4./5. Oktober 2022 Jom Kippur: Wie Juden das Fest der Versöhnung feiern

Der höchste jüdische Feiertag ist der Versöhnungstag: Jom Kippur. Er beendet eine 10-tägige Buß- und Reuezeit. Von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang wird 25 Stunden gefastet und gebetet. Beim Versuch, sich mit Gott ins Reine zu bringen, müssen vor allem auch die Mitmenschen um Verzeihung gebeten werden. Wieso dazu ein Widderhorn gebraucht wird?

Immer zwischen Spätsommer und Frühherbst beginnt in jüdischen Haushalten die Zeit der Festvorbereitungen. Da wird eingekauft und gekocht, da werden Glückwunschkarten geschrieben, Möbel gerückt und das Haus gewienert. Das Neue Jahr steht vor der Tür und damit eine Reihe von sehr wichtigen Feiertagen, die im Leben gläubiger - und auch nicht so streng gläubiger - Juden eine zentrale Rolle spielen. Es ist die Zeit der Hohen Feiertage. Für religiöse Juden eine intensive Phase der Selbstbesinnung.

Der jüdische Kalender Im jüdischen Kalender sind die religiösen Feiertage und Rituale festgelegt. Der Kalender richtet sich nach den natürlichen Zyklen von Mond und Sonne. Damit Festtage im Jahresverlauf nicht komplett schwanken, (Chanukka sollte immer im Winter liegen, Pessach im Frühling etc.) werden teilweise extra "Schaltmonate" eingezogen.    

Höchster Festtag der Juden

Das Versöhnungsfest wird zehn Tage nach dem Neujahrsfest begangen. Er gilt als der wichtigste und höchste Festtag der Juden. Fast alle halten diesen Tag in irgendeiner Form ein, auch weniger religiöse Jüdinnen und Juden. Jom Kippur ist ein strenger Fastentag, nicht einmal Wasser ist erlaubt. Gläubige Juden beten den ganzen Tag in der Synagoge. Alle anderen lassen es sehr ruhig angehen und verzichten zumindest auf laute Vergnügen oder unangemessene Aktivitäten.

Seit Neujahr hatte man Zeit, ein besserer Mensch zu werden, an Jom Kippur soll das nun im Buch des Lebens besiegelt werden. Voraussetzung für eine Versöhnung mit Gott ist aber zunächst die Versöhnung mit seinen Mitmenschen. Man muss also um Verzeihung bitten für alles, was im letzten Jahr vorgefallen ist. Das Ganze muss persönlich erfolgen. SMS- oder WhatsApp-Entschuldigungen gelten nicht.

Ein Mann schwenkt ein Huhn über dem Kopf eines betenden Kindes
Kapparot (hebr. Sühnungen), Kappores schlagen oder Hühnerschwenken –eines der jüdischen Rituale, die am Vorabend des Versöhnungstages Jom Kippur Bildrechte: picture-alliance/ dpa | epa Kobi Gideon

Jom Kippur beginnt am Abend mit dem berühmten Kol Nidre. Es umfasst eine Aufhebung aller Gelübde, die man unbedacht vor Gott getan hat. Wer in einer Notsituation dies oder jenes leichtfertig versprochen hat, soll heute die Gelegenheit dazu haben, seine Versprechungen zurückzunehmen. Das gilt aber ausdrücklich nur vor Gott. Dinge, die man Menschen versprochen hat, werden durch das Kol Nidre nicht ungültig.

Tag der Einkehr und Besinnung

Ein orthodoxer jude bläst an der Klagemauer in Jerusalem, Israel, ein Schofar, das Horn eines Widders.
Ein orthodoxer Jude bläst an der Klagemauer in Jerusalem ein Schofar, das Horn eines Widders. Bildrechte: dpa

Der Tag dauert dann von Sonnenuntergang bis zum folgenden Sonnenuntergang. Man geht nicht zur Schule oder zur Arbeit. In Israel steht das gesamte öffentliche Leben still. Das bedeutet: keine Fernseh- oder Radioprogramme, kein Flugverkehr. Autobahnen sind menschenleer. Cafés, Bars und Kneipen haben geschlossen. Ein absolut stiller, geisterhafter Tag in diesem sonst so quirligen Land. Selbst säkulare Juden verzichten zumindest in der Öffentlichkeit darauf zu essen oder zu trinken. Viele nutzen den Tag zur Einkehr und Besinnung, auch wenn sie nicht zum Gottesdienst gehen.

Ausklang mit dem Ton des Schofars

Jom Kippur endet am Abend mit dem Na’eila Gebet und einem einzigen langen Ton des Schofars. Beim Gottesdienst tragen viele Gläubige weiße Kleidung als Zeichen der Reinheit. Außerdem sind Schminke, Schmuck und Schuhe aus Leder verpönt. Man wünscht sich dann eine gute Besiegelung im Buch des Lebens und geht über zu einem großen Festmahl.

Im Anschluss beginnen bereits die Vorbereitungen für das nächste große Fest: das Laubhüttenfest Sukkot, das eine Art Erntedank darstellt.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Gedanken zu Jom Kippur | 08. Oktober 2019 | 18:50 Uhr

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