Geldscheine, Münzen, Kugelschreiber auf Schufa-Bonitätsauskunft
Mit der geplanten neuen Verbraucherkredit-Richtlinie könnte bei jeder Online-Bestellung auf Rechnung eine Bonitätsauskunft nötig werden. Bildrechte: imago images / Sven Simon

Neue EU-Richtlinie Steht der Online-Kauf auf Rechnung vor dem Aus?

10. März 2023, 06:47 Uhr

Unter dem Hashtag #klarnaschulden vergleichen junge Leute im sozialen Netzwerk TikTok, was sie dem Online-Bezahldienst Klarna schulden. Buy now, pay later heißt das Problem – kaufe jetzt, zahle später. Junge Leute häufen so Schuldenberge an, was die EU stoppen und dafür die Verbraucherkredit-Richtlinie ändern will. Das jedoch könnte auch dazu führen, dass Online-Käufe auf Rechnung schwieriger oder unmöglich werden.

Mit Blick auf die EU-Pläne zur Änderung der Verbraucherkredit-Richtlinie spricht die EU-Abgeordnete Svenja Hahn davon, dass die EU-Kommission in guter Absicht über das Ziel hinausgeschossen sei. In ihrem Vorschlag sei ein grober Schnitzer aufgefallen, sagte die FDP-Politikerin: Das Gesetz würde so, wie es aktuell vorliege, den Online-Kauf auf Rechnung generell verbieten.

Der Kauf auf Rechnung gilt nun plötzlich als Verbraucherkredit, obwohl er das gar nicht ist.

Svenja Hahn, FDP-Abgeordnete im EU-Parlament

Das heiße, die Bezahlung würde an die Bestellung gekoppelt, nicht mehr an die Erbringung der Leistung, sagte Hahn MDR AKTUELL. Auch bei größeren Anschaffungen wie dem Kauf einer Küche, müsse sie sofort bezahlt werden, obwohl sie vielleicht erst später eingebaut werde. Wenn der Kunde erst nach dem Einbau zahle, könne er dagegen sicher sein, dass auch geliefert werde.

Frank Düssler vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel sieht hier einen Nachteil für den Kunden. Der aktuelle Richtlinienentwurf würde in vielen Fällen de facto das Ende des Rechnungskaufs bedeuten. Verbraucher müssten dann umgehend und per Vorkasse bezahlen. Das wäre schade, so Düssler, denn dann hätten sie ja die Ware noch nicht in den Händen.

Schufa-Auskunft bei jeder Online-Bestellung?

Den BEVH-Sprecher irritiert vor allem die Gleichsetzung des Kaufs auf Rechnung mit einem Verbraucherkredit. Das sei nicht nachvollziehbar, weil Rechnungskäufe etwas völlig anderes seien als Verbraucherkredite. Der Rechnungskauf sei in der Regel zinsfrei, das Zahlungsziel sehr kurz und vor allem bestehe auch keine Gefahr der Überschuldung.

Der Online-Handel schreckt vor allem vor der dabei auch geplanten Bonitätsprüfung zurück. Das sei ein Aufwand, der nicht zu leisten sei, sagte Düssler.

FDP-Politikerin Hahn sieht darin aber auch ein Problem für Kunden: "Insbesondere bei Online-Anbietern wird es tatsächlich sehr verrückt", sagte sie, denn bei jeder Bestellung auf Rechnung müssten sie auch die Kreditwürdigkeit prüfen. Wer also etwas auf Rechnung bestelle, müsse seinen kompletten finanziellen Hintergrund dem Händler offenlegen. Braucht es also künftig für jede Online-Bestellung eine Schufa-Auskunft?

Auch Arzt-Rechnungen wären sofort fällig

Damit aber nicht genug, auch Selbstzahler im Gesundheitsbereich und Privatversicherte wären davon betroffen, erklärt Hahn. Aktuell gingen sie zum Arzt und erhielten im Nachgang eine Rechnung, die sie bezahlen und dann bei ihrer Krankenkasse einreichen können und erstattet bekommen. Das würde wegfallen. Wer privat versichert oder als Selbstzahler zum Arzt gehe, müsste dann sofort beim Arzt bezahlen.

Noch bleibe ein Zeitfenster für Nachbesserungen, sagt die EU-Abgeordnete. Zwar hätten sich EU-Parlament und Mitgliedsländern schon geeinigt. Der endgültige Richtlinientext, über den das Parlament und die EU-Staaten dann abstimmen, sei aber noch in Arbeit. Es gebe es also noch eine Chance, den Kauf auf Rechnung zu retten.

MDR (ksc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. März 2023 | 06:00 Uhr

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