwerken widmet. Besonders liegt den Damen und Herren Rittern die Burg Hanstein am Herzen, eine der schönsten gotischen Burgruinen Deutschlands, die schon in der Romantik im 19. Jahrhundert ein Tourismusmagnet war.

Bürgerinitiative gegen Windrad nahe Burg Hanstein

Knapp drei Kilometer von der Burg entfernt haben Investoren vor vier Jahren ein Windrad beantragt. Es bildete sich eine Bürgerinitiative und auch das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege meldete Protest an. Die Burg Hanstein hoch über der Werra ist als eine Art Wahrzeichen für das Eichsfeld. Als Kulturdenkmal mit hoher überregionaler Bedeutung ist es im Landesentwicklungsprogramm (LEP) Thüringen als Kulturerbe-Standort vermerkt.

Das wurde auch vom zuständigen Kasseler Regierungspräsidium anerkannt, was aber nichts heißen sollte. Denn seit dem 22. September 2022 ist es amtlich: Die Windanlage am sogenannten Stürzlieder Berg mit einer Leistung von 5,6 Megawatt darf gebaut werden.

Eichsfelder Ritter sorgen sich vor weiteren Windrädern

Die Eichsfelder Ritter hatten sich vorher schon bemüht, das Vorhaben zu verhindern. Haben die Landesregierungen Hessen und Thüringen angeschrieben und sich mit der Heinz Sielmann Stiftung auf Gut Herbigshagen zusammen gesetzt, wo einst das Grüne Band als Naturschutzprojekt erfunden wurde.

Einer der Ritter, Manfred Beckmann alias Ritter Vicent von Hanstein, bemerkt bitter: "Leider sind von allen Seiten immer nur warme Worte gekommen, aber prinzipiell keine Zusagen, das man sagt, wir würden das gerne verhindern".

Besonders Sorgen macht ihm, das es vermutlich bei dem einen Windrad nicht bleiben wird. Das Regierungspräsidium Kassel schreibt zwar auf Anfrage, das es keine weiteren Anträge gibt, aber das beruhigt unter den Rittern niemanden.

Leider sind von allen Seiten immer nur warme Worte gekommen, aber prinzipiell keine Zusagen, das man sagt, wir würden das gerne verhindern.

Manfred Beckmann alias Ritter Vicent vom Verein Eichsfelder Ritterschaft

Windrad stört Aussicht

Nun sind nach Ansicht der Ritter Naturerbe und Kulturerbe gleichermaßen in Gefahr. 100.000 Besucher hat die romatische Burg Hanstein jährlich. Beliebt sind besonders Fotos von Hochzeitspaaren, aber auch Teile des Films "Der Medicus" wurden dort gedreht.

Bornhagens Bürgermeister Tobias Beckmann befürchtet, dass nun der beliebte Blick nach Nordwesten weniger Besucher anzieht. Außerdem hält er das Vorgehen der Hessen nicht gerade für eine gute nachbarschaftliche Geste.

Tourismus auf Burg Hanstein könnte Schaden nehmen

Das Regierungspräsidium Kassel gibt auf Anfrage zu, dass Teile der Windanlage in drei Kilometer Entfernung zu sehen sein werden. Von der Burgmauer Hansteins selber nicht, weil dort die umgebenden Bäume zu hoch sind. Vom Burgturm allerdings ganz sicher. "Eine erhebliche Beeinträchtigung (sei) aufgrund der Entfernung (Verblassung und Verbauung)" aber " nicht gegeben."

Frank Lex (Ritter Lex von der Wendenburg) resümiert: "Ob wir jetzt noch etwas erreichen können, das steht natürlich in den Sternen. Aber einfach jetzt einfach kampflos das Feld an diesem schönen Ort zu überlassen, das ist nicht so einfach".

Bauarbeiten für Windrad bereits gestartet

Die Rechtslage ist allerdings klar. Das Regierungspräsidium sieht ein überwiegend öffentliches Interesse im Bau dieser Windanlage. Und verweist auf die Ziele der neuen Bundesregierung zum Ausbau der erneuerbaren Energien.

Da die Genehmigung jetzt rechtskräftig ist, lässt sich ein Bau auch nicht mehr stoppen. Nur der Klageweg ist jetzt noch möglich, mit vermutlich geringen Erfolgsaussichten und hohem finanziellen Risiko. Und weitergebaut würde erstmal trotzdem.

Ob wir jetzt noch etwas erreichen können, das steht natürlich in den Sternen. Aber einfach jetzt einfach kampflos das Feld an diesem schönen Ort zu überlassen, das ist nicht so einfach.

Frank Lex alias Ritter Lex von der Wendenburg vom Verein Eichsfelder Ritterschaft

Etwas Trost könnte sein, dass die Burg Hanstein immer noch in einer wundervollen, sagenumwobenen Landschaft steht und auch mit Windrad in drei Kilometer Entfernung immer einen Besuch wert ist.

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 13. Februar 2023 | 18:00 Uhr

218 Kommentare

Anita L. am 14.02.2023

Stimmt es etwa nicht, dass die A73 durch das besagte Gebiet führt? Oder empfinden Sie eine Windkraftanlage in dem Gebiet als so viel störender als eine Autobahn?

martin am 14.02.2023

@eulenspiegel: Macht nichts - muss man nicht kennen. Deshalb ja die Nachfrage / der Hinweis von mir, wie die Anmerkung von astrodon vermutlich gemeint war. Ich bin zwar kein Star Trek Fan, aber den Spruch der Borg "Widerstand zwecklos" hatte ich aufgrund der Kombination auch assoziiert.

Anita L. am 14.02.2023

Harka2, ich habe das Wartburgbeispiel nicht eingebracht, um eine Nebendiskussion auszulösen, sondern um aufzuzeigen, dass solche Faktoren wie Höhe und Sichtbarkeit auch in anderen Fällen in die Entscheidungsfindung eingehen.

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