Schulbesuch in Deutschland. Unsere Geschichte und Schlussfolgerungen | Teil 4

Alle in Deutschland lebenden Kinder müssen die Schule besuchen, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit und ihrem Status. Davon erfuhren wir gleich nach der Ankunft in der Stadt Borna bei Leipzig. Und auch der Fernunterricht an ukrainischen Schulen hebt diese Regel nicht auf. Also mussten wir herausfinden, wie wir das eine mit dem anderen kombinieren oder den ukrainischen Online-Unterricht vorübergehend aussetzen können.

Ich möchte daran erinnern, dass Borna eine Partnerstadt von Irpin ist. Nachdem Russland den Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen hatte, war es diese kleine Stadt, die Frauen und Kinder aus der Gemeinde Irpin auf organisierte Weise im Rahmen eines speziellen internationalen Partnerschaftsprogramms bei sich beherbergte. Inzwischen haben hier mehr als 200 Ukrainer Zuflucht gefunden. Etwa hundert von ihnen sind Kinder, was für eine kleine Stadt, in der es nur zwei Schulen und ein Gymnasium gibt, ziemlich viel ist.

Mitte März wurden alle schulpflichtigen Kinder aus der Ukraine in zwei Klassen eingeteilt. Eine, die die Schüler der 1. bis 4. Klasseumfasste, wurde in der Grundschule untergebracht. Die zweite, mit Schülern von der 5. bis zur 11. Klasse in der Ukraine, kam in die Oberschule. Dort erhielten die Schüler alle notwendigen Schreibwaren und Hefte. Glücklicherweise befanden sich unter den ukrainischen Flüchtlingen zwei Lehrerinnen, die sich bereit erklärten, unsere Kinder zu unterrichten. Der Deutschunterricht wurde von einem Lehrer übernommen, der Russisch kann.

zwei Kinder
Die Kinder von Yuliya Osinska vor ihrer Schule in Borna Bildrechte: Julija Osinska/MDR

Ich persönlich habe diese Unterrichtsvariante als Zwischenstufe empfunden. Schließlich war mir klar, dass es fast unmöglich ist, 7-jährige und 10-jährige Schüler gleichzeitig in einer Klasse effektiv zu unterrichten. Das weiß ich genau als Mutter eines Sohnes und einer Tochter in diesem Alter. Die Hauptaufgabe bestand also darin, aktiv Deutsch zu lernen.

Als ich die Besonderheiten des Unterrichtens ukrainischer Kinder in örtlichen Schulen recherchierte, erkannte ich, dass es zwei Möglichkeiten gibt: wie bei uns, also wenn ukrainische Kinder unterschiedlichen Alters ganze Klassen bilden und von ukrainischen Lehrern unterrichtet werden, und wenn Ukrainer einzeln in reguläre Klassen aufgenommen werden, in denen man deutsche Kinder unterrichtet.

Yuliya Osinska mit ihren Kindern
Yuliya Osinska mit ihren Kindern Bildrechte: Yuliya Osinska/MDR

Einige meiner Bekannten, die inzwischen in anderen Städten Deutschlands leben, berichten darüber, wie sich ihre Kinder erfolgreich ihren deutschen Mitschülern angeglichen und wie schnell sie dabei Deutsch gelernt haben.

Darum will ich einen Rat geben. Wenn Sie eine Wahlmöglichkeit haben, wählen Sie die zweite Option. Haben Sie keine Angst. In Bezug auf Integration und Sprachenlernen ist diese Variante viel effektiver. Den Kindern bleibt nichts anderes übrig, als sich mit deutschen Klassenkameraden zu treffen und mit ihnen zu kommunizieren. In 2 bis 3 Wochen beginnen die Kinder, den Ausführungen des Lehrers zu folgen und erwerben Kenntnisse, die ihrem Alter angemessen sind.

Leider haben wir noch keine solche Wahlmöglichkeit. Ich gehe davon aus, dass es auf die Anzahl der Flüchtlingskinder ankommt. Sind es einzelne Personen, dann werden sie den deutschen Klassen angegliedert, sind es aber viele, dann werden eigene Klassen gebildet.

Aber die Tatsache, dass Kinder mit gleichaltrigen Landsleuten kommunizieren, ist aber ein großes Plus. Erstens lenkt es von negativen Gedanken über den Krieg in der Heimat ab, es schafft gewissermaßen Ordnung und diszipliniert sie, und vor allem erwerben sie dadurchneues Wissen, das nach ihrer Rückkehr nach Hause dazu beitragen wird, dass sie sich leicht in den Bildungsprozess in ukrainischen Schulen integrieren werden.

Einziger Wermutstropfen ist der Umstand, dass das Schuljahr erst am 18. Juli endet (in Sachsen). Das denken zumindest meine Kinder, die sich auf die Sommerferien am 1. Juni gefreut haben. Wir mussten erklären, dass wir nach den Regeln des Landes leben müssen, das uns Schutz geboten hat. Sie verstanden das und versöhnten sich damit, träumen aber immer noch davon, die nächsten Sommerferien in ihrer Heimat Ukraine unter einem friedlichen Himmel zu verbringen.

інші теми

Mikrofon im Studio mit Audio-Archiv Piktogramm
Права на зображення: MDR/Imago