Firmengründer Marcus und Andreas
Die Firmengründer Marcus und Andreas haben 2020 koffeinfreien Kaffee auf den Markt gebracht, dem mit Wasser das Koffein entzogen wird. Bildrechte: Quelle/Rechte: MDR/Isabelle Fleck

"Decaf" Kaffee ohne Koffein: Wie ein Thüringer Start-up den Kaffee neu erfinden will

25. Februar 2024, 18:00 Uhr

Koffeinfreier Kaffee war früher nur was für Kaffeekränzchen mit Herzkranken oder für Schwangere. Inzwischen heißt er "Decaf". Wie ein Start-up aus Erfurt damit den Kaffeemarkt revolutionieren will und warum ihr Erfolg auch ein Spiegel des Zeitgeistes ist. Ein Blick hinter die Kulissen einer aufstrebenden Kaffeemarke.

Isabelle Fleck
Bildrechte: MDR/Flo Hossi

Der Online-Shop von No Coffee war ein paar Minuten aktiv, da kam die erste Bestellung rein, erinnert sich Geschäftsführer Andreas Kühn. Er ist für die Vermarktung zuständig. Jemand hatte bei der Erfurter Firma koffeinfreien Kaffee bestellt, die Maschinen wurden angeworfen, aus dem ersten halben Sack Bohnen der erste koffeinfreie Kaffee zum Verschicken hergestellt.

Kaffe wird abgepackt
Die Maschine zum Abpacken des Kaffees hat inzwischen gut zu tun. Bildrechte: Quelle/Rechte: MDR/Isabelle Fleck

Drei Jahre ist das inzwischen etwa her. Heute hat das Start-up rund 100.000 Kunden, es wird ständig Nachschub produziert, jeden Tag gehen 300 bis 400 Bestellungen raus, deutschlandweit. Es hat sich was getan, freut sich Marcus Intek - der andere Geschäftsführer der jungen Firma, der "Markenbeauftragte", der visuelle Kommunikation studiert hat.

Früher haben wir sackweise produziert, jetzt tonnenweise.

Marcus Intek No Coffee

Markus Intek
Geschäftsführer Markus Intek Bildrechte: Quelle/Rechte: MDR/Isabelle Fleck

Wie kommt das Koffein aus dem Kaffee raus?

Es gibt verschiedene Methoden, wie Kaffee das Koffein entzogen wird. Die Industrie macht das meist mit Dichlormethan (DCM), erklärt Marcus Intek. Es sei schwer gewesen, jemanden zu finden, der das anders angeht.

Für ihren Bio-Kaffee schwebte den beiden Firmengründern ein Schweizer Verfahren vor: Entkoffeinieren mit Wasser. Es dauert lange, ist aber gesünder, erklären sie. Sie lassen ihre Bohnen nun so in Bremen entkoffeinieren. In Jena werden sie dann geröstet. Die Kunden können zwischen Kaffee mit weniger Koffein oder ohne Koffein wählen.

Jemand hält Kaffebohnen in die Kamera.
Vor dem Rösten: Durch Wasser wurde den Bohnen schon das Koffein entzogen. Bildrechte: Quelle/Rechte: MDR/Isabelle Fleck

Klassische Trommelröstung in Jena

Röstmeister Andreas Raab aus Jena hat für die Firmengründer experimentiert, damit der koffeinfreie Kaffee nicht wie koffeinfreier Kaffee schmeckt. Jede Kaffeesorte braucht im Trommelröster eine andere Temperatur und hat eine unterschiedliche Röstdauer.

Die sogenannten Röstprofile sind unterschiedlich - hier sind es ungefähr 20 Minuten bei 200 Grad. Über einen Schlauch werden die Bohnen in den Trommelröster gesaugt, dann bekommen sie Hitze. Wenn die Zeit in der Maschine abgelaufen ist, öffnet sich eine kleine Klappe und die heißen Bohnen rauschen dampfend in einen Behälter, in dem sie abgekühlt werden. Es duftet.

Kaffee 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
1 min

Ein Erfurter Start-up röstet in Jena koffeinfreien Kaffee. Die Bohnen lässt die Firma zuvor in Bremen behandeln. Der Kaffee wird deutschlandweit verkauf - bisher nur Online.

Fr 23.02.2024 12:51Uhr 00:29 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/jena/video-kaffee-ohne-koffein-decaf-100.html

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Video

Warum soll der Kaffee ohne Koffein sein?

Später soll man nicht schmecken, dass im Kaffee kein Koffein ist. Man soll es nur merken. Die Kunden bestellen aus unterschiedlichen Gründen: Unverträglichkeiten wie Herzrasen, Viel-Trinker, die Kaffee lieben und ihn auch den ganzen Tag trinken wollen, Schwangerschaft.

Der Kaffeemarkt in Deutschland ist ein Milliardengeschäft. Andreas Kühn zitiert seinen Branchenverband, wonach mit Kaffee allein in Deutschland 20 Milliarden Euro pro Jahr umgesetzt werden. 2021 machte der Anteil von entkoffeiniertem Kaffee 1,5 Prozent aus - inzwischen wird es mehr. Das liegt laut Kühn und Intek am Zeitgeist.

Die Menschen wollen gesünder leben, sind achtsamer - sie trinken weniger Alkohol und wollen ihren Koffeinverbrauch senken.

Andreas Kühn, No Coffee

Andreas Kühn
Geschäftsführer Andreas Kühn Bildrechte: Quelle/Rechte: MDR/Isabelle Fleck

Das gilt auch für die Gründer selbst. Andreas trinkt etwa fünf Tassen Kaffee am Tag, bei Marcus sind es auch mal acht. Beide mögen den entkoffeinierten Espresso am liebsten. Den verkaufen sie als ganze Bohne, gemahlen, als Pad oder kompostierbare Kapsel und in einer Art Teebeutel - alles online.

Anfragen von Einzelhandel und Gastronomie gibt es bereits. Gerade sind die Thüringer mit verschiedenen Kaffeeständen auf der Berlinale vertreten - zum Beispiel für koffeinfreien Espresso-Martini am Abend.

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MDR (ifl)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 25. Februar 2024 | 05:00 Uhr

56 Kommentare

Dermbacher vor 7 Wochen

@emlo
Der einzige der hier aufgeregt reagiert sind offenbar sie! Ich finde die Diskussionsbeiträge gar nicht so abwegig, denn es wird zurecht da rauf hingewiesen, dass die beiden nicht die einzigen und schon gar nicht die ersten sind, die koffeinfreien Kaffee anbieten und schon gar nicht die ersten die eine gute Qualität anbieten! Diskutieren Sie hier um des Diskutierens Willens?

emlo vor 7 Wochen

Warum sollte ich? Das ist sowieso Geschmackssache. Ich habe auch überhaupt kein Problem damit, wenn Ihnen der Discount-Kaffee schmeckt. Das kann doch jede(r) halten, wie er/sie will! Die aufgeregten Reaktionen hier sind für mich vollkommen unverständlich. Es gibt ein Angebot und offensichtlich auch Nachfrage. Und gut ist es.

emlo vor 7 Wochen

Was ist denn das bitte für eine armselige Diskussion hier?!?!
Niemand wird gezwungen koffeinfreien Kaffee zu trinken und schon gar nicht, den Kaffee in dem hier beschriebenen Onlineshop zu kaufen.
Und wenn das jemand tut, dann ist das einzig und allein die Entscheidung derjenigen Person.

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