Tanken Spritpreise: Auch in Osteuropa tankt man gern im Nachbarland

Nicht nur hierzulande reibt man sich die Augen, wenn man die Spritpreise beobachtet. Wer kann, fährt auch in Tschechien oder Kroatien über eine Grenze, um beim Tanken zu sparen. Wer das nicht kann, muss tief in die Tasche greifen. Nicht nur der hohe Ölpreis, sondern auch hohe Steuern und Abgaben sind verantwortlich für die hohen Spritpreise.

Tankstelle in Usti nad Labem
Für billigeres Benzin oder Diesel fahren die Deutschen gern nach Tschechien Bildrechte: imago images/CTK Photo

Wer dieser Tage tanken fährt, dem schießen beim Blick auf die Preistafeln die Tränen in die Augen. Die Spritpreise scheinen nur eine Richtung zu kennen: aufwärts. Im Oktober brechen die Preise sogar den Allzeitrekord von 2012. Laut ADAC zahlt man in diesem Monat in Deutschland im Schnitt 1,65 Euro für den Liter Benzin und 1,52 Euro für den Liter Diesel. An einzelnen Tankstellen knackten die Spritpreise vorvergangene Woche sogar schon die Zwei-Euro-Marke.

Für diejenigen, die nahe der Grenze zu Polen und Tschechien wohnen, gehört es zum Alltag: Tanktourismus bei den Nachbarn. Aber auch dort sind die Preise gestiegen. Dennoch legte man in Tschechien laut dem Vergleichsportal Global Petrol Prices an der Tankstelle Mitte Oktober mit 1,41 Euro noch fast 25 Cent weniger pro Liter für Benzin und für Diesel mit 1,36 Euro etwa 15 Cent weniger auf den Kassentisch als in Deutschland.

Ein Rechenbeispiel: Wer vom vogtländischen Adorf nach Hranice u Aše direkt hinter der Grenze an die Zapfsäule fährt, spart bei Benzin etwa zehn Euro für eine Tankfüllung von 50 Litern. Zwischen Polen und Deutschland liegt die Differenz sogar bei gut zwanzig Euro. Erfahrene Grenzgänger haben auch noch einen Kanister dabei. Davon, größere Mengen als zehn Liter im Kanister zu transportieren, rät der ADAC aus Sicherheitsgründen ab.

Tanken, wo es billiger ist – auch in Tschechien und Kroatien möglich

Aber auch für die östlichen Nachbarn steigen die Preise so stark wie kaum je zuvor. Während deutsche Autofahrer noch etwas sparen können und das Schreckgespenst von 2 Euro pro Liter erst hier und da gesichtet wurde, laufen auch in Tschechien und anderswo in Osteuropa die Preise den Einkommen davon. Doch wohin fahren die Menschen aus Tschechien, um billiger zu tanken? Es bleibt ihnen nur Polen, denn in allen anderen Nachbarländern liegen die Preise höher. Laut Vergleichsportal Global Petrol Prices ist der Literpreis für Benzin Mitte Oktober in Polen um 13 Cent günstiger (1,28 Euro) als in Tschechien, für Diesel gerade einmal 8 Cent (1,28 Euro).

Zapfsäule
An den Zapfsäulen in Polen ist Diesel und Benzin günstiger als in Tschechien. Bildrechte: imago images/NurPhoto

Schaut man weiter nach Südosten, dann leiden vor allem die Menschen in Kroatien unter besonders hohen Spritpreisen. Diesel kostet hier Mitte Oktober mit im Schnitt 1,47 Euro sogar mehr als Benzin mit 1,44 Euro. Und die Preise liegen in allen Nachbarländern niedriger als in Kroatien selbst. Die längste Grenze und den größten Preisvorteil hat Kroatien gegenüber Bosnien und Herzegowina. Im Nachbarland, das im Gegensatz zu Kroatien kein EU-Mitglied ist, kostet der Liter Diesel für kroatische Verhältnisse günstige 1,18 Euro und Benzin 1,21 Euro. Und so ist Tanktourismus auch in Kroatien kein Fremdwort. Nur dass in diesem Fall die Kroaten zu Besuch fahren, während sie im Sommer Gastgeber für unzählige Touristen sind.

Was nach dem Tanken vom Geld übrig bleibt

Doch auch viele Menschen in Kroatien und Tschechien wohnen nicht so nahe an der Grenze, dass sie von günstigerem Kraftstoff in einem Nachbarland profitieren könnten. Und so bleibt den Verbrauchern nichts anderes übrig, als immer größere Teile ihres Einkommens für Benzin auszugeben. Vor allem Kroatien und Rumänien stechen dabei heraus. In beiden Ländern kostet eine Tankfüllung von 50 Litern gute neun Prozent des monatlichen Nettoeinkommens einer alleinstehenden Person ohne Kinder. Laut Eurostat lag deren durchschnittlicher Verdienst im Jahr 2020 in Kroatien bei etwas über 800 Euro, in Rumänien knapp über 700 Euro.

Aber auch wer in Ungarn Auto fährt, muss tief in die Tasche greifen: Dort kostet so die eine Tankfüllung etwa 8,5 Prozent eines Monatseinkommens. Zum Vergleich: Wer als kinderloser Alleinstehender in Deutschland den Tank füllt, zahlt dafür knapp über drei Prozent eines Monatseinkommens. Polen und Tschechien liegen dazwischen.

Steuern und Abgaben machen das Benzin teuer

In Ungarn wurde kürzlich die 500-er Marke geknackt. 500 Forint – knapp 1,40 Euro hieß die magische Grenze, über die der Dieselpreis pro Liter noch nie geklettert war. Dass die Preise angesichts niedrigerer Einkommen in Osteuropa astronomisch hoch sind, liegt nicht nur am gestiegenen Weltmarktpreis für Rohöl. Denn ähnlich wie in Deutschland macht der in allen Ländern nur einen Teil des Literpreises an der Zapfsäule aus.

In Ungarn hat der Einkaufspreis des Rohöls etwa einen Anteil von 50 Prozent am Spritpreis. Der Rest geht an den Fiskus und deckt Kosten, die die Tankstellen haben. Für Zeiten, in denen die Rohölpreise besonders hoch sind, hat die Regierung in Budapest eine Steuerbremse eingeführt. Die ist allerdings schon aktiviert, seit der Rohölpreis über 50 Dollar geklettert ist. Momentan liegt der wegen steigender Nachfrage auf dem Weltmarkt bereits über 80 Dollar pro Fass. Benzin und Diesel verteuert sich also trotz Steuerbremse, da der Weltmarktpreis steigt. Wer in Ungarn tankt, hat deshalb allenfalls gemerkt, dass die Spritpreise nicht noch steiler angestiegen sind – schwer, sich darüber zu freuen, wenn sie dennoch stetig klettern.

In Kroatien Abgaben auf Benzin ähnlich hoch wie in Deutschland

Ähnlich hoch wie in Deutschland ist in Kroatien der Anteil am Spritpreis, den Steuern und Abgaben ausmachen. Über 60 Prozent des Literpreises für Benzin und Diesel gehen dort nicht auf den Rohölpreis zurück. Kroatische Gewerkschaften und Unternehmensverbände fordern bereits, den Anteil am Benzinpreis, den sich der Staat nimmt, zu senken. Vorige Woche hat die konservative HDZ-Regierung dann eingegriffen. Allerdings hat sie nicht die Steuern gesenkt, sondern die Spritpreise für 30 Tage eingefroren. Bei den Mineralölkonzernen sorgt das für wenig Freude, bei den Verbrauchern wenigstens für ein Fünkchen Erleichterung.

Außerhalb der EU gingen die Menschen in Montenegro und Albanien jüngst schon gegen hohe Sprit- und andere Preise auf die Straße. Welchen Lösungen andere Regierungen gegen die hohe Belastung der Verbraucher finden und ob sie innerhalb der EU auch gemeinsame Ansätze verfolgen werden, bleibt abzuwarten.

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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell Radio | 18. Oktober 2021 | 10:00 Uhr

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