Kinder und Corona Groß angelegte Corona-Studie startet an Sachsens Schulen

Seit vergangener Woche sind in Sachsen die Schulen wieder offen. Das geht auch mit einiger Verunsicherung einher. Wie ansteckend können Kinder mit Corona sein? Sind die Schutzmaßnahmen sinnvoll und wirken sie auch? Darüber wird bundesweit diskutiert. Zwei großangelegte Studien in Sachsen sollen jetzt Antworten. In Leipzig startet heute die Studie an einer ersten Schule.

Nun geht es los. Das Team der Universität Leipzig radelt heute (27. Mai) zum ersten Termin. In der Schule wird Blut abgenommen und es werden Abstriche gemacht, nicht nur von Schülerinnen und Schülern, sondern auch vom Lehrpersonal. Die Teilnahme ist freiwillig und bei den Kindern nur mit Einverständnis der Eltern möglich.

Welche Folgen Schulöffnung haben

Prof. Wieland Kies
Prof. Dr. Wieland Kiess Bildrechte: UKL/Stefan Straube

Ob jemand Symptome hat, wie trockenen Husten oder Fieber, spielt hier keine Rolle. Es geht nicht darum, Corona-Erkrankte zu finden und nach Hause zu schicken. Das sei eher nur ein Nebeneffekt der Untersuchung, erklärt Prof. Wieland Kiess, Leiter der Studie und Chef der Kinder- und Jugendklinik in Leipzig: "Wir stellen die einfache Frage: Ob sich durch das Öffnen der Schulen etwas ändert. Der Hintergrund ist, dass ganz viele Lehrer, aber auch natürlich Eltern besorgt sind und sagen: Wenn wir bisher so vorsichtig waren und jetzt plötzlich wieder unvorsichtig werden. Passiert denn dann was?"

Auch Tests auf Antikörper

Deswegen werden die Schüler und Lehrer nicht nur auf Corona getestet. Sondern es wird auch geguckt, ob sie bereits Antikörper im Blut haben, ergo ob sie schon an Covid-19 erkrankt waren. So wollen die Wissenschaftler auch einer großen offenen Frage nachgehen, die derzeit viele Wissenschaftler umtreibt: Wie stark übertragen Kinder überhaupt das neuartige Corona-Virus? Dazu Kiess: "Es gibt auch Hinweise, aber das müssen wir jetzt eben noch für uns herausfinden, dass die Kinder jetzt auch nicht ein riesen Viren-Reservoir sind. Das gab ja so Ideen, dass Kinder schnell weggesperrt werden müssen, damit die ihre Keime nicht verstreuen. Ich glaube, dass Kinder eher weniger besiedelt waren."

Wie ansteckend Kinder sind

Wenn Kinder weniger von dem Virus besiedelt sind, könnte das bedeuten, dass sie nicht so ansteckend sind, wie Erwachsene. Eine Frage, die derzeit nicht endgültig geklärt ist. Genauso wie die Frage: Wie viele Kinder sind erkrankt, ohne es zu wissen? Solche Fragen treiben auch Mediziner der TU Dresden um. Daher testen auch sie in Sachsen Schüler. Warum die Dopplung? Studienleiter Kiess erklärt: "Das war, weil die Ministerien natürlich unter Zeitdruck waren und sowohl die TU als auch uns angefragt haben. Das gute dabei ist, dass die Dresdner Kollegen auch Kitas, also kleinere Kinder im Fokus haben. Das heißt die beiden Studien werden sich ideal ergänzen."

Studien ergänzen sich

Prof. Dr. med. Reinhard Berner
Prof. Dr. Reinhard Berner Bildrechte: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus

Ergänzen, so sieht es auch Prof. Reinhard Berner, Dresdner Studienleiter und Chef der dortigen Kinder- und Jugendklinik: "Die haben etwas unterschiedliche Ansatzpunkte. Wir wollen die ganz Kleinen begleiten und schauen, was tut sich da in der Virus-Ausbreitung. Und bei den etwas älteren Schulkindern wollen wir gucken."

Berner und sein Team testen schon seit vergangener Woche im Raum Dresden und Bautzen. Nun ist es auch in Leipzig losgegangen. In unterschiedlichen Abständen werden die Tests dann wiederholt. Und so wird die Schulöffnung in Sachsen zum wissenschaftlichen Testfeld.

2 Kommentare

Felix vor 11 Wochen

Studien sind wichtig - auf alle Fälle. Doch sollten dafür auch verlässliche Daten zur Verfügung stehen. Die PCR-Tests sind es nicht. Auch wenn sie angeblich nur eine sehr kleine Fehlerquote haben(1,4% meines Wissens), so sind dies bei sehr vielen Tests schon sehr viele Menschen, die falsch positiv sind (oder auch falsch negativ).Und was sind dann die Folgen?Welches Ziel verfolgt man mit diesen Studien?Und sind die Studien bei fehlerhaften Tests überhaupt aussagekräftig?
Dazu kommt:Wozu der Aufwand bei einer Krankheit,die für die Allgemeinheit nicht wirklich gefährlich ist?Es wird schon lange gegen jede Verhältnismäßigkeit gehandelt. Ja,wir müssen die Risikogruppen schützen etc.-so wird immer gesagt. Was vergessen wird:Es gibt nicht nur Corona -und die Menschen leiden und sterben an vielen anderen Dingen noch, die aber gerade durch die Maßnahmen mindestens verschlimmert wenn nicht gar hervorgerufen werden. Wer denkt da an die Risikogruppen etc.? Wo findet da eine gesunde Abwägung statt?

Kritische vor 11 Wochen

Die Studien sind sicher richtig und wichtig. ABER: Es darf nicht suggeriert werden, dass grundsätzlich Schulöffnungen davon abhängen. Die Schulen müssen (vollständig) geöffnet werden. Alle anderen Öffnungen werden ebenso zur Folge haben, dass wieder Infektionsherde auftreten (Grenzen auf, Feiern und Treffen, Gaststätten, Sport). Warum sollte es an den Schulen anders sein? Es ist aber keine Alternative, Kinder monate- oder jahrelang zu Hause einzusperren, ebenso wenig wie man die Älteren einsperren kann. Das muss ganz klar herausgestellt werden, wenn man solche Studien macht. Sinnvoll wäre es allerdings, die Maßnahmen zu überdenken. Warum darf ein Kind in der 4. Klasse Hasche spielen, ein Kind in der 5. Klasse aber nicht? Warum sind Kinder in Kitas und Grundschulen ohne Abstand alle in einem Raum und ab der 5. Klasse geht das angeblich nicht? Zu Hause treffen dann alle aufeinander...

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