Infrastruktur Neuer Fußgängertunnel an Bahnlinie in Gößnitz eingeschoben

01. August 2024, 20:58 Uhr

Rund 330 Millionen Euro verbaut die Bahn rund um den Bahnknoten Gößnitz. Für Gleise, Weichen und Technik, aber auch einige Bahntunnel. Ein 400 Tonnen schweres Exemplar wurde am Donnerstag in die Bahnlinie eingeschoben.

Nach dem Gewitter am Abend ist es am Donnerstagmorgen noch kühl auf der Baustelle neben der Bahntrasse bei Gößnitz. Hier im Altenburger Land wollen die Arbeiter gleich ein 400 Tonnen schweres Monstrum verschieben. Einen neuen Fußgängertunnel, der die alte Verbindung zwischen Sportplatz und Wohngebiet ersetzen soll. Einen ersten Test haben die Arbeiter einer Spezialfirma bereits am Mittwochabend absolviert. Heute soll das Bauwerk die letzten rund 15 Meter in die Endposition rücken.

Der aus Stahlbeton gefertigte Fußgängertunnel vor dem Einschub
Der aus Stahlbeton gefertigte Fußgängertunnel vor dem Einschub in die Bahntrasse. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Bis zum 2. September muss der Tunnel drin sein

Anders als auf vielen anderen Baustellen haben die Tunnelbauer in Gößnitz mehr Zeit für die Aktion, denn die Sachsen-Franken-Magistrale ist seit Anfang Juli gesperrt, weil in Altenburg und Gößnitz wichtige Arbeiten zur Vernetzung der neuen Stellwerkstechnik laufen. "Das hilft uns natürlich", sagt Projektleiter Harald Dix. "Aber trotzdem muss bis 2. September alles fertig sein."

Stahlbeton-Bauteil wurde vor Ort gefertigt

Der neue Tunnel besteht aus Stahlbeton und wurde von den Arbeitern vor Ort gefertigt. Unter dem Tunnel haben sie zwei Betonsockel gegossen, auf denen das Bauwerk an seine Endposition rutschen soll. Außerdem sorgen Teflonmatten für einen kleineren Reibungswiderstand.

Teflonmatten unter dem Betontunnel sollen für leichtes Verschieben sorgen.
Teflonmatten sollen für einen möglichst reibungslosen Einschub sorgen. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Mithilfe von 26 Millimeter dicken Stahlseilen und speziellen Schubvorrichtungen setzt sich der Tunnel kurz nach sieben Uhr in Bewegung. Mit jedem Schub rückt er etwa sechs Zentimeter weiter. Auf einer Anhöhe neben der Bahn beobachten Vermesser genau, ob sich das Monstrum innerhalb der berechneten Achse bewegt. "Der Vermesser kontrolliert Lage und Höhe des Tunnels", sagt Bauleiter Matthias Grief von der Spezialfirma, die regelmäßig solche Tunnel baut. "So können wir bei Bedarf den Schub korrigieren."

Spezielle Hydraulik-Vorrichtungen verschieben den Tunnel.
Hydraulik-Schubvorrichtungen schieben das rund 400 Tonnen schwere Betonbauwerk Zentimeter um Zentimeter voran. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Auf den letzten Zentimetern wird es knifflig

Nach etwa der Hälfte der Strecke bauen die Arbeiter die Zugvorrichtung um. Sie müssen das Seil einkürzen. Dann geht es weiter. Auf den letzten Zentimetern wird es noch einmal knifflig. Der Tunnel ist etwas aus der Flucht gerutscht. Mit Keilen und Abstandsplatten fixieren die Arbeiter das Bauwerk. Dann richten sie in mithilfe der Zugseile wieder auf seiner richtigen Bahn aus. Kurz nach neun erreicht der Tunnel seine Endposition. "Wir sind zufrieden", sagt Harald Dix. "Manchmal gibt es ja Probleme mit der Hydraulik, aber heute lief alles glatt."

Der Fußgängertunnel vor dem Einschub auf die Bahntrasse
Das Beton-Fertigteil wird Teil der Bahntrasse. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Unter dem Tunnel montieren die Arbeiter nun Hydraulikpressen, die das Schwergewicht ein paar Zentimeter anheben sollen. Dann können sie unter dem Baukörper die Teflonmatten herausziehen. Anschließend wird der Tunnelboden durch spezielle Öffnungen mit Magerbeton aufgefüllt und damit fest mit dem Sockel verbunden.

In den nächsten Tagen wollen die Tunnelspezialisten rund um den Betonkörper wieder Erdreich anfüllen und befestigen. Dann müssen die Gleisbauer ran. Ende August soll die Bahnstrecke fertig sein, bevor am 2. September wieder die Züge rollen.

MDR (adr/dr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. August 2024 | 19:00 Uhr

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