Vier Personen gehen spazieren.
Uwe Freudenberg beim Spaziergang mit Bewohnern des Pflegeheims. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Pflege "Gut, dass er da ist": Psychisch Erkrankter hilft Menschen mit Demenz

25. November 2023, 17:04 Uhr

Uwe Freudenberg leidet selbst an einer psychischen Erkrankung und arbeitete lange in den Werkstätten der Diakonie. Seit nun schon zehn Jahren hilft er in einem Pflegeheim in Saalburg-Ebersdorf.

Mittag im Haus "Elisabeth" in Ebersdorf. In dem Pflegeheim der Diakonie Weimar-Bad Lobenstein leben 40 Menschen mit Demenz. In kleinen Wohngruppen werden sie von den Pflegerinnen betreut.

Und von Uwe Freudenberg, der an einem der Tische sitzt und einer Frau beim Essen hilft. Geduldig löffelt er Kartoffeln mit Spinat und Ei vom Teller, reicht den Trinkbecher. Die Frau lächelt dankbar.

Seit Jahren engagiert

Seit zehn Jahren ist Uwe Freudenberg schon Mitarbeiter im Haus "Elisabeth". Vorher arbeitete er in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung der Diakonie in Bad Lobenstein.

Der 57-Jährige leidet selbst an einer psychischen Erkrankung. Die Arbeit in den Werkstätten reichte ihm trotzdem irgendwann nicht mehr. "Mein damaliger Chef sagte, ich sei unterfordert", sagt Uwe Freudenberg. "Da habe ich hier erst einmal Praktikum gemacht und nun bin ich schon zehn Jahre hier."

Gespräche, Hilfe, Hausarbeiten

Für die Mitarbeiterinnen um Pflegedienstleiterin Franziska Hecklau ist "unser Uwe" ein echter Glücksfall. Gar nicht so leicht sei es mit demenzkranken Menschen. "Die können sich nicht mehr in uns hineinversetzen", sagt sie. "Wir müssen auf sie zugehen, und der Uwe kann das total gut."

Uwe Freudenberg geht den Mitarbeiterinnen zur Hand, erledigt Hausarbeiten oder fährt Lebensmittel zu den kleinen Küchen in den Wohngruppen. Viel wichtiger aber ist der Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses. Liebevoll und hilfsbereit begegnet er den alten Menschen, die im Pflegeheim leben.

Ein Mann auf dem Flur eines Pflegeheims.
Uwe Freudenberg bringt im Haus "Elisabeth" Lebensmittel zu den Küchen in den Wohngruppen. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Viele von ihnen leben inzwischen in einer eigenen Welt und können sich kaum noch Namen merken. Den von Uwe wissen die meisten allerdings auf Anhieb. Auch, wenn er mehrere Wochen im Urlaub ist, freuen sie sich über seine Rückkehr. Für Bewohnerin Birgit Limbert liegt das auch an seiner ruhigen Art. "Er ist ein Ruhepol, und man kann sich mit ihm gut aussprechen", sagt sie. "Es ist sehr gut, dass der Uwe da ist."

Arbeit im Pflegeheim kostet Kraft

Dabei ist die Arbeit im Pflegeheim für Uwe Freudenberg kein Spaziergang. Die zehn Jahre hätten auch viel Kraft gekostet, sagt er. Auch deshalb hat er seine Arbeit inzwischen etwas reduziert und arbeitet statt fünf nur noch drei Tage in Ebersdorf.

Heute nimmt er ein paar der Bewohner mit zu einem kleinen Spaziergang auf dem Gelände. Nicht alle sind noch gut zu Fuß, aber Uwe passt auf, dass niemand mit dem Rollator stürzt. Oft sitzt er mit den Bewohnern einfach auf einer Bank im Eingangsbereich des Hauses. Zuhören, kleine Gespräche, manchmal auch nur zu zweit. Die alten Menschen fühlen sich wertgeschätzt. Auch, weil der "normale Alltag" zunehmend entgleitet.

Vier Personen auf einer Bank vor einem Pflegeheim.
Zeit zum Plaudern nimmt sich Uwe Freudenberg gerne. Die Bewohner schätzen seine hilfsbereite Art. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Der Wechsel von den Werkstätten ins Pflegeheim war eigentlich als Testballon gedacht, erzählt Carmen Schmidt, die Uwe Freudenberg als Betreuerin im Alltag hilft. Sie freut sich über den Erfolg des Projekts, das nun schon zehn Jahre läuft. Wenn Uwe Freudenberg einmal nicht mehr in Ebersdorf arbeiten kann, will er in die Tagespflege für ältere Menschen mit Behinderung wechseln. Dort wird er dann seine früheren Kollegen aus den Werkstätten wiedertreffen.

Vier Personen gehen spazieren.
Auch wenn manche Bewohner einen Rollator brauchen - ein Spaziergang an frischer Luft tut meistens gut. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

MDR (adr/mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 25. November 2023 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

sorglos vor 13 Wochen

Es gibt viele dieser "Testballons" und es wäre gut, wenn die Medien mehr darüber berichten würden. DAS würde vielen Bürgern die Augen öffnen für die Möglichkeiten, die JEDER hat. Eine Frau mit Down Syndrom arbeitet in einer Kita, ein Spastiker (leider verstorben) spaltet Papier und rettet alte Bücher, ein junger Mann engagiert sich im Sportverein, ein Mann mit Querschnittslähmung ist begnadeter Handchirurg... Inklusion kann funktionieren!

Tschingis1 vor 13 Wochen

Ich würde sagen, ein sehr gelungener 'Testballon' und ein Zeichen, dass Inklusion funktionieren kann.

Alles Gute Uwe Freudenberg.

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