Covid-19 RKI: Coronazahlen sinken deutlich – Genesene ohne Impfung haben nicht genug Immunität

Das Robert Koch-Institut sieht für die letzte Juliwoche einen deutlichen Rückgang der Corona-Neuansteckungen. Zugleich zeigt eine Auswertung: Ohne Impfung haben Genesene wohl nicht genug Immunität.

Zwei Frauen mit Sonnenbrillen haben Tücher um Nase und Mund gewickelt.
Das WackenOpenAir 2022: Trotz Sommerwelle möglich. Die ebbt ohnehin gerade ab. MNS als modisches Accessoire. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Das Robert Koch-Institut verzeichnet in seinem neuesten Covid-19-Wochenbericht einen deutlichen Rückgang neuer Corona-Infektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank in der letzten Juliwoche gegenüber der Vorwoche um 21 Prozent und zwar in allen Bundesländern und auch allen Altersgruppen. Am heutigen Freitag, den 5. August, liegt sie mit 432 zum ersten Mal seit langem wieder unterhalb der Marke von 500.

Die positive Entwicklung könnte eine Folge der Sommerferien sein, wegen der aktuell in den meisten Bundesländern die Schulen noch geschlossenen sind und ganze Unternehmen in den Betriebsferien sind. Andererseits könnte auch die aktuelle Omikron-Subvariante BA.5 ihr volles Potenzial bereits ausgereizt haben. Die Erbgutanalyse der untersuchten Stichproben zeigt, dass die Variante inzwischen für 92 Prozent aller Ansteckungen verantwortlich ist, und BA.2 und BA.4 mehr oder weniger völlig an den Rand gedrängt hat.

Neben Sars-CoV-2 zirkulieren auch Parainfluenza- und Rhinoviren

Nichtsdestotrotz ist die Krankheitslast in Deutschland insgesamt deutlich höher als in vergleichbaren Jahren vor der Pandemie. In der Woche bis zum 31. Juli haben nach RKI-Schätzung etwa eine Million Menschen in Deutschland ihren Hausarzt wegen einer Atemwegsinfektion aufgesucht.

Die Analyse von eingesandten Virusproben im sogenannten Sentinelsystem zeigt, dass neben Sars -CoV-2 auch Rhinoviren, die einfache Schnupfenerreger sind, und Parainfluenzaviren zirkulieren. Letztere verursachen die berüchtigte Sommergrippe. Unter Erwachsenen sei aber weiterhin vor allem Sars-CoV-2 der Hauptauslöser von Atemwegsinfektionen, so der RKI-Bericht. Besorgniserregend sei, dass es wieder vermehrt zu Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen kam und dass auch die Zahl der Corona-Todesfälle wieder angestiegen sei.

Ist eine Impfung notwendig oder reicht eine Genesung aus?

Nachdem durch die beiden starken Coronawellen im laufenden Jahr ein Großteil der Bevölkerung mindestens einmal mit Sars-CoV-2 infiziert war, stellt sich für Epidemiologen wieder die dringende Frage: Wie gut sind Genesene geschützt, wie dringend eine neue Impfkampagne? Und was ist mit den rund neun Millionen bisher ungeimpften – konnten diese durch eine oder mehrere Infektionen inzwischen genügend Immunität gegen Sars-CoV-2 aufbauen?

In Bezug auf die letzte Frage kommt eine aktuelle Durchsicht der dazu veröffentlichten Studien im Epidemiologischen Bulletin des RKIs zu keinem eindeutigen Fazit. Während einige frühe Untersuchungen aus Frankreich und Israel für die Zeit bis zur Deltavariante bei Genesenen im Vergleich zu Grundgeimpften einen mitunter sogar besseren Schutz vor einer erneuten Ansteckung sahen, kamen Studien aus den USA zum umgekehrten Ergebnis.

Ungeimpfte Genesene hatten ein fünffach höheres Risiko einer Klinikeinweisung

Die ersten beiden Studien berechneten für ungeimpfte Infizierte einen Schutz vor erneuter Ansteckung innerhalb der ersten sechs Monate nach der Genesung bei 95 Prozent und danach bei immer noch 74 Prozent. Zweifach Geimpfte hätten dagegen nur 67 Prozent Schutz vor einer Ansteckung gehabt.

Eine Studie, die auf die Daten der Veteranen-Krankenkasse der US-Army zurückgriff zeigte das Gegenteil. Ungeimpfte Genesene steckten sich etwa doppelt so häufig ein zweites Mal an (2,7 Infektionen pro 100.000 Personentage) wie sich die grundgeimpften das erste Mal infizierten (bei Moderna 0,9 und bei Biontech/Prizer 1,3 Infektionen pro 100.000 Personentage). Eine weitere Untersuchung, die sich mit dem Risiko von Klinikeinweisungen in Folge der Infektion beschäftigt hat, sah sogar ein fünffach erhöhtes Risiko bei Genesenen ohne Impfung im Vergleich mit den Geimpften.

Welchen Schutz haben Genesene vor neuen Omikronvarianten?

Für die Frage, wie gut eine Infektion mit einer Vor-Omikron-Variante vor einer Omikron-Infektion schützt, haben die Experten des RKIs auf weitere Studien zurückgegriffen. Dort zeige sich, dass eine Genesung schlechter geschützt habe als eine Impfung mit Booster. Bei ungeimpften Genesenen habe der Schutz je nach Studie zwischen 25 und 69 Prozent betragen. Eine Omikron-Infektion bringe Ungeimpften zudem keinen Schutz gegen frühere Virusvarianten.

Laboruntersuchungen kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Dort hatten je nach Studie zwischen 15 und 75,7 Prozent der an einer Prä-Omikron-Variante in den ersten zwei bis sechs Monaten nach der Erholung genügend Antikörper, um sich gegen eine erneute Infektion zu wehren. Danach sank der Schutz auf etwa 50 Prozent ab.

Zur alles entscheidenden Frage, wie gut eine überstandene Infektion mit einer Omikron-Variante vor einer erneuten Ansteckung mit einem neuen Subtyp schützt, gibt es allerdings laut den RKI-Experten noch zu wenige Hinweise. Die wenigen vorhandenen Daten zeigten aber, dass eine Impfung auch hier den Schutz verbessere.