Petrus' Nachfolger und Spuk in rauhen Nächten Was wir Silvester feiern

Mit Gottesdiensten besinnen sich Christen auf die Ereignisse des alten Jahres und erbitten Gottes Segen fürs das neue. Dann wird es bekanntlich laut. Die Knallerei ist kein neuer Brauch. Schon die alten Römer ließen es Silvester ordentlich krachen. Woher der Brauch kommt und was es mit den Raunächten zwischen Weihnachten und dem 6. Januar auf sich hat:

Rotes und gelbes Silvesterfeuerwerk am Nachthimmel
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Am 31. Dezember endet für uns das Jahr. Es ist eine besondere Zeit, weil wir uns an das vergangene Jahr erinnern. In diesem Jahr blicken wir auf Monate der Corona-Pandemie zurück, die viele Menschen an ihre persönliche Belastungsgrenze gebracht hat. Doch gerade jetzt ist der Jahreswechsel eine Zeit des Neuanfangs: Wie geht es weiter mit Impfungen und dem Lockdown? Also jenen Maßnahmen, die den Alltag vieler Menschen im vergangenen Jahr bestimmt haben.

Normalerweise wird der Jahreswechsel für viele Menschen von lieb gewordenen Gewohnheiten begleitet. Dazu gehören Gottesdienste in den Kirchen, ausgelassenen Partys, Essen und Feiern im Freundeskreis und einem bunten und lauten Feuerwerk. Doch das fällt in diesem Jahr weg oder findet nur in sehr kleinem Rahmen statt.

Auch unsere Vorfahren etablierten Bräuche, die sie auf ein gutes neues Jahr hoffen ließen.

Woher der Name "Silvester" kommt

Papst Silvester
Papst Silvester, Mosaik im Markusdom in Venedig, datiert 12.-14. Jh. Bildrechte: imago/Danita Delimont

Der letzte Tag des Jahres hat seinen Namen von einem Heiligen. Der 31. Dezember ist für Katholiken der Namens- bzw. Gedenktag des heiligen Silvester. Silvester war Bischof von Rom und damit der Nachfolger des Apostels Petrus. Heute sagen wir Papst, doch zu Lebzeiten Silvesters im 3. Jahrhundert, gab es den Titel noch nicht. Silvester wurde um das Jahr 265 geboren und war von 314 bis zu seinem Tod 335 Bischof von Rom. In dieser Zeit wurde das Christentum durch Kaiser Konstantin legalisiert, nachdem Christen bis dahin verfolgt und ermordet wurden. Und es gab eines der wichtigsten Versammlungen der Kirchengeschichte, das Konzil von Nicäa (325).

In Silvesters Amtszeit wurden die ersten großen römischen Kirchen gebaut: die Lateran- und die Petersbasilika sowie St. Paul vor den Mauern. Der historische Silvester muss übrigens ausgelassene Feiern am letzten Tag eines Jahres gekannt haben, denn schon die alten Römer haben es damals ordentlich krachen lassen. Der Lärm sollte als Abwehrzauber verstanden werden und bösen Geistern den Zugriff auf das neue Jahr verwehren.

Spuk in den Raunächten

Die Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar gelten als mystisch, geheimnisvoll und besonders dunkel. Unsere Vorfahren haben geglaubt, dass in den "Raunächten" die Toten umherziehen. Dämonen zeigen sich den Menschen und kommen in die Häuser. Um sich vor bösen Geistern zu schützen, wurden die Häuser und Ställe mit Weihrauch ausgeräuchert - daher der Name "Raunächte". Übrigens: Frauen und Kinder mussten nach Einbruch der Dunkelheit zu Hause bleiben, die Wohnräume, Spinnstube, Küche und Werkstatt mussten aufgeräumt sein und es durfte keine Wäsche auf der Leine hängen. Wer diese Regeln brach, musste mit dem Groll der Dämonen rechnen. Im Alpenraum hat sich ein Teil dieses Brauchtums erhalten.

Mit kunstvoll handgeschnitzten Masken und wilden Pelzgewändern verkleidete Menschen
Furchterregende Gesellen treiben in St. Englmar (Bayern) ihr Unwesen. Mit kunstvoll handgeschnitzten Masken und wilden Pelzgewändern ziehen in der Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig in vielen Gemeinden im Bayerischen Wald Hexen, Teufel und Dämonen lautstark durch die Straßen, um die bösen Geister zu vertreiben. Bildrechte: dpa

 Orakel und Feuerwerk

Wer über Vergangenes nachdenkt, der überlegt auch, was die Zukunft bringen wird. So ist es also nicht verwunderlich, dass die Menschen in der letzten Nacht des Jahres neugierig sind, was das neue Jahr bringen wird. Um in die Zukunft schauen zu können, haben sich die Menschen schon immer einiges einfallen lassen. Zum Orakeln in der Silvesternacht gehört bis heute das Loseziehen ebenso wie das Zinngießen. Das Feuerwerk samt Blitzen, Lärm und lauten Schreien soll die bösen Geister und Dämonen vertreiben, die in den Raunächten um die Häuser schwirren.

Selbst wenn das Feuerwerk im Lockdown verboten ist, kann man im kleinen Kreis und bei Kerzenschein, das alte Jahr vorüber ziehen lassen und das neue Jahr in Stille und Zuversicht begrüßen.

Bauernregeln

Silvesternacht düster oder klar, deutet auf ein neues Jahr.
Ist's zu Silvester hell und klar, steht vor der Tür das neue Jahr.
Gefriert's an Silvester zu Berg und Tal, geschieht auch dies zum letzten Mal.
Wind in St. Silvesters Nacht, hat nie Wein und Korn gebracht.
Silvester Wind und warme Sunnen wirft jede Hoffnung in den Brunnen.
Silvesternacht wenig Wind und Morgensonn, gibt Hoffnung auf Wein und Korn.

Auf einen Blick Silvester ist seit der gregorianischen Kalenderreform im Jahr 1582 der letzte Tag des Jahres. Der Name Silvester geht dabei auf den gleichnamigen Heiligen zurück, der 314 in Rom zum Papst gewählt wurde und ebenda am 31. Dezember 335 starb. Während seiner Amtszeit wandelte sich die Politik des amtierenden Kaisers Constantin, der Christen bis dahin verfolgen und ermorden ließ.

In Jahresschluss-Gottesdiensten reflektieren Christen die Ereignisse des alten Jahres und erbitten Gottes Segen für das neue Jahr. Die Tradition des vielerorts üblichen Silvesterfeuerwerks geht auf die Germanen zurück, die am Ende eines Jahres Feuerwerke veranstalteten, um böse Geister zu vertreiben.