Konfrontation mit China Ex-General rechnet nicht mit chinesischem Angriff auf Taiwan

Der ehemalige Nato-General Hans-Lothar Domröse geht nicht davon aus, dass China gegenwärtig das Risiko einer bewaffneten Auseinandersetzung um Taiwan eingeht. Dafür reagiert China auf diplomatischer Ebene gegen die USA.

Ein Militärhubschrauber zieht eine riesige Taiwan-Fahne hinter sich her und fliegt vor den Feierlichkeiten des Nationalfeiertag am Hochhaus «Taipei 101» vorbei.
Taiwanesisches Militär am Nationalfeiertag im Oktober 2021. Bildrechte: dpa

Der frühere Nato-General Hans-Lothar Domröse rechnet derzeit nicht mit einer chinesischen Invasion in Taiwan. Er sagte MDR AKTUELL, nach dem Besuch der US-Politikerin Nancy Pelosi seien die chinesischen Manöver eine große Machtdemonstration. Das sei "überzogen, aber nicht sehr überraschend".

Taiwan mit Hightech-Armee

Domröse erklärte, China sei eine Weltmacht und habe militärisch stark aufgerüstet. Es sei aber nicht so weit, um gegen Taiwan, Japan und die USA antreten zu können. Man dürfe nicht vergessen, dass Taiwan eine hochgerüstete Hightech-Armee habe. Eine Invasion "würde blutig werden". Das Risiko wird China aus Sicht von Domröse nicht eingehen – jedenfalls "nicht heute", ergänzte er.

Der Ex-General betonte, der Taiwan-Konflikt "ist brandgefährlich", weil sich hier zwei Weltmächte, zwei Nuklearmächte gegenüber stünden: China und die USA. Dennoch lasse sich der Konflikt nicht mit der Lage in der Ukraine vergleichen. Die Ukraine sei ein selbstständiger Staat, der von Russland überfallen worden sei. Taiwan sei dagegen ein Teil Chinas.

Ex-General mahnt deutsche Zurückhaltung an

Was man indes vergleichen könne, sei der Freiheitswillen der Millionen Ukrainer und Taiwanesen, ergänzte Domröse. Zur Rolle Deutschlands im Taiwan-Konflikt sagte er: "Wir sollten nicht eskalieren, wir sollten uns dezent zurückhalten, aber natürlich stehen wir für Freiheit und Menschenrechte." Insofern dürfte man die eigenen Prinzipien nicht aufgeben.

China fährt Zusammenarbeit mit USA zurück

Aus Protest gegen den Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi in Taiwan hat China indes den Dialog mit den USA über Klimaschutz und andere Kooperationen ausgesetzt. Wie das Außenministerium am Freitag in Peking mitteilte, werden drei Dialogforen zu Militär- und Verteidigungsfragen komplett gestrichen. Ausgesetzt werden die Zusammenarbeit in der Drogenbekämpfung, bei grenzüberschreitenden Verbrechen, beim Rechtsbeistand in Kriminalfällen und zur Rückführung illegal eingereister Menschen.

Indes hat China Sanktionen gegen die US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi wegen deren Taiwan-Reise beschlossen. "Trotz Chinas ernsthafter Bedenken und entschiedenen Widerstands bestand Pelosi darauf, Taiwan zu besuchen", begründete ein Sprecher des Außenministeriums in Peking am Freitag den Schritt. Pelosi habe sich in innere Angelegenheiten eingemischt sowie den Frieden und die Stabilität der Taiwanstraße zu bedroht.

Die Sanktionen würden auch für die unmittelbaren Angehörigen der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses gelten. Pelosi hatte in dieser Woche trotz massiver Drohungen aus China Taiwan besucht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. August 2022 | 08:48 Uhr

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