Covid-19, Partys und 9-Euro-Ticket Corona-Sommerwelle in Deutschland - Inzidenz weiter hoch

Seit den Pfingstfeiertagen steigen die Coronazahlen wieder, denn es kommen mehrere Entwicklungen zusammen: Menschenmassen bei Feiern oder in Zügen, während sich die neue Subvariante BA.5 ausbreitet.

Zum Start des 9 Euro Tickets stürmten zahllose Reisenden am Essener Hauptbahnhof die Züge.
Wird das 9-Euro-Ticket zum Covid-19-Ticket? Wenn die Maskenpflichten in den Zügen nicht eingehalten werden, könnten Massenansteckungen die Folge sein. (Symbolfoto). Bildrechte: IMAGO / Gottfried Czepluch

Steht Deutschland am Beginn einer Corona-Sommerwelle, vor der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bereits in einem Tweet gewarnt hat? Aktuell mehren sich die Anzeichen, denn es kommen verschiedene Entwicklungen zusammen, die die Ausbreitung des Virus begünstigen. Am Ende der Woche nach Pfingsten war die 7-Tage-Inzidenz auf 318,7 angestiegen. Am 14. Juni gab es einen neuen Höchstwert von 511, danach stieg die Inzidenz jedoch nicht weiter, blieb aber mit 493 am 15. Juni weiter hoch. Minister Lauterbach empfiehlt freiwilliges Tragen von Masken im Innenraum und eine 4. Impfung als die besten Gegenmittel.

BA.5: Mehr Immunescape und bessere Ausbreitung in der Lunge

Auch der Anteil der neuen Omikron-Subvariante BA.5 hat sich weiter vergrößert. Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten hat er sich erneut verdoppelt und lag am Ende der 22. Kalenderwoche (35. Mai bis 5. Juni) bei 10 Prozent. Auch BA.4 legte um mehr als das Doppelte zu, ihr Anteil stieg von 0,9 Prozent auf jetzt 2,1 Prozent.

BA.5 hat die Fähigkeit, einer durch Impfung oder Infektion erworbenen Immunität auszuweichen, weiter verbessert. Zudem könnte die Ansteckungsfähigkeit des Virus wieder gestiegen sein, da es nun laut der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek über eine Mutation am Spikeprotein verfügt, die bereits von der Delta-Variante bekannt ist. "Es gibt Studien, die zeigen, dass diese Mutation die Infektiosität von Sars-CoV-2 steigert. Zhang et.al. konnten zeigen, dass diese Mutation die Spaltung des Spikeproteins sowie die Fusogenität ("Verschmelzen von Zellen") erhöhte und Lungengewebe besser infizierbar war", schreibt die Forscherin bei Twitter.

Auch eine vorangegangene Omikron-Infektion mit BA.1 liefert wahrscheinlich keinen ausreichenden Schutz vor einer erneuten Ansteckung.

9-Euro-Ticket und Superspreader-Events an Pfingsten wahrscheinlich

Die warmen Frühsommertagen locken viele junge Menschen in Deutschland wieder zu Festivals und anderen großen Versammlungen. Dort werden kaum noch Masken getragen und auch in den dank 9-Euro-Ticket gut gefüllten Zügen ignorieren manche Fahrgäste die Tragepflicht, wenn das Zugpersonal aufgrund vieler Passagiere in den Gängen nicht mehr zum Kontrollieren kommt. Das macht eine neue Welle von Ansteckungen sehr wahrscheinlich.

Inwiefern Partys am Pfingstwochenende Superspreader-Events waren, dürfte erste im kommenden RKI-Wochenbericht zum Coronavirus am 17. Juni voll sichtbar werden, wenn die Inkubationszeit abgelaufen ist und Ansteckungen auch durch Testergebnisse bestätigt wurden. Der Modellierer Kai Nagel von der TU Berlin rechnet laut einem Bericht der gedruckten Ausgabe des Tagesspiegels damit, dass ab Mitte des Monats die Infektionszahlen wieder steigen werden. Mit Blick auf ein starkes Wachstum der Bahn-Passagierzahlen dank 9-Euro-Ticket sagte Nagel: "Dies spricht für eine Beibehaltung der Maskenpflicht dort."

Wie gefährlich könnte eine Sommerwelle werden?

Die meisten Experten sind allerdings noch nicht in Sorge, dass eine erneute Welle für das Gesundheitssystem zum Problem werden könnte. In Portugal, wo die Inzidenz aktuell bei hohen Werten um 1.500 Fällen pro Woche und 100.000 Einwohnern stagniert, liegt der Anteil von BA.5 laut einem Bericht des Handelsblatts bereits bei 87 Prozent. In Österreich gehen Experten laut der Tageszeitung Standard davon aus, dass BA.5 bis zum Ende des Monats die dominierende Virusvariante in dem Land geworden ist.

In Südafrika ist die Anfang April begonnene fünfte Welle bereits wieder abgeebbt. Die tatsächlichen Ansteckungszahlen dürften in dem Land allerdings weit höher gewesen sein als die Ergebnisse der Tests nahelegen. Möglich ist auch, dass sich die Situation in Deutschland ähnlich entwickelt wie in den USA: Dort kommt es seit Anfang April zu einem langsamen Anstieg auf niedrigem Niveau. Die 7-Tage-Inzidenz beträgt dort aktuell 246.

Autor

143 Kommentare

kleiner.klaus77 vor 2 Wochen

Frankreich hob am 1. August alle Coronamaßnahmen auf. Länder wie Schweiz, Dänemark, Niederlande leben schon seit Monaten gut ohne Maßnahmen und ohne Dauerwarnung. Quarantänepflicht für Infizierte gibt es weder in Spanien, Türkei noch in Griechenland. Und bei uns? Forderungen nach ausreichendem Maßnahmenkatalog, verbindliches Ordern von Unmengen von Impfdosen und Bereitstellungsverträge für Impfstoffe mit verschiedenen Herstellern bis ins Jahr 2029. Für Herrn Lauterbach und seine Mitstreiter wäre eine Endemie eine Katastrophe.

MDR-Team vor 7 Wochen

Hallo kleiner.klaus.77,
bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Gern dürfen Sie für sich sprechen, für alle Menschen können Sie das allerdings nicht, denn Sie können nicht wissen, wen alle Menschen "nicht ernst nehmen" oder "zuhören". In dem konkreten Fall liegen Sie klar falsch. In einer Allensbach-Umfrage im Januar bescheinigten 62 Prozent der Bürger Herrn Lauterbach "eine gute Arbeit". Nur jeder vierte Befragte zeigt sich in Bezug auf Lauterbach skeptisch. Im März sank der Wert von Herrn Lauterbach zwar auf 46 Prozent, doch auch das belegt, dass Ihre Meinung nicht von allen geteilt wird. In einer Umfrage zu den Noten für deutsche Spitzenpolitiker, die sich auf Sympathie und Leistung des jeweiligen Politikers beziehen, erhielt Herr Lauterbach im Juni 2022 eine Bewertung von +0,7 (Skala reicht von +5 bis -5). https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1817/umfrage/noten-fuer-spitzenpolitiker/

MDR-Team vor 7 Wochen

Hallo kleiner.klaus.77,
das RKI meldet keine Zahlen, es erfasst sie. Ärzte, Schulen, Pflegeheime etc. melden Infektionen an die Gesundheitsämter. "COVID-19-Fälle, die die Falldefinition des RKI erfüllen, müssen vom zuständigen Gesundheitsamt spätestens am nächsten Arbeitstag elektronisch an die zuständige Landesbehörde und von dort spätestens am nächsten Arbeitstag an das RKI übermittelt werden, allerdings ohne Name, Wohnort und Kontaktdaten der Betroffenen. In der aktuellen Lage übermitteln die meisten Gesundheitsämter früher und häufiger als gesetzlich vorgesehen, meist täglich und auch am Wochenende. Allerdings kann es bei der Übermittlung der Fälle auch zu einem Melde- und Übermittlungsverzug von einigen Tagen kommen." https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste_Fallzahlen_Meldungen.html

Die Impfung hat vor allem die Funktion, schwere Verläufe zu verhindern. Ansteckungen verhindern Impfungen nur teilweise. Dies ist bereits seit Beginn der Pandemie bekannt.