Wie unterirdische Tempelanlage Gößnitz: Am Bahnhof bleibt kein Stein auf dem Anderen

16. März 2023, 10:16 Uhr

Auf dem Bahnhof Gößnitz im Altenburger Land werden derzeit der neue Personentunnel sowie ein modernes Stellwerk gebaut. Wegen der Bauarbeiten wird der Zugbetrieb Ende Mai für drei Monate eingestellt. 330 Millionen Euro investiert die Deutsche Bahn in und um Gößnitz. Spätestens 2026 sollen der neue Bahnhof und die Strecke bis Crimmitschau in Sachsen fertig sein.

Fast lautlos rollt am Gleis 3 die S-Bahn aus Leipzig ein. Aus den Fenstern schauen die Fahrgäste auf ein großes Loch neben dem Gleis.

Unten, drei Meter tiefer bauen die Arbeiter gerade eine Entwässerung für den neuen Personentunnel. Der soll den Eingang des Bahnhofs Gößnitz mit den neuen Bahnsteigen verbinden. "Wir bauen zwei neue Mittelbahnsteige, die barrierefrei erreichbar sein werden", sagt Harald Dix, Projektleiter für den Bahnhofsumbau.

Längster Bahnsteig Deutschlands

Noch halten die Züge am überlangen Doppelbahnsteig, der einmal den Ruf hatte, der längste Deutschlands zu sein. Hier können jetzt noch zwei Züge hintereinander halten. Nicht mehr zeitgemäß, so die Deutsche Bahn.

Die Generalkur für den Bahnhof begann schon im August vergangenen Jahres. Dreizehn Kilometer Gleis, 40 Weichen, Oberleitungen und die gesamte Bahntechnik müssen erneuert werden.

Wir haben noch keine Mehrkosten, obwohl der Untergrund sehr schwierig ist.

Harald Dix Projektleiter

Zum Bauvorhaben gehören außerdem mehrere Brücken und Lärmschutzwände. Bisher liegen die Arbeiten im Zeitplan. "Wir haben noch keine Mehrkosten, obwohl der Untergrund sehr schwierig ist", sagt Harald Dix.

Die verschiedenen Bodenschichten machen den Arbeitern zu schaffen. Für den neuen Personentunnel mussten Bohrpfähle in den Boden getrieben werden. Sie stehen dicht an dicht entlang des geplanten Tunnels und stabilisieren das Erdreich.

Anblick wie eine unterirdische Tempelanlage

Für Zaungäste ein Anblick wie eine unterirdische Tempelanlage. Dort, wo schon die ersten Fundamente der neuen Bahnsteige drei und vier zu sehen sind, werden gerade die Wände für den Fahrstuhl eingeschalt. Auch die Betonmatten für die Treppe haben die Arbeiter schon eingebaut.

Bahnprojekt Weimar-Gera-Gößnitz Der Ausbau der Strecke Weimar - Gera - Gößnitz geht voran. Der Abschnitt der sogenannten Mitte-Deutschland-Verbindung ist 115 Kilometer lang. Dieser wird elektrifiziert und soll zweigleisig ausgebaut werden. Dann kann die Fernverkehrslinie vom Ruhrgebiet nach Gera durchgehend elektrisch betrieben und bis nach Chemnitz verlängert werden. Quelle: Deutsche Bahn

In Gößnitz kreuzen sich Sachsen-Franken-Magistrale und Mitte-Deutschland-Verbindung. Von hier aus sind Ostsee und Ruhrgebiet, aber auch Tschechien mit Umsteigen erreichbar. In Zukunft sollen die Fahrgäste schneller ans Ziel kommen, deshalb hat die Bahn die Strecke nördlich von Gößnitz schon ausgebaut.

Züge mit Tempo 160

Die Züge können dann mit Tempo 160 fahren. Die Bahn investiert etwa 650 Millionen Euro in den Ausbau der Strecke zwischen Lehndorf bei Altenburg und Crimmitschau in Sachsen.

Vier Bauabschnitte gibt es, der erste ist inzwischen abgeschlossen. Im nächsten Jahr soll es auch südlich von Gößnitz losgehen. Dann will die Bahn auch dort die Bahnstrecke erneuern.

Komplette Streckensperrung ab 26. Mai

Auch deshalb achtet Projektleiter Harald Dix akribisch auf die Einhaltung des Zeitplanes auf der Baustelle. Ab 26. Mai soll die Strecke komplett gesperrt werden. Dann haben die Arbeiter drei Monate Zeit, um neue Gleise und einen provisorischen Bahnsteig zu errichten.

Ende August soll ein neues, elektronisches Stellwerk in Betrieb gehen. Das alte, handbetriebene Stellwerk muss ab September abgerissen werden, damit die Bauarbeiter auch dort neue Gleise verlegen können.

Fertigstellung für 2026 geplant

2026 soll alles an seinem Platz sein. Die Fahrgäste sollen bis dahin so wenig wie möglich unter den Bauarbeiten leiden. Neben der dreimonatigen Sperrung gibt es einige Wochenenden, an denen Gößnitz nur im Schienenersatzverkehr erreichbar ist.

Für die Pause im Sommer aber bittet die Bahn jetzt schon um Verständnis wegen möglichen Lärms: damit alles pünktlich fertig wird, soll dann auch rund um die Uhr gearbeitet werden.

MDR (co)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 16. März 2023 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Steffen69 am 16.03.2023

330 Millionen für einen Bahnhof??

Unfassbar!!

Dafür könnten wir in Mitteldeutschland viele, viele Kriegsflüchtlinge unterstützen .

Da kann ich der DB ja fast schon Rassismus unterstellen.

Kriegsflüchtlinge zuerst, Bahnhöfe später.

Andreas_OT am 16.03.2023

Wo steht denn das? Im Text steht "330 Millionen Euro investiert die Deutsche Bahn in und um Gößnitz" Bahnhof, Technik und der Streckenausbau.

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