Dienstag, 25.04.2023: Gottesdienst und Kirchenraum

Warum heißt die wichtigste Zusammenkunft der Christen eigentlich "Gottesdienst"? Ist es, weil ich da Gott einen Dienst erweise? Dass ich mir Zeit für ihn nehme, in die Kirche gehe und dort mit Liedern und Gebeten Gott Dank sage und ihm diene? Manchmal wird das so gesagt. Aber ich denke, wichtiger ist die andere Bedeutung. Da ist es genau umgekehrt: Im Gottesdienst dient Gott den Menschen mit seiner Nähe und Gegenwart. Es ist eine Einladung Gottes an mich. Diese besondere Zeit ist ein Geschenk. Herausgenommen aus der Betriebsamkeit des Alltags. An einem besonderen Ort, der nur dafür gebaut worden ist, einen Raum zu geben für die Begegnung mit Gott.

Harald Lamprecht, 2009 2 min
Bildrechte: picture alliance/dpa | Karlheinz Schindler
2 min

gesprochen von Harald Lamprecht

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Di 25.04.2023 05:45Uhr 02:21 min

Audio herunterladen [MP3 | 2,2 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 4,4 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/sachsenradio/podcast/wort/audio-2307332.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Natürlich lässt sich Gott auch außerhalb der Kirche erfahren. Gott ist mir niemals fern. Aber in der Kirche gibt es weniger Ablenkung. Die Kirche ist ein Ort, der für Gott reserviert ist. Das macht es mir leichter, mich dort auf Gott zu konzentrieren, weil die ganze Umgebung schon darauf einstimmt.

Für manche Menschen ist das aber ein Problem. Die Kirche ist ihnen fremd. Sie kennen sich dort nicht aus. Es ist anders, als das eigene Wohnzimmer, das Kino oder ein Konzertsaal. Manche Freikirchen gestalten deshalb ihre Gottesdiensträume mehr wie ein Kino oder einen Konzertsaal. Menschen, die das nicht kennen, sollen sich leichter darin wohlfühlen. Ich finde das in Ordnung. Aber ich möchte dennoch nicht auf die Kirchen und ihre besondere Atmosphäre verzichten.// Im Gegenteil. Ich finde, viele Kirchen sind wie unentdeckte Schätze. Nicht nur wegen der vielen Kunstwerke. Gerade weil sie anders sind als andere Gebäude.

Wann waren Sie zuletzt in einer Kirche? Probieren Sie es aus. Setzen Sie sich in eine Bankreihe und lassen Sie den Raum auf sich wirken. Da betet es sich fast von allein. Dazu möchte ich Ihnen gern Mut machen. Es ist eine besondere Erfahrung.

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzbiografie Dr. Harald Lamprecht

Dr. Harald Lamprecht

geboren 1970 in Dresden | verheiratet, drei Kinder | 1990 Theologiestudium in Leipzig, Göttingen und Halle | 1996 Wiss. Mitarbeiter am Institut für Ökumenik, Konfessionskunde und Religionswissenschaft der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg | 1999 Beauftragter für Weltanschauungs- und Sektenfragen der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und Geschäftsführer des Evangelischen Bundes, Landesverband Sachsen

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.