Anthropologie Woher kommt die helle Haut?
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09. Oktober 2024, 10:20 Uhr
Als der Homo erectus vor etwa 1,4 Millionen Jahren aus Afrika nach Europa kam, war er dunkelhäutig. Im Laufe der Jahrtausende änderte sich das aber und die Menschen, die im Norden siedelten, bekamen hellere Haut. Warum ist das passiert?
Hinweis: Der ursprüngliche Titel wurde von der Redaktion geändert, um Pauschalisierungen und Indifferenzierungen auszuschließen.
Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen: Es geht um die Vitamin D-Produktion in unserer Haut. Das ist zwar nicht falsch – die Frage ist damit allein aber nicht beantwortet.
Unser engster tierischer Verwandter, der Schimpanse, hat unter seinem Fell helle Haut. Als es dann vor zwei Millionen Jahren zur Entstehung des Homo erectus kam, könnte dieser sein Fell verloren haben – genau weiß man das aber nicht. Dass wir unser Fell losgeworden sind, hat ganz praktische Gründe. Prof. Johannes Krause ist Chef des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und sagt, dass der Mensch eine neue Jagdtechnik getestet hat. Obwohl er langsamer als seine Beute ist, ist er ihr einfach stundenlang hinterhergelaufen.
"Der Mensch ist unter den Säugetieren der Weltmeister im Langstreckenlauf", erklärt Krause. "Kein Tier kann 100 Kilometer laufen, ohne tot umzufallen." Säugetiere überhitzen wegen ihres Fells, während Menschen einfach schwitzen und so den Körper kühlen.
Auch der Ötzi hatte dunkle Haut
Ohne Fell war die Haut aber exponiert und so wurde wohl damals vermutlich schon Hautkrebs zum Problem. Überlebt haben Menschen, die dunkle Haut bekommen und so besser vor der Sonne geschützt waren. Diese Menschen verbreiteten sich aus Afrika kommend im Rest der Welt. Nun könnte man schlussfolgern: Je weniger Sonne schien, desto mehr Vitamin D musste der Mensch produzieren und die Haut wurde heller. Prof. Johannes Krause widerlegt diese Geschichte aber. Noch vor ca. 10 – 20.000 Jahren waren die Menschen in Europa dunkelhäutig, der berühmte Ötzi ist ein Beispiel dafür. Indem Genome aus der Vergangenheit analysiert wurden, stellten Wissenschaftler fest:
Die helle Hautfarbe, so wie wir sie heute bei Mitteleuropäern finden, ist erst vier- bis fünftausend Jahre alt.
Das bedeutet aber nicht, dass die Menschen vorher Vitamin D-Mangel hatten. Stattdessen wurde mehr Vitamin D von den Jägern und Sammlern über die Nahrung aufgenommen. Das kann man an Knochen von Menschen aus dieser Zeit nachweisen. Hellere Haut zu haben, das war evolutionär zu diesem Zeitpunkt gar nicht notwendig.
Ohne Ackerbau keine helle Haut
Im Laufe der Zeit wurden die Menschen sesshaft. Wären sie Jäger und Sammler geblieben, wäre unsere Haut in Mitteleuropa heute wahrscheinlich in etwa so dunkel wie bei Menschen in Nordafrika. Aber mit den Migrationsströmen vor 7.000 Jahren kam dann der Ackerbau nach Europa. Das führte zu Veränderungen in unserer Ernährungsweise. Es gab weniger Fisch und Fleisch und dafür mehr pflanzliche Produkte, in denen nahezu kein Vitamin D enthalten ist. Auch deswegen haben etwa Inuit dunklere Haut, obwohl sie in kalten Regionen mit wenig Sonnenlicht leben. Sie essen vorwiegend Fisch, Robben und Walfleisch.
Genetisch sind für unsere helle Hautfarbe zwei zufällige Mutationen aus Anatolien und Osteuropa verantwortlich. Diese Genkombination und die Landwirtschaft sind also hauptsächlich dafür verantwortlich, dass Menschen hellere Haut haben.
Trotzdem stimmt: Hellere Haut bedeutet mehr Vitamin D aus Sonnenlicht. Deswegen wird die Haut von Menschen in Europa auch in der Regel immer heller, je nördlicher man reist. Dass in Skandinavien Ackerbau überhaupt möglich ist, dafür sorgt der Golfstrom mit seinem warmen Wasser. So kann etwa in Norwegen und Schweden trotz der nördlichen Breitengrade und niedrigerer Durchschnittstemperatur Landwirtschaft betrieben werden. Und Prof. Krause ergänzt: "Es ist viel dunkler im Winter als im Rest der Welt. Deswegen muss man besonders hell sein." So kann besonders viel Vitamin D aufgenommen werden, um über die lange Winterzeit zu kommen.
Die Hautfarbe verändertet sich
Auch unser Klima nimmt Einfluss auf unsere Hautfarbe. Wenn Sommer länger und wärmer werden und dadurch deutlich mehr und intensiver die Sonne scheint – dann würde sich auch unsere Hautfarbe evolutionär gesehen wieder verändern. "Man kann sich das Beispiel Australien näher anschauen", sagt Prof. Johannes Krause. "Australien hat mit Abstand die höchste Hautkrebsrate der Welt. 20 Prozent der Australier haben irgendwann Hautkrebs in ihrem Leben." Würde man diesen Prozess einfach weiterlaufen lassen, ohne moderne Technologie, Medizin oder Produkte wie Sonnencreme – dann würden innerhalb weniger tausend Jahre Menschen, die jetzt eine helle Hautfarbe haben, wieder dunkel werden.
km/sh
Dieses Thema im Programm: MDR | Die großen Fragen in 10 Minuten | 02. Oktober 2024 | 12:00 Uhr
T.S.A.I. vor 17 Wochen
Der stand der aktuellen Forschung kann keine Hautfarbe definieren. Auch die genetischen Proben können dies nicht. Sonnst hätte man Hautfarben von Tieren der Vergangenheit eindeutig definieren können.
Was die Forscher da benutzen sind Theorien.
Auch die Annahme dass die UV-Strahlung hoch war ist auf heutige Standards bezogen.
Die Ursache der Eiszeit geht ja von der Annahme aus das ein Komet die Erde getroffen hat, oder es vermehrt Vulkanausbrüche gegeben hat, ergo Schwefel in der Atmosphäre. Also das gleiche Bio-Engineering was auch viele heute als Lösung für die steigenden Temperaturen ansehen. Damals war jedoch der Ausstoß deutlich höher. Die Folge von so einer "Katastrophe" sind nicht nur reduzierte Wärme, auch reduzierte UV-Strahlung. Und zusätzlich war der Planet in Eis gehüllt was einen reflektierenden Effekt hatte.
Die Behauptungen der sogenannten "Experten" die diese Theorie begünstigen sind ziemlich aus der Luft gegriffen. Für die ist die Erde wahrscheinlich auch eine Scheibe.
MDR-Team vor 21 Wochen
Hallo T.S.A.I.,
der Stand der aktuellen Forschung zeigt, dass Menschen, die vor rund 1,8 Millionen Jahren aus Afrika migrierten, wahrscheinlich eine dunklere Hautfarbe hatten, da sie in Äquatorregionen lebten, wo erhöhte UV-Strahlung die Evolution einer stark pigmentierten Haut begünstigte. Dies wurde durch genetische Studien und die Untersuchung moderner Nachfahren bestätigt.
Es ist korrekt, dass die Erde am Ende der Eiszeit kühlere Temperaturen aufwies, aber Afrika war nie „eisig“, und die Idee einer hellhäutigen Bevölkerung ist eher spekulativ. Die Entwicklung der helleren Haut trat bei späteren menschlichen Arten wie Homo sapiens auf, als diese in nördlichere, sonnenschwächere Regionen vordrangen. Diese Anpassung war nötig, um den Vitamin-D-Haushalt unter niedrigerer UV-Strahlung zu regulieren. Die Annahme, dass die ersten Migranten nach Europa von Natur aus hellhäutig waren, widerspricht den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
- Das MDR WISSEN Team
T.S.A.I. vor 21 Wochen
Interessante Theorie, aber falsche Fakten, daher fehlerhaft.
Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für die Hautfarbe der Menschen (Homo Erectus) die aus Afrika nach Europa gewandert sind. Bitte revidieren sie diese Fehlinformation.
Zur damaligen Zeit war die Erde vorwiegend in Eis gehüllt, das Ende der Eiszeit. D.h., die Durchschnittstemperaturen auf der Erde waren vorwiegend niedrig. Afrika war also ein Ort mit milden Temperaturen, eine starke Pigmentierung war nicht notwendig. Mit dem schmelzenden Eis wanderten dann auch die Menschen. Dunkelhäutige Menschen entwickelten sich erst Jahrhunderte später beim Anstieg der Temperaturen des Planeten.
Der durchschnittliche Homo Erectus war hellhäutig bis leicht braun.
Die Fehlannahme das die Menschen die aus Afrika kamen, dunkel gewesen sein müssen basiert nur auf der Annahme das Afrika immer Heiß war, dies ist jedoch nicht der Fall. In einer komplett Eingefrorenen Welt war es nur der wärmste Ort mit angenehmem Klima.