Verkehr Thüringens größtes Straßenbauprojekt: FAQ zur B247n im Unstrut-Hainich-Kreis

Die B247 wird nordwestlich von Bad Langensalza neu gebaut, damit Fahrzeuge nicht mehr durch Mühlhausen, Höngeda und Großengottern fahren müssen. Das Budget liegt bei 560 Millionen Euro. Fragen und Antworten.

Zwei Vermesserinnen stehen auf einem Feld.
Anais Seychelles (links) und Ann-Katrin Becker vermessen Rodungsflächen für die neue B247: Zwischen Mühlhausen und Bad Langensalza soll auf 22 Kilometern die künftige Trasse entstehen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Was wird gebaut?

Im Unstrut-Hanich-Kreis ist am Montag das aktuell größte Thüringer Bauprojekt gestartet worden. Zwischen Mühlhausen und Bad Langensalza wird auf 22 Kilometern die künftige Trasse der B247 entstehen - die B247 n (n wie neu). Sie soll an Mühlhausen, Großengottern und Höngeda vorbei laufen und in Nordthüringen die Anbindung an die Autobahnen A4 und A71 sowie an die Landeshauptstadt Erfurt verbessern. Pendlern sollen in Zukunft auf der neuen Straße ohne Stau in 40 Minuten von Mühlhausen nach Erfurt gelangen können.

Bis Juni 2025 soll die zwei- bis vierspurige Umgehungsstraße fertiggestellt sein. Während der Bauarbeiten sollen 31 neue Bauwerke entstehen, darunter zwei Brücken über die Unstrut und fünf Eisenbahnbrücken. Hinzukommen acht Anschlussstellen und der Ausbau der Anschlussstelle Bad Langensalza-West. Insgesamt werden sechs Kilometer zusätzliche Landes- und Bundesstraße zur Anbindung an die neue Trasse gebaut. Auch zehn Regenrückhaltebecken und 59 km Entwässerungsleitungen sollen bis 2025 enstehen.

Warum wird die Trasse gebaut?

Die Ortsumgehungen im Verlauf der Bundesstraße sind nach Angaben des im Bundesverkehrsministeriums für den überregionalen Verkehr dringend erforderlich. Bisher fahren nach Angaben von Thüringens Infrastrukturministerin Susanne Karawanskij (Linke) werktags etwa 13.000 Fahrzeuge auf der Bestandsstrecke und damit durch Mühlhausen, Höngeda, Großengottern und Schönstedt. Zusätzlich werde mit einer besseren Verkehrsanbindung die Region auch als Wirtschaftsstandort gestärkt.

Mehrere Autos fahren auf einer Straße in Mühlhausen.
13.000 Fahrzeuge fahren täglich durch Mühlhausen, Höngeda, Großengottern und Schönstedt. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Wie wird das Projekt finanziert? 

Der Umbau der B247 ist bundesweit das erste Projekt einer öffentlich-privaten Partnerschaft an einer Bundesstraße. Der Bund stellt dafür laut Thüringer Verkehrsministerium rund 560 Millionen Euro bereit. Zusätzlich zu den Bundesmitteln kämen 14,2 Millionen Euro aus der Landeskasse, um unter anderem die Verlegung der Landesstraße 2100 zu ermöglichen. Laut Ministeriums-Angaben soll allein der Bau insgesamt 350 Millionen Euro kosten.

Den Zuschlag für das Projekt hat die Fernstraßengesellschaft Deges an die Bietergemeinschaft Via Mühlhausen Thüringen erteilt. Hinter der Bietergemeinschaft steht der französische Baukonzern Vinci. Via Mühlhausen plant und baut nicht nur die Umgehung. Der Bauträger kümmert sich auch 30 Jahre um den Erhalt der Bundesstraße.

Zwei Vermesser legen sog. Messpunkte an einem Weg.
Die Vermesser Mathieu Lamoot (l.) und Manuel Gabriel (r.) verlegen sogenannte Messpunkte an einem Feld zwischen Schönstedt und Bad Langensalza. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Wie soll der Bau ablaufen?

Bereits im Februar haben für die Landstraße 2100 westlich von Großgottern die Erd- und Oberbodenarbeiten begonnen. Am Montag starteten die Arbeiten im Bereich Mühlhausen uns südlich von Bollstedt. Ab Mai sollen dann die fünf Bahnbrücken entstehen. Ab Juni sollen dann die Arbeiten an sieben weiteren Brücken beginnen.

Laut Via Mühlhausen soll der Verkehr während der Bauarbeiten größtenteils unberührt bleiben. Lediglich der Kammerforster Weg bei Großengottern soll zum Jahresende kurzzeitig voll gesperrt werden.

Warum kritisieren die Grünen das Projekt?

Die Grünen im Thüringer Landtag sehen das Vorhaben als überdimensioniert und verweist auf das Verschwinden wertvollen Ackerlandes. Die verkehrspolitische Sprecherin Laura Wahl erklärte, Deutschland habe sich in eine Auto-Abhängigkeit manövriert. Dazu beigetragen habe eine Infrastrukturpolitik mit derartigen Straßenbauprojekten, anstatt wirkliche Mobilitätsalternativen zu schaffen. Hier werde für hunderte von Millionen Euro eine zusätzliche Straße gebaut, während Ausbau und Elektrifizierung der parallelen Bahnstrecke Gotha-Leinefelde noch nicht einmal geplant würden. Wahl verwies darauf, dass durch die neue Straße rund 300 Hektar fruchtbarste Ackerflächen verschwänden. Schon der Verzicht auf die vierspurigen Teilstücke hätte den Flächenfraß erheblich reduziert.

Korrektur:
In einer ersten Version dieses Artikels haben wir fälschlicherweise von Baukosten in Höhe von 560 Milliarden Euro geschrieben. Das ist falsch. Die Straße soll 560 Millionen Euro kosten.

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 14. März 2022 | 18:40 Uhr

11 Kommentare

augu vor 10 Wochen

Dass der Ausbau die Spange zwischen A4 (Gotha) und A38( Leinefelde) betrifft wurde im Artikel als Begründung für den Bau gar nicht erwähnt. Wenn LKW´s nicht mehr durch Ortschaften fahren müssen, wiegt das mehr, als wenn nur PKW´S etwas an Fahrzeit sparen.

piiter vor 10 Wochen

Die geplanten 40 min Fahrzeit MHL - EF sind mir schleierhaft, da ich diese Zeit bereits in der ganz normalen Rush hour für EF - LSZ benötige.
Bis nach MHL kann man in der Summe ruhig eine Stunde rechnen, daran wird die neue Strecke nicht allzuviel ändern.
Sinnvoller wäre es meines Erachtens nach gewesen den immer wieder geplanten und nie realisierten dreispurigen Ausbau der B176 in Angriff zu nehmen.
Gerne mit zwei- und dreispurigen Ausbau der Ortsumgebungen bis MHL.
So wie bis jetzt geplant wird die B176 noch mehr zum Nadelöhr werden.

Anni22 vor 10 Wochen

@ Martin Natürlich dürfen die Grünen kritisieren. Die Grünen haben nur ständig ein Problem damit, wenn Ihre Meinung nicht die ist, welche dann umgesetzt wird.... Also dann wohnt man in Bäumen oder klebt irgendwo...

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