Antikörper Corona-Studie zu Omikron: Jeder zweite hat die Infektion nicht bemerkt

Bei einer Studie wurden Versuchspersonen auf Antikörper gegen Omikron untersucht. 56 Prozent der Positiven hatte von einer Infektion nichts mitbekommen. Das zeigt: Das Virus wird wohl häufig von Symptomlosen verbreitet.

Animiertes Bild von einem Menschen der Viren einatmet
Das Coronavirus wird durch den Atem von Infizierten und dann durch die Luft übertragen. Weil wahrscheinlich viele Omikron Infizierte keine Symptome wahrgenommen haben, haben die das Virus rasch verbreitet. (Symbolbild). Bildrechte: IMAGO / Science Photo Library

Kann man sich wirklich völlig unbemerkt mit Corona infizieren und von der Ansteckung gar nichts mitbekommen? Offenbar ja und zwar passiert das wohl sogar sehr oft. In einer jetzt im Fachblatt JAMA Network Open veröffentlichten Studie kommen Forschende um Susan Cheng vom Cedars-Sinai Medical Center zu dem Ergebnis, dass etwa 56 Prozent der Teilnehmer der Studie keine Ahnung hatten, dass sie mit der Omikron-Variante infiziert waren.

94 Prozent der Infizierten mit Omikron waren zuvor geimpft

Das Forscherteam hatte für die Untersuchung zwischen Herbst 2021 und Frühjahr 2022 insgesamt 6.385 Personen für die Studie gewonnen. Die Teilnehmenden waren Patienten und Mitarbeiter der Klinik. Bei allen wurden zwei Tests auf Antikörper gegen das Nucleokapsid-Protein des Virus durchgeführt. Diese Antikörper besitzen nur diejenigen, die sich infiziert haben, nicht aber Geimpfte.

Die beiden Tests wurden im September (nach der Deltawelle) und ab Mitte Dezember (nach Beginn der Omikronwelle) durchgeführt. Für die nun veröffentlichte Studie wurden die Daten von 210 Versuchspersonen herausgefiltert, die erst während der Omikronwelle Antikörper gegen das N-Protein entwickelt hatten, die sich also höchstwahrscheinlich mit Omikron angesteckt hatten. Von diesen 210 Personen waren 197 geimpft (94 Prozent). Sie waren zwischen 23 und 84 Jahre alt (Median bei 51 Jahren) und zu 65 Prozent Frauen.

Mit Omikron Infizierte ohne Symptome spielen zentrale Rolle bei der Übertragung

Nur 92 Personen (44 Prozent) waren sich ihrer Omikron-Infektion bewusst. 118 Personen (56 Prozent) hatten dagegen nichts von der Ansteckung mitbekommen. Von ihnen konnten sich nur zwölf (zehn Prozent) an irgendwelche Symptome erinnern, die sie aber einer gewöhnlichen Erkältung zugeschrieben hatten. Diejenigen, die sich ihrer Infektion bewusst waren, waren meistens jünger gewesen und hatten eher zur Gruppe der Angestellten der Klinik gehört. Bei der Impfquote wiederum sahen die Forschenden keine Unterschiede.

Die Studie bestätigt laut ihren Autoren noch einmal die große Rolle, die asymptomatisch infizierte Träger des Virus bei dessen Verbreitung spielen. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht diagnostizierte Infektion die Übertragung der Viren erhöhen", sagt Sandy Young, eine der Forscherinnen aus dem Team. Wer sich selbst keinerlei Symptomen bewusst sei, halte auch Vorsichtsmaßnahmen seltener ein. Bei der milderen Omikron-Variante könnte die Rolle der Symptomlosen noch größer geworden sein. "Die geringe Wahrnehmung von Infektionen hat wahrscheinlich zu der sehr schnellen Ausbreitung von Omikron beigetragen."

(ens)