Corona-Pandemie Sitz, Atmung, Schutz: Neue Masken sollen auch im Dauereinsatz bequem sein

Trotz ihrer weitestgehend schnellen und unproblematischen Handhabung haben Schutzmasken in der Covid-19-Pandemie nicht den besten Ruf erlangt: Zeit für ein Upgrade, haben sich Forschende der Fraunhofer-Gesellschaft (u.a. aus Halle) gedacht und werfen ein neues Produkt in den Ring. Jetzt sind die Forscher auf der Suche nach Partnern, die die neuen Textilien nutzen.

Drei Kopf-Skulpturen mit unterschiedlichen Masken, die an FFP2- und OP-Masken erinnern. Helle, graue Farbtöne bei Masken und Köpfen, dunkler Hintergrund. Köpfe in Dreieckform angeordnet, Aufnahme von vorn.
Masken-Passform auf dem Prüfstand: Damit weniger Lecks entstehen. Bildrechte: Fraunhofer IMWS

Nachdem die Covid-19-Pandemie mit den buntesten Stoffresten um Mund und Nase begann, haben sich seit Mitte 2020 eher weniger farbenfrohe medizinische Exemplare als lästiges, aber notwendiges Accessoire weltweit durchgesetzt – mit FFP2 und FFP3 als Goldstandard, was den Eigenschutz betrifft.

Los sind wir die Dinger noch immer nicht – aber vielleicht schon bald, selbst wenn die Pandemie weiter andauern sollte. Die oft kommunizierte Lästigkeit ist v.a. in vier Dingen begründet. Erstens: Unbequem, schwitzig und erschwertes Luftholen. Zweitens: Nachlassende Schutzwirkung bei falschem Sitz und falscher Handhabung. Drittens: Die Sprachverständlichkeit leidet zuweilen. Und viertens: Man muss dran denken, immer eine dabei zu haben.

Abhilfe für die meisten Masken-Probleme

Für viertens haben zehn Fraunhofer-Institute noch keine Patentlösung gefunden. Für erstens und zweitens schon. Die Institute, darunter auch das Fraunhofer Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) in Halle, sehen das Grundproblem mit den wenig bis gar nicht geliebten Masken in ihrer Zweckentfremdung. Bis zur Covid-19-Pandemie fanden FFP2-Masken hierzulande v.a. bei Feinstaub-belasteten Bautätigkeiten oder bei Allergikerinnen und Allergikern Einsatz. Für ein paar Minütchen oder Stündchen vielleicht. Und nicht für einen Sonnabend-füllenden Einkaufsbummel samt Anreise mit der S-Bahn oder einen Langstreckenflug nach Übersee.

Mit den neuen Fraunhofer-Maskenstoffen soll das besser werden: "Bei den neu entwickelten Vliesstoffen treten deutlich geringere Atemwiderstände auf, die Filterwirkung ist höher und es gibt weniger Lecks, weil wir auch die Passform optimiert haben", sagt Annika Thormann, die das Teilprojekt am Fraunhofer IMWS geleitet hat.

Nicht nur mechanischer Virenschutz

Neben umfangreichen Bewertungen für verschiedene Materialien flossen in das Projekt auch hochauflösende bildgebende Verfahren ein, sowie Messungen des Atemwiderstand, Partikelrückhalt und der Sprachverständlichkeit. Für die Bewertung der Materialen waren z.B. Faserlänge sowie die biologische Verträglichkeit wichtige Kenngrößen. Die Forschenden hatten aber auch die Praxistauglichkeit im Blick: Einfache Herstellungsverfahren und wettbewerbsfähige Preise standen ebenfalls im Fokus.

Mit den neuen Masken geht es potenziellen Viren gleich mehrfach an den Kragen: Sie werden zum einen durch die mehrlagige Oberflächenstruktur und die elektrostatische Aufladung der einzelnen Schichten geblockt, aber auch durch antivirale Stoffe, die in die Maske eingearbeitet werden konnten. Der neue Schutz wirkt also nicht nur mechanisch.

Und so wie FFP2-Masken im Zuge der Pandemie schon zweckentfremdet wurden, lässt sich künftig auch das Vlies der neuen Pandemiemasken zweckentfremden: "Ich sehe beispielsweise Potenziale für Luftfilteranlagen, um auch dort noch mehr Schutz vor Viren möglich zu machen", so Thormann. Dafür suchen die Fraunhofer-Forscher schon jetzt Partner auf der Homepage des Projektes "Next Generation Schutztextilien".

flo

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