Schüler schreiben eine Abitur-Klausur in Mathematik.
Schüler schreiben eine Abitur-Klausur in Mathematik. Bildrechte: IMAGO / Funke Foto Services

Wissen-News Mathe-Leistungen bei 15-Jährigen massiv eingebrochen

15. Mai 2024, 16:30 Uhr

Die Mathematik-Leistungen sind bei 15-jährigen Schülern zwischen den Jahren 2012 und 2022 massiv eingebrochen. Das MINT-Nachwuchsbarometer 2024 verzeichnet eine Abnahme um 39 Punkte. Trotzdem will ein Drittel einen MINT-Beruf erlernen. Entsprechend hoch ist die Abbrecherquote. KI-Systeme sollen helfen, diese zu verringern.

Die mathematischen Leistungen bei 15-jährigen Schülerinnen und Schülern haben zwischen den Jahren 2012 und 2022 um 39 Punkte abgenommen, was einem "Kompetenzrückstand" von einem Schuljahr entspricht. Zeitgleich ist der Anteil der besonders leistungsschwachen Schüler von 17 Prozent auf 29 Prozent gestiegen, während sich der Anteil leistungsstarker Schüler auf neun Prozent halbierte. Das sind die beunruhigenden Tendenzen des vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) erstellten neusten MINT-Nachwuchsbarometers 2024.

Was ist das MINT-Nachwuchsbarometer? Das MINT-Nachwuchsbarometer ist ein bundesweiter Trendreport. Der Bericht sammelt und kommentiert die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zur Nachwuchssituation im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) von der schulischen Bildung bis zur beruflichen Ausbildung und zum Studium. Das MINT-Nachwuchsbarometer wird von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und der Joachim Herz Stiftung herausgegeben und vom IPN Leibniz Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik erstellt.

Nach Angaben von Studienleiter und IPN-Direktor Olaf Köller zeigte eine Untersuchung von Prüfungsaufgaben aus dem Mathematik-Unterricht zudem, dass die Schüler bei 75 Prozent der Aufgaben keinen Bezug zu ihrem Alltag oder Umfeld herstellen konnten. Köller forderte deshalb, einen stärkeren Lebensweltbezug herzustellen, Lerninhalte über Jahrgangsstufen hinweg zu verknüpfen und den Unterricht noch mehr an den Lernständen der Schüler auszurichten.

Trotz der sinkenden Mathe-Fähigkeiten ist das Interesse an MINT-Berufen hoch. Laut MINT Nachwuchsbarometer wurden ein Drittel (34 Prozent) der 2023 geschlossenen 489.000 Ausbildungsverträge für eine Ausbildung im MINT-Bereich abgeschlossen. Allerdings lösten 2022 rund 30 Prozent der Auszubildenden ihren Vertrag auch vorzeitig auf. Noch schlimmer sah es 2022 in den MINT-Studienfächern aus, wo die Abbruchquoten mit rund 51 Prozent das Vorjahr noch einmal um zwei Prozent übertrafen. KI-gestützte Beratungssysteme sollen IPN-Autoren zufolge künftig helfen, junge Menschen bei der Suche nach dem richtigen Ausbildungsberuf und Studium zu unterstützen und Ausbildungs- und Studienabbrüche zu verringern.

(dn)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 06. November 2023 | 16:55 Uhr

7 Kommentare

Shantuma vor 7 Tagen

Interessant ebenso ist, dass die schulischen Leistungen in Ländern wie Dänemark oder Schweden ebenso gesunken sind.

An der Anwanderung kann es kaum liegen, da diese Länder andere Gesetze haben.

Wenn man nun meint mit KI was bewirken zu können, dann merkt man, wie der eigene Geist schon zu doof geworden ist.

Ich vermute die sinkende Lernleistung hängt durchaus mit der Nutzung von modernen Mitteln ab.

Welches Kind kann denn heute noch schriftlich rechnen?
Selbst die Bedienung eines Taschenrechners ist für viele schon "Raketenwissenschaft" dabei muss man nur noch die Formel korrekt eingeben und daran scheitert man schon!
Das Vorstellungsvermögen wie groß oder wieviel etwas ist geht völlig verloren, wie mir mehrere Berufsschullehrer berichteten.
Und dann kommen Lobbyisten und meinen Digitalisierung macht alles besser, wie am Beispiel Schweden oder Dänemark zu sehen ist ... oder eben auch nicht!

Niemann vor 7 Tagen

Ja so ist das. KI ist zuallererst das Ergebniss hervorragenden menschlichen Denkens. Ist dieses Denken schlecht, unvollkommen oder gar dumm ist das auch die KI.

Niemann vor 7 Tagen

Mit der Zeit der Postkutschen haben sie völlig Recht, denn schon Heinrich Heine schrieb in seinem Gedicht Nachtgedanken " Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht". Und das ist aktueller denn je!!!

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