Familie ganz normal anders Aufwachsen mit zwei Vätern

Ob Mann und Mann oder Frau und Frau, Regenbogenfamilien sind heute längst nichts Besonderes mehr. Wie für viele andere gehören auch für gleichgeschlechtliche Paare Kinder zu einem erfüllten Leben dazu. Stefan Simonides Noack und André Noack aus Cottbus haben ihren Weg gefunden, um sich den Traum von der eigenen Familie zu erfüllen.

Zwei Männer und ein Junge schauen in eine Fotoalbum 5 min
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Nah dran Do 29.04.2021 22:40Uhr 05:12 min

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Seit 12 Jahren lebt John-Luka bei Stefan Simonides Noack und André Noack. Seit seinem dritten Lebensjahr wächst er als Pflegekind bei dem Paar auf. Seine Mutter hatte ihn als Baby in die Obhut des Jugendamtes gegeben. Als erstes schwules Paar in Cottbus bemühten sich die beiden Männer damals um eine Pflegschaft.

Sie gehen offen damit um, dass der Junge nicht ihr leibliches Kind ist: "Insofern haben homosexuelle Paare als Pflege- oder Adoptiveltern durchaus auch einen Vorteil, weil wir den Kindern gar nicht verheimlichen können, dass wir nicht die leiblichen Eltern sind", sagt André Noack.

Ein erfülltes Familienleben

Vater, Vater, Kind - Nah dran-Reportage
Beim Frühstück Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Stefan Simonides Noack ist Stadtplaner, André Noack arbeitet als Architekt. Ein Kind, das mit zwei Vätern aufwächst, ist immer noch ungewöhnlich. Anders für die Familien der beiden Väter. Für sie habe John-Luka ein ganz besonderes Glück bedeutet, erzählt André Noack. Seine Mutter sei lange enttäuscht davon gewesen, keine Enkelkinder zu bekommen:

"Viele Menschen sind ja nicht davor gefeit, sich von diesem klassischen Familienbild beeinflussen zu lassen: Vater, Mutter, Kind. Das ist auch bei unseren Eltern so gewesen. Als wir John-Luka dann bei uns hatten, hat mir meine Mutter gesagt, dass sie das schön und angenehm findet."

Kontakt zu den leiblichen Eltern suchen

Vater, Vater, Kind - Nah dran-Reportage
Seit zehn Jahren gemeinsam unterwegs Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Inzwischen füllt das gemeinsame Familienleben zahlreiche Fotoalben. Auch die leiblichen Eltern von John-Luka spielen in der Pflegefamilie eine Rolle. In den ersten Jahren gab es noch regelmäßige Treffen mit der Mutter des Jungen. Aber in letzter Zeit wurden diese Begegnungen immer seltener. Für John-Luka ist die Situation nicht einfach.

Dafür gelang es seinen Pflegevätern, seinen leiblichen Vater ausfindig zu machen. André Noack sagt, die Beziehung zu den leiblichen Eltern sei wichtig, damit die Kinder nicht anfingen, Fehler bei sich zu suchen:

Es geht darum, so manchen Irrglauben, der sich bei einem Kind über die Jahre einschleichen kann – habe ich etwas falsch gemacht? Bin ich mit offenen Armen empfangen worden? – zu sprengen. Wir sind stolz darauf, das recht gut geschafft zu haben.

André Noack
Vater, Vater, Kind - Nah dran-Reportage
Modellbahn-Fans Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Über das Treffen mit seinem leiblichen Vater erzählt John-Luka: "Mir war es schon wichtig, meinen Papa zu sehen. Aber dann habe ich mich gefragt, ob er mich überhaupt akzeptiert. Und als ich ihn dann das erste Mal gesehen habe, hat er mich so genommen, wie ich bin."

Begleiter sein

Zwei Männer und ein Kleinkind
Seit seinem dritten Lebensjahr wächst John-Luka bei Stefan und André auf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jedes Pflegekind ist geprägt von dem, was es in seiner Herkunftsfamilie erlebt hat. Damit müssen auch die Väter von John-Luka umgehen. Er leidet unter Verlustängsten. Dadurch ist er anhänglicher als andere Kinder in seinem Alter und braucht viel Nähe. Denn darauf musste er als Kleinkind möglicherweise verzichten.

Stefan Simonides Noack: "Er ist sehr charmant. Er kann sehr schnell auf Leute zugehen und Kontakte knüpfen. Aber wenn es aber darum geht, mit einem Freund oder einer Freundin eine längere Beziehung einzugehen, wird es schwierig. Er ist sehr dominant und versucht sich durchzusetzen. Vielleicht auch in der Angst, wieder jemanden zu verlieren. Das prägt ihn bis heute."

Für das Paar ist es einerseits das normalste der Welt und andererseits mit besonderen Herausforderungen verbunden, einen jungen Menschen auf seinem Weg ins Leben zu begleiten. "Die Familie ist Teil des Lebens. Das kann man gar nicht hoch genug schätzen, denn es ist elementar wichtig", betont Stefan Simonides Noack.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 13. Mai 2021 | 08:05 Uhr