Kleinstadthelden Die kulturelle Wiederbelebung von Zeitz

Zeitz im Burgenlandkreis ist nicht gerade eine kulturelle Hochburg. Stattdessen kämpft die Stadt mit Einwohnerschwund und verfallenen Häusern. Mehrere junge Leute versuchen allerdings Neues auf die Beine zu stellen.

Das Gelände des Kloster Posa in Zeitz von vorne
Das Kloster Posa in Zeitz – hier sollen neue Anreize für Kunst und Kultur geschaffen werden. Bildrechte: MDR / Olga Patlan

Von den einst blühenden Zeiten in Zeitz ist derzeit nicht mehr viel zu sehen, aber es gibt kleine Leuchttürme, um der Stadt wieder mehr kulturelles Leben einzuhauchen. Ein Projekt ist der Verein "Kultur und Bildungsstätte Kloster – Posa". Seit acht Jahren wollen die Mitglieder vor allem das alte Kloster wiederbeleben – mit Kunst und Lebensfreude. Ziel ist es, die Stadt attraktiver zu machen und den Leerstand durch Kunst und Kultur positiv zu nutzen. MDR SACHSEN-ANHALT hat sich das alles für das Projekt Kleinstadthelden genauer angeschaut.

Kunst und Kultur sollen zurück nach Zeitz führen

Im Mittelalter war das Benediktiner Kloster Posa der zentrale Ort in Zeitz, mehrere hundert Jahre lang. Vor etwa 400 Jahren dann wurde es aufgelöst und zu einem Bauernhof umgebaut. Der Verein "Kultur und Bildungsstätte Kloster – Posa" hat schon einiges erreicht. Philipp Baumgarten, Gründungsmitglied des Vereins erzählt:

Man braucht, an dem Ort, an dem man lebt, ein stabiles soziales wie kulturelles Umfeld. An Orten wie Zeitz kann man vieles vermissen und deswegen sind wir hier und versuchen die Lücken zu schließen.

Phillipp Baumgarten
Ein junger Mann im T-Shirt zeigt ein Foto in die Kamera
Philipp Baumgarten setzt sich auch in seinen Fotografien mit den Veränderungen in Zeitz auseinander. Bildrechte: MDR / Olga Patlan

Ende 2013 hatte der Verein die notwendige Pacht für das städtische Gelände des Klosters erhalten und plant seitdem das kulturelle Leben in Zeitz ganz neu. Der Verein besteht mittlerweile aus 16 Mitgliedern und möchte vor allem neue kulturelle Angebote schaffen. Dabei hilft laut Philipp Baumgarten das Potential des Klostergeländes. Nächstes Highlight ist am 19. September eine Lichtinstallation im Taubenturm am Kloster Posa.

Zeitz: "Ein gebranntes Kind"

Ein Blick aus einem höhergelenen Fenster der alten Bibliothek in Zeitz. Unten sieht man eine Straße mit Häusern
Der Blick aus der alten Bibliothek in Zeitz: Einige Künstler stellen hier ihre Werke aus. Bildrechte: MDR / Olga Patlan

Für den Fotografen und Künstler Philipp Baumgarten ist die Stadt Zeitz "ein gebranntes Kind". In den letzten 30 Jahren seien viele Leute mit Ideen gekommen. Davon sei aber nichts wirklich umgesetzt worden oder die Ideen hätten die Zeit nicht überlebt. Er beobachte, dass die Region in den letzten 30 Jahren immer weiter schrumpfe und auch die Einwohner immer älter würden. Für Baumgarten keine leichte Situation, um etwas Neues zu erschaffen: "Viele Leute, die noch hier sind, haben vielleicht ihre Perspektiven verloren oder haben die Rolle des Wendeverlierers angenommen", meint das Gründungsmitglied des Vereins "Kultur und Bildungsstätte Kloster – Posa". Diese Leute müssten überzeugt werden, dass man gemeinsam doch etwas erreichen könne.

Baumgarten hofft, dass es in Zeitz vorangeht. Mit seinem Verein will er jedenfalls dazu beitragen. "Ich glaube, dass viele Sachen nicht von Anfang an funktionieren, aber sie können funktionieren, wenn man sich dahinter klemmt und die Sache zulässt", meint er.

Ich denke, es ist wichtig, dass die Leute selbst aktiv werden, hier gemeinsam den Ort zum Positiven zu gestalten, wie er ihnen gefällt und nicht zu warten, bis jemand kommt und es selbst in die Hand nimmt.

Philipp Baumgarten, Kultur und Bildungsstätte Kloster – Posa

Open Space Zeitz

Eine junge Frau schaut in die Kamera
Theresa Schulz empfindet die Projekte in Zeitz als gute Möglichkeit, sich künstlerisch auszutoben. Bildrechte: MDR / Olga Patlan

Neben dem Kloster hat sich in Zeitz auch an anderer Stelle schon etwas getan. So wurden die Räume der alten Stadtbibliothek für das Kunstprojekt "Open Space" genutzt. Ende 2019 waren dort Ateliers von 15 Künstlerinnen und Künstlern entstanden. Zu "Open Space" gehört auch die Stadtraumgalerie. Das sind Wandmalereien, die Fotografien aus der DDR-Zeit darstellen. Ziel ist es, durch Abriss freigelegte Giebelwände in der Stadt zu verschönern. Das Tolle: Die Einwohner wurden bei der Entscheidung zu den Motiven miteinbezogen.

Theresa Schulz ist Künstlerin und meint: "Ich finde Zeitz sehr interessant, weil es viel Raum bietet, sich künstlerisch auszutoben. Natürlich auch durch den Leerstand, der das Stadtbild negativ prägt. Aber das Positive ist, dass es Räume gibt, die man künstlerisch nutzen kann und das ist ein großes Potenzial der Stadt."

Eine Wandmalerei in Zeitz
Eine Wandmalerei in Zeitz - Teil des Open Space Projektes Bildrechte: MDR / Olga Patlan

Quelle: MDR/pow

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