Covid-19-Pandemie Bis zu 50 Millionen Corona-Infektionen in Deutschland – 15 Millionen Tote weltweit

In Deutschland wurden bisher 25 Millionen Corona-Infektionen bestätigt, Experten gehen von genauso vielen unentdeckten Fällen aus. Laut WHO könnten durch Pandemie weltweit 14,9 Millionen Menschen gestorben sein.

Ein Passant mit Maske in Bangladesh
Corona-Graffiti in Bangladesh: Viele Coronafälle sind wahrscheinlich unentdeckt geblieben. Bildrechte: IMAGO/ZUMA Wire

Wie viele Menschen sind tatsächlich an Corona erkrankt und wie viele sind durch Sars-CoV-2 gestorben? Diese Zahl ist auch für Wissenschaftler nicht ganz leicht zu ermitteln. Offiziell werden zwar die durch einen PCR-Test bestätigten Fälle gezählt. Doch einerseits haben längst nicht alle Infizierten einen PCR-Test gemacht, sondern sich oftmals auch auf die Schnelltestergebnisse verlassen. Und dann erfassen nicht alle Statistiken, ob es sich bei einer Infektion um die erste oder sogar schon die zweite Ansteckung mit dem Coronavirus gehandelt hat. Deshalb haben Experten der WHO und deutsche Epidemiologen am Donnerstag neue Schätzungen darüber angestellt, wie viele Menschen durch die Pandemie bislang betroffen waren.

Bis zu 50 Millionen Corona-Infektionen in Deutschland wahrscheinlich

In Deutschland wurden vom Beginn der Pandemie bis zum vergangenen Mittwoch (4. Mai) offiziell über 25 Millionen durch positive PCR-Testergebnisse bestätigte Coronainfektionen gezählt. Doch davon dürfte es sich bei einigen um Zweit- oder sogar Drittinfektionen handeln. In Großbritannien, dessen Datenerfassung als sehr vorbildlich gilt, wurden bei insgesamt 18,2 Millionen bestätigten Coronafällen bis Mitte April rund 900.000 Reinfektionen gezählt (davon wiederum sogar rund 10.000 Drittinfektionen).

Im Endeffekt gibt es damit wahrscheinlich etwas weniger Genesene als durch PCR bestätigte Covid-19-Fälle in Deutschland. Umgekehrt dürfte die Dunkelziffer der nicht erfassten Fälle aber um einiges höher liegen. Experten wie der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen gehen von einer Gesamtzahl von fast 50 Millionen Infektionen in der Bundesrepublik aus. "Die untere Grenze der Dunkelziffer dürfte bei einem Faktor 2 liegen, je nach Alter und Region kann der Faktor auch deutlich höher liegen", so Zeeb. Gut die Hälfte der Bevölkerung habe also wahrscheinlich schon Kontakt mit dem Virus gehabt. Diese Schätzungen decken sich ungefähr auch mit der Modellrechnung, die die RKI-Forscher um Dirk Brockmann durchgeführt haben. Demnach haben noch etwa 7 Prozent der Deutschen keine Immunität gegen Corona.

Wahrscheinlich viele Infektionen bei Kindern übersehen

Vor allem bei kleinen Kindern unter 5 Jahren gehen die Forscher von vielen unbemerkten Infektionen aus. Hier gibt es einen höheren Anteil milder oder sogar symptomloser Verläufe, zugleich aber auch keinen zugelassenen Impfstoff. Die übergroße Mehrzahl aller Infektionen geht wohl auf das Konto der Omikron-Variante. Bis zu deren Entdeckung im November waren in Deutschland 5,6 Millionen Fälle registriert worden, inzwischen sind es bald fünf Mal so viele.

Genauere Informationen zu dem Anteil unerkannter Infektionen soll die Studie "Corona-Monitoring 2021" liefern. Dabei hatten Forscher im vergangenen in ganz Deutschland Stichproben von Freiwilligen gesammelt und deren Blut auf (nicht durch Impfstoffe erzeugte) Antikörper gegen Sars-CoV-2 untersucht. Hier werden im Juni Ergebnisse erwartet.

Experten schätzen 15 Millionen Todesfälle durch Pandemie und Pandemiefolgen

Am Donnerstag veröffentlichte auch die WHO neue Zahlen zur weltweiten Übersterblichkeit durch Corona. Demnach starben 2020 und 2021 insgesamt rund 14,9 Millionen Menschen entweder an einer Infektion oder an den Auswirkungen der Pandemie. Dazu zählen auch solche Todesfälle, bei denen Patienten an normalerweise behandelbaren Erkrankungen starben, die aber durch die Überlastung der Gesundheitssysteme nicht behandelt werden konnten.

Offiziell haben die WHO-Mitgliedsstaaten bislang nur etwas mehr als 6,2 Millionen Tote gemeldet. Das US-Institut für Gesundheitsmetrik (IHME) in Seattle kam in einer bereits veröffentlichten Studie aber ebenfalls zu deutlich höheren Zahlen. Demnach starben bis Ende 2021 rund 15,4 Millionen Menschen durch Covid-19 oder seine Folgen. In die Statistiken flossen auch Schätzungen darüber, wenn etwa die Sterblichkeit im Verkehr durch Lockdowns reduziert worden war.

Starke Zunahme neuer Infektionen in Afrika

Aktuell beobachten Epidemiologen zudem eine Zunahme der registrierten Infektionen in Afrika. Dort werde ein Wachstum der Fallzahlen um 38 Prozent gezählt, vor allem in Südafrika. Doch zugleich habe der Anteil schwerer Verläufe und die Sterblichkeitsrate erheblich abgenommen. Viele Länder befänden sich nun in der fünften Coronawelle. Südlich des Äquators hat der Herbst begonnen. Deshalb werden saisonal bedingt wieder mehr Coronfälle erwartet.

Insgesamt leben etwa 1,3 Milliarden Menschen in Afrika, dessen Staaten bisher rund 11,4 Millionen Coronainfektionen und 252.000 Tote gezählt haben. Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass viele Millionen Infektionen bislang unentdeckt geblieben sind. In ganz Afrika sind bislang laut offizieller Statistik nur rund 17 Prozent der Menschen vollständig geimpft. Hier gebe es noch einen enormen Bedarf, so WHO-Experten.

(ens/dpa)

2 Kommentare

astrodon vor 8 Wochen

Absurd ist das ganz und gar nicht. Die Pandemie ist sehr wohl vorüber - die Endemie ist der aktuelle und künftige Zustand.

Goldloeckchen vor 8 Wochen

Vor diesem Hintergrund die Pandemie für beendet zu erklären ist absurd

🙈☺️