Ein Mann steht in einem Schwimmbecken und lächelt.
Das Wasser von klein auf geliebt: jede Woche ist Jürgen Büchner beim Training im Hallenbad anzutreffen Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Deutscher Meister 83-jähriger Rettungsschwimmer aus Thüringen gewinnt bei Deutschen Seniorenmeisterschaften

12. Mai 2024, 17:36 Uhr

Der Eisenacher Rettungsschwimmer Jürgen Büchner ist Deutscher Meister im Rettungsschwimmen. Bei den Senioren-Meisterschaften im Rettungsschwimmen in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen konnte sich der 83-Jährige in seiner Altersklasse durchsetzten.

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Der Eisenacher Jürgen Büchner hat bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften im Rettungsschwimmen den ersten Platzt belegt. Nach vier Jahren auf Platz zwei stand der 83-Jährige in seiner Altersklasse nun erstmals ganz oben auf dem Treppchen in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen. In allen drei Disziplinen verbesserte er nach eigenen Angaben seine persönliche Bestzeit.

Dreimal wöchentlich Training

Von klein auf hat Jürgen Büchner das Wasser geliebt. Und das, obwohl er als Kind mal mit dem Paddelboot gekentert ist, als er noch nicht schwimmen konnte. Die Eltern hatten an der Werra ein Wassergrundstück mit Wochenendhäuschen, erzählt er, dort seien sie aufgewachsen. Er trat in einen Schwimmverein ein, wechselte vor 60 Jahren zum Wasserrettungsdienst, heute DLRG. Was ihn am Rettungsschwimmen reizt? Die Vielfalt der Disziplinen, sagt Büchner, und die Erste Hilfe, die alle beherrschen müssen - bis heute.

Fußball kann man ja nur bis zu einem gewissen Alter spielen, aber schwimmen kann man bis ins hohe Alter. Das hält eben fit - das sieht man ja!

Jürgen Büchner

Jürgen Büchner ist Bäcker und Konditor, hat jahrelang in Eisenach ein Café betrieben. Dort wurde auch die Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) nach der Wende gegründet. Seine Frau Ilona und er haben lange im Vorstand gearbetet. Bis heute beaufsichtigt er als Trainer das Seniorenschwimmen jeden Dienstagnachmittag im Eisenacher Aquaplex. Früher hat er auch Fußball gespielt, erzählt Büchner. "Fußball kann man ja nur bis zu einem gewissen Alter spielen, aber schwimmen kann man bis ins hohe Alter. Das hält eben fit - das sieht man ja!", stellt er lachend fest.

Das sieht man tatsächlich. In der Schwimmhalle erklimmt der 83-Jährige den Startblock und hechtet mit einem weiten Sprung kraftvoll ins Wasser, krault elegant und zügig durchs Becken. Das kommt nicht von ungefähr. "Wenn man noch richtig aktiv sein will, muss man schon mehr machen." Neben dem wöchentlichen Schwimmen trainiert Jürgen Büchner - immer gemeinsam mit seiner Frau - montags und freitags im Fitnessstudio. Denn Rettungsschwimmen erfordert neben Technik auch Kraft und Ausdauer.

Ein Mann steht vor einem Schimmbad und lächelt.
Seit 60 Jahren ist Jürgen Büchner dem Rettungsschwimmen verbunden und hat auch im Vorstand der DLRG Eisenach mitgearbeitet. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Wettkampf in drei Disziplinen

Im Wettkampf sind in seiner Altersgruppe drei Disziplinen gefragt, erklärt Büchner: Freistil in der bevorzugten Schwimmart, Rückenschwimmen nur mit den Beinen und schließlich das Transportieren einer 40 Kilo schweren Puppe. Wettkämpfe sind ihm wichtig: "Beim Wettkampf sind wir eine Gemeinschaft, wir fahren ja gemeinsam weg. Und dann lernt man viele Leute kennen. Das ist immer ein Höhepunkt im Jahr."

Für den Höhepunkt in diesem Jahr, die Deutschen Meisterschaften in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen, haben sich die Eisenacher Senioren-Rettungsschwimmer bei einem Trainingslager in Friedrichroda vorbereitet. Das war anstrengend, stellt Jürgen Büchner fest: "Man merkt dann, wie das tägliche Training schlaucht. Der Körper braucht schon seine Ruhephasen."

Ein Mann schwimmt während eines Rettungsschimmertrainings auf dem Rücken und hält eine Trainingspuppte im Arm.
Konzentriert und mit viel Ehrgeiz: der Transport einer Puppe ist eine Wettkampfsdisziplin. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Schwimmen gegen den Krebs

Er ist ehrgeizig, nimmt aber auch die Grenzen ernst. Wenn er sich mal nicht so fühlt, dann fällt das Training eben kleiner aus. Aber Büchner hält am Sport fest. Vor fünf Jahren erkrankte er am Schwarzen Hautkrebs, muss seither regelmäßig zu Kontrollen. Nach Metastasen wurde eine Nebenniere entfernt, auch wegen des Weißen Hautkrebses wurde er schon operiert. Schwimmen hilft, ist er überzeugt und strahlt ganz breit: "Sport generell, aber Schwimmen ist sehr gut. Auch die Ärzte sagen immer: 'Machen Sie weiter, Herr Büchner, dann geht das.'"

Leise sind wir nicht, da kommt schon was raus.

Ilona Büchner

Seine Frau Ilona, die schon Deutsche Meisterin war, hat mit 75 Jahren die Wettkämpfe aufgegeben - es war einfach zu aufregend, hat sie zu sehr mitgenommen, erzählt sie. Aber sie fährt mit, wenn ihr Mann antritt, und unterstützt ihn vom Beckenrand aus.

Aufregend sei auch das. "Leise sind wir nicht, da kommt schon was raus", sagt sie und lacht. Aber sie weiß aus eigener Erfahrung: Den Schwimmer erreicht das in seine Konzentration nicht. "Aber man macht das automatisch." Und ihr Mann wird nicht nervös? "Doch, natürlich", sagt er, "so wie in jungen Jahren." Und beschreibt, wie er sich auf der Strecke innerlich antreibt.

Bei den vergangenen vier Deutschen Meisterschaften hat Jürgen Büchner jeweils den Silberrang errungen. Ein Dauerkonkurrent lag immer vor ihm. Diesmal treten in der Altersklasse 85 sechs Starter an. Natürlich jucke ihn der Spitzenplatz, sagt er. "Ich habe aber zuvor auch schon viermal nur den vierten Platz gemacht. Und ich habe nicht aufgegeben!" Soll wohl heißen: Da könnte noch etwas kommen.

Deutsche Seniorenmeisterschaften im Rettungsschwimmen Nach 1988 und 2004 richtet die DLRG Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen vom 9. bis 12. Mai zum dritten Mal die Deutschen Seniorenmeisterschaften im Rettungsschwimmen aus. Erwartet werden rund 800 Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer aus dem gesamten Bundesgebiet.

Zwanzig Jahre nach den letzten Deutschen Seniorenmeisterschaften in Rheda-Wiedenbrück kämpfen die Rettungssportler zum 33. Mal um die nationalen Titel im Einzel in den Altersklassen AK 25 – 90 Jahre und bei den Mannschaftswettbewerben in der AK 100 bis 280 Jahre (Gesamtalter der vier jüngsten Sportler im Team). www.rheda-wiedenbrueck.de

MDR (co)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 09. Mai 2024 | 07:20 Uhr

1 Kommentar

Anni22 vor 2 Wochen

Toi, Toi, Toi für den Wettkampf und allen Rettungsschwimmern herzlichen Dank für die Arbeit!

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