Schulkinder halten vor einer Tafel Zeugniss in die Luft.
In Thüringen gibt es rund 250.000 Schülerinnen und Schüler. Bildrechte: picture alliance / ZB | Armin Weigel

Schuljahr endet Sommerferien: Zeugnisse für mehr als 250.000 Schüler in Thüringen

19. Juni 2024, 20:45 Uhr

In Thüringen erhalten mehr als 250.000 Schülerinnen und Schüler ihre Zeugnisse. Damit endet das kürzeste Schuljahr in Thüringen seit 22 Jahren. Zuletzt haben 2002 die Sommerferien so früh begonnen. Eine Bilanz mit Rück- und Ausblick.

Für gut 30.000 Jugendliche und Erwachsene beginnt in dieser Woche zudem mit dem Ende des Schuljahres ein neuer Lebensabschnitt. Sie verlassen mit Haupt-, Regelschul- oder Berufsschulabschluss oder Abitur die Schule.

"Unsere Pädagoginnen und Pädagogen sowie das gesamte schulische Personal haben in diesem Schuljahr wieder Herausragendes geleistet. Das Schuljahr war kurz und endet sehr früh. Das war mit besonderen Herausforderungen verbunden", dankte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) den Lehrkräften und Mitarbeitern. Auch in diesem Schuljahr sei der Lehrer- und Personalmangel vielerorts das überschattende Thema gewesen, so Holter.

Unterrichtsausfall weiterhin hoch

Auch im Schuljahr 2023/24 sind an den Schulen im Freistaat zu viele Unterrichtsstunden ausgefallen. Bei einer Stichprobenerhebung im März fand demnach 9,6 Prozent des Unterrichts nicht wie geplant statt. Besonders viel Unterricht ist in Ost- und Westthüringen ausgefallen. Hier wurde knapp jede elfte reguläre Stunde gestrichen.

Trotz intensiver Bemühungen, unter anderem durch die Lehrergewinnungskampagne und regionalen Beratungsveranstaltungen für Seiteneinsteiger, sei es bislang nicht gelungen, die zwei Generationen von Lehrerinnen und Lehrern, die nicht eingestellt worden sind, auszugleichen.

Bis zum ersten Halbjahr im Februar seien 653 Lehrkräfte neu in den Thüringer Schuldienst aufgenommen worden, so das Bildungsministerium. Wie viele Lehrerinnen und Lehrer im Schuljahr 2023/24 letztendlich eingestellt wurden, steht erst Ende Juli endgültig fest. "Es ist uns aber auch gelungen, fast 200 Pädagogische Assistenzkräfte an Schule zu bringen. Das ist ein großer Erfolg", zieht Holter dennoch ein positives Fazit.

 GWE: "Offene Stellen sind eine Katastrophe“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisierte den Lehrermangel ebenfalls. Offene Stellen, für die es keine passenden Bewerber gebe, würden nicht unter den Schulämtern verteilt, und aus der Not heraus würden nur Teilzeit- und befristete Verträge angeboten. Weil diese Stellen weniger attraktiv seien, gingen viele Lehramtsanwärterinnen und -anwärter lieber in andere Bundesländer.

"Offene Stellen sind nicht nur ein Ärgernis, sondern tatsächlich eine Katastrophe für die betroffenen Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern", so die GEW-Vorsitzende Kathrin Vitzthum.

Neuer Studiengang

Mit einem neuen Studiengang will Thüringen dem Lehrermangel zumindest an Regelschulen entgegenwirken. Ab dem kommenden Wintersemester studieren an der Universität Erfurt Menschen aus ganz Deutschland Lehramt für Regelschulen. Das Besondere an dem Studiengang: Die Theorie lernen die Studierenden an der Uni, die Praxis in einer Regelschule in Thüringen. Monatlich erhalten sie dafür bereits ein Gehalt zwischen 1.400 und 1.650 Euro. Anschließend verpflichten sich die Absolventen, fünf Jahre im Freistaat zu unterrichten.

Neues Schuljahr, neue Schulordnung, neues Schulgesetz

Das neue Schuljahr beginnt am 1. August, dann mit neuer Schulordnung und neuem Schulgesetz. Mit der neuen Schulordnung wird das Fach Informatik und Medienbildung ab der fünften Klasse zum Pflichtfach. Zudem werden ab der siebten Klasse Astronomie und Physik gemeinsam unterrichtet.

Für die Doppeljahrgangsstufe 7/8 erhöht sich der Unterricht in der ersten Fremdsprache auf acht Wochenstunden, in den sechsten Klassen der Schulen, die zum Haupt- und Realschulabschluss führen, entfällt die Pflicht zur zweiten Fremdsprache.

Ich wünsche allen Schülerinnen und Schülern, Eltern und den Personen, die an Schule tätig sind, gute Erholung und Entspannung in der unterrichtsfreien Zeit.

Helmut Holter, Bildungsminister

Das neue Schulgesetz sieht zudem mehr Praxisunterricht und pädagogische Hilfskräfte im Klassenzimmer vor. Doch vorher gilt es, sechs Wochen Sommerferien zu genießen. "Ich wünsche allen Schülerinnen und Schülern, Eltern und den Personen, die an Schule tätig sind gute Erholung und Entspannung in der unterrichtsfreien Zeit", sagt Helmut Holter.

In Thüringen gibt es mehr als 250.000 Schülerinnen und Schüler sowie rund 21.000 Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Sonderpädagogische Fachkräfte und Lehramtsanwärterinnen und -anwärter.

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 19. Juni 2024 | 18:00 Uhr

6 Kommentare

randdresdner vor 5 Wochen

Glückwunsch allen Kinder, dass Sie wieder einen Lernabschnitt geschafft haben! Vielleicht waren richtig tolle Noten dabei und vielleicht auch die eine oder andere nicht so gute Zensur. Kopf hoch das wird schon. Mamma und Papa können trösten und jubeln
Vielen Dank allen Lehrern und Erziehern, die tagtäglich einen super Job machen, oft improvisieren müssen, die Waage zwischen Verständnis, Gerechtigkeit und Strenge finden und ein offenes Ohr bieten.

DIT vor 5 Wochen

Endlich Sommerferien? Viel zu früh sind sie. Wenn die bayerischen Kinder zur besten Reisezeit preisgünstig nach Italien reisen, schmoren die Kinder in Thüringen schon wieder in der Schule.

Warum gleicht das kleine Thüringen seine Ferienzeiten nicht einfach an den großen Bruder im Süden an und verabschiedet sich aus dem Ferienzeitkarrussel? An unserer Ostsee wäre dann auch mehr Platz.

Zudem: Schon seit Wochen findet in vieke Schulen nur noch "Unterricht light" statt. Wandertage, Schulfeste pp. So holt man Corona-Rückstände nicht auf.

maddin vor 5 Wochen

„Bis zum ersten Halbjahr im Februar seien 653 Lehrkräfte neu in den Thüringer Schuldienst aufgenommen worden, so das Bildungsministerium.“
Okay, das hört sich ja erst einmal gar so nicht schlecht an, Herr Holter, aber dazu hätte dann an dieser Stelle zumindest auch gehört, in welcher Anzahl Lehrer - aufgeschlüsselt in vorfristig bzw. nach Erreichen des offiziellen Renteneintrittsalters - nach den Sommerferien nicht mehr unterrichten werden. Nur der Vollständigkeit halber, sehr gern auch nach jeweiliger Schulart entsprechend noch aufgeschlüsselt. Diese aktuellen Zahlen liegen Ihnen doch sicher bereits vor?

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