Eine Geldkarte (Maestro) vor dem EC-Logo und dem Schriftzug der Sparkasse
Durch die Maestro-Funktion ist die bei den Deutschen als EC-Karte bekannte Girokarte auch international nutzbar. Doch die Maestro-Funktion wird abgeschafft. Bildrechte: dpa

Tipps von finanztip.de-Expertin Debitkarte statt Maestro-Karte: Was sich ab Juli 2023 bei der ehemaligen EC-Karte ändert

13. September 2023, 09:30 Uhr

Es gibt Girokarten (früher EC-Karte) und Kreditkarten – und nun kommen verstärkt die neuen Debitkarten hinzu. Da gilt es, den Durchblick zu behalten. Finanzexpertin Josefine Lietzau erklärt, was sich für die Girokarten seit Juli verändert hat, was wir über die Debitkarten wissen müssen und wo wir mit Giro- oder Kreditkarte besser fahren.

Die Girocard kennen die meisten Deutschen, auch wenn sie eher unter ihrem alten Namen EC-Karte bekannt ist. Sie steckt in vielen Brieftaschen und ist Begleiter beim Einkaufen und Geldabheben. Das Geld, das man ausgibt, wird zeitnah vom Girokonto abgebucht. Das macht die Girocard zu einer sogenannten Debitkarte.

Was viele Verbraucher nicht wissen: Es handelt sich eigentlich um eine rein deutsche Karte. Im Ausland funktioniert sie nur, weil die Banken sie mit einer zusätzlichen Funktion ausstatten: Maestro (Mastercard) oder V-Pay (Visa).

Ein Kundin zahlt mit einer Kreditkarte ihren Einkauf an einem Terminal für den bargeldlosen Zahlungsverkehr.
EC-Karten gibt es nicht mehr. Sie werden durch Debitkarten ersetzt. Bildrechte: IMAGO/Fotostand

Ab Juli kein "Maestro" mehr

Ab Mitte Juli werden keine Girocards mehr mit Maestro-Funktion ausgegeben. Die Karten, die Verbraucher bereits haben, funktionieren bis zum Ablaufdatum wie gewohnt. Was erst einmal nicht schlimm klingt, könnte weitreichende Folgen haben. Der simple Grund ist, dass die Maestro-Funktion eben jener Dienst ist, der die Girocard im Ausland nutzbar macht. Ist eine Girocard mit dieser Funktion ausgestattet, kann man sie auch international zum Bezahlen und Geld abheben einsetzen. Und zwar überall dort, wo auch die Mastercard akzeptiert wird.

Kurzum: Die Maestro-Funktion macht die deutsche Girokarte auch international nutzbar. Doch ab Juli 2023 werden keine Girokarten mit Maestro-Funktion mehr ausgestellt. Der Zahlungsdienstleister Mastercard stellt die Funktion ein. 

Girocards
Maestro ermöglicht weltweites Bezahlen, mit Girocard kann ohne Maestro nur in Deutschland bezahlt werden. Bildrechte: IMAGO/Rene Traut

Warum wird Maestro abgeschafft? Mit der Maestro-Funktion kann weltweit Bargeld abgehoben und kontaktlos bezahlt werden. Laut dem US-Unternehmen Mastercard, das die Rechte daran hält, sei die Funktion nicht für den Online-Handel ausgelegt und daher nicht mehr zeitgemäß. Deshalb soll die Funktion durch modernere Debitkarten ersetzt werden. Die Vermutung ist, dass Mastercard seine Position auf dem deutschen Markt damit ausbauen möchte.

Ähnliches wie mit Maestro wird vermutlich auch mit V-Pay vom Konkurrenten Visa passieren. Ein konkretes Datum für das Ende der Funktion ist aber noch nicht bekannt. Mit V-Pay können Kunden in bestimmten Ländern in Europa bezahlen, mit Maestro weltweit. Mit der Girocard kann dagegen nur in Deutschland gezahlt werden.

Wird meine Girokarte im Juli dann ungültig?

Nein, erstmal gilt das nur für neu ausgestellte Girokarten. Die Übergangsregelung für die alten Girokarten greift jedoch maximal bis Ende 2027, dann brauchen die Verbraucher neue Karten. Falls Ihre Bank bisher Maestro nutzt, wird sie Sie rechtzeitig informieren, ob Ihre nächste Girocard nur noch in Deutschland funktioniert oder ob sie die Karte mit einer anderen Funktion ausstatten wird.

Teilweise geben einige Banken jetzt schon Girokarten ohne einen zweiten Partner (wie Maestro von Mastercard) aus, darunter Comdirect. Diese Karten werden teilweise in Deutschland in Läden nicht akzeptiert. Das liegt dann daran, dass das Kartenlesegerät (oft von SumUp) nicht an das deutsche Girocard-System angeschlossen ist und Zahlungen nur über die Infrastuktur von Mastercard oder Visa abwickeln kann.

Eine Frau sitzt am Computer und hält eine Kreditkarte in der Hand.
Hauptvorteil der neuen Debitkarten ist, dass man sie auch – außer zum Geldabheben und zum Bezahlen im Geschäft – fürs Online-Shopping verwenden kann. Bildrechte: IMAGO/Panthermedia

Für wen sich was ändert

Die Karten, die vor dem 1. Juli 2023 ausgegeben wurden, funktionieren wie gewohnt weiter. Es gibt also keinen harten Schnitt oder eine plötzliche Umstellung. Nur wenn die Karte gerade ausläuft oder der Verbraucher sie verliert bzw. die Karte gestohlen wird, wird dieser Verbraucher etwas bemerken. 

Wenn jemand eine neue Karte bekommt, hängt es von der jeweiligen Bank ab, was passiert. Falls die Bank bei V-Pay ist, ändert sich nichts. Sollte die Bank Maestro genutzt haben, kommt es darauf an, ob sie nun eine Karte ohne Co-Badging ausgibt oder eine mit V-Pay, Mastercard Debit oder Visa Debit.

Sollte die Karte "nackig" ausgegeben werden, müssen sich Verbraucher, die bisher nur die Girocard für das Ausland genutzt haben, eine neue Karte besorgen. Entweder legen sie sich eine Visa/Mastercard zu oder sie wechseln zu einer Bank, die eine Girocard mit Co-Badging ausgibt.

Was können die neuen Debitkarten und was nicht?

Das Wichtigste zusammengefasst: Bei Debitkarten wird das ausgegebene Geld zeitnah vom Konto abgebucht – im Gegensatz zu Kreditkarten.

Die meisten Deutschen haben eine solche Karte in der Brieftasche. Entweder als Girocard (früher: EC-Karte) oder als Debitkarte von Visa oder Mastercard.

In Deutschland wird die Girocard allerdings an den Kassen immer noch besser akzeptiert als andere Debitkarten.

Will man mit der Karte auch online einkaufen, funktionieren Debitkarten von Mastercard und Visa besser als die Girocard.

Quelle: Finanztip.de

Vor allem Direktbanken bieten immer häufiger sowohl eine Debit- als auch eine Girokarte an. Der größte Unterschied zwischen diesen beiden Karten: Während man für die Girokarte immer öfter Gebühren zahlen muss, ist die Debitkarte in der Regel gebührenfrei. Die Unternehmen begründen diesen Schritt mit hohen Kosten der Girokarte und werben mit den Vorzügen ihrer Debitkarte.

Karte der DKB
Für das sichere Onlinebanking mit chipTAN-Verfahren kann man die neuen Debitkarten aktuell leider nicht nutzen. Bildrechte: IMAGO/aal.photo

Der Haken an der Debitkarte: Noch akzeptieren nicht alle Händler die neuen Debitkarten. Der Grund: Die Gebühren, die die Transaktionen via Debitkarte kosten, sind bis zu viermal so hoch wie bei der Girokarte. Für kleinere Händler mit niedrigen Umsätzen ist das ein Problem. In der Regel können die Debitkarten überall dort genutzt werden, wo man auch mit Kreditkarte zahlen kann.

Probleme kann es auch geben, wenn man viel unterwegs bist: Am besten fragen Sie vor dem Buchen von Mietwagen oder Hotels, ob die Anbieter Debitkarten vor Ort akzeptieren (oder nur "echte" Kreditkarten).

Und noch einen Nachteil haben die Debitkarten: Das sichere ChipTan-Verfahren beim Onlinebanking gibt es für die Debitkarte nicht.

Eine Frau mit langen Haaren, Brille und Kleid lächelt in die Kamera.
Josefine Lietzau ist Expertin im Bereich Finanzen. Bildrechte: Finanztip

Unsere Expertin Josefine Lietzau ist Redakteurin beim Geldratgeber Finanztip.de und kennt sich mit allen Fragen rund um Girokarten, Konten und Banken aus. Nach ihrem Magister-Abschluss in Germanistik und Anglistik absolvierte sie ein Volontariat bei den Online-Verbraucherportalen Banktip und Posttip, wo sie im Anschluss als Redakteurin arbeitete.

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MDR (fd,lk)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 11. April 2023 | 17:00 Uhr

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