Neues NASA-Raumschiff für Astronauten CST-100 Starliner: Technische Fehler bei Testflug

Mit dem CST-100 Starliner von Boeing will die NASA wieder selbst Astronauten ins All bringen. Beim unbemannten Jungfernflug gab es allerdings Probleme mit der Flugsteuerung. Das Raumschiff kann die ISS deshalb nicht mehr erreichen.

Start eines Starliners
Der Start mit der Atlas V Rakete verlief noch ohne Probleme. Nach dem Abdocken des Starliner-Raumschiffs allerdings kam es dann zu Schwierigkeiten mit der automatischen Flugsteuerung. Bildrechte: imago images/UPI Photo

Eigentlich war es ein Traumstart: Pünktlich um 12.36 Uhr mitteleuropäischer Zeit (kurz nach halb sieben Ortszeit) startete die Atlas V Rakete. An Bord war der neue CST 100 Starliner, auf dem Testflug zur internationalen Raumstation.

Doch etwa eine halbe Stunde nach dem Lift-Off kam es zu technischen Problemen. Kurz nach dem Ablösen des Raumschiffs von seiner Trägerrakete wich die interne Uhr des Starliners von der Missionszeit ab. Die Folge: Der Autopilot des Raumschiffs glaubte, an einer anderen Stelle der Mission zu sein und führte nicht den nötigen "Orbit insertion burn" aus. Mit diesem Manöver hätte Starliner mit einem kräftigen Schub aus den Triebwerken in die richtige Umlaufbahn um die Erde eintreten sollen.

Starliner Flug zu ISS musste abgebrochen werden

Zugleich scheiterte ein Versuch der Missionskontrolle, das Manöver manuell auszulösen. Der entsprechende Befehl erreichte das Raumschiff wegen einer gestörten Kommunikationsverbindung nicht. Offenbar waren mehrere andere Satelliten im Weg. Es gelang den Ingenieuren erst kurze Zeit später, den Starliner in einem Orbit zu stabilisieren.

Durch die fehlerhaften Manöver habe Starliner allerdings zu viel Treibstoff verloren, um die ISS noch erreichen zu können, hieß es bei einer Pressekonferenz am Freitag. Das Flight Control Team will jetzt der Fehlerursache auf den Grund gehen, bevor das Raumschiff zur Erde zurückkehren soll. Wichtigstes Ziel sei, dass die Landung in White Sands im Bundestaat New Mexiko gelinge, sagten die Verantwortlichen von NASA und Boeing.

NASA braucht seit 2011 die russische Sojus, um Astronauten ins All zu bringen

Der CST-1000 Starliner ist eines von zwei neuen Raumschiffen des sogenannten Commercial Crew Flight Programms. Im Auftrag der NASA entwickeln die beiden Firmen SpaceX und Boeing neue Vehikel, mit denen die US-Regierung wieder Astronauten ins All bringen will. Seit dem Ende des Space Shuttle Programms sind die USA dafür auf die Kooperation mit Russland angewiesen. Nur dessen Sojus-Raketen können derzeit Astronauten zur internationalen Raumstation ISS bringen.

Der NASA-Administrator Jim Bridenstine während einer PK, die auf den Start des Starliner-Raumfahrzeugs während seines Jungfernfluges zur Internationalen Raumstation von der Cape Canaveral Air Force Station in Florida auf Frid folgt.
NASA Chef Jim Bridenstine bei der Pressekonferenz am Freitag. Bildrechte: imago images/UPI Photo

Es sei deshalb weiter ein extrem wichtiges Ziel, dass amerikanische Astronauten wieder mit amerikanischen Raumschiffen von amerikanischem Boden starten könnten, bekräftigte NASA-Chef Jim Bridenstine bei der Pressekonferenz.

NASA wollte 2020 Astronauten ins All fliegen – Zeitpläne jetzt aber ungewiss

Offen ist, ob die NASA ihren Zeitplan halten kann, bereits im Jahr 2020 Astronauten mit einem neuen Raumschiff zur ISS bringen zu können. Starliner hätte eigentlich noch ein Andockmannöver mit der Raumstation ausführen sollen. Ob nun ein weiterer Testflug vor dem ersten bemannten Flug notwendig sei, müsse noch evaluiert werden.

Boeings direkter Konkurrent SpaceX hatte mit seiner Kapsel Crew Dragon bereits Ende Februar 2019 einen erfolgreichen Testflug durchgeführt. Bei einem späteren Test im April wurde das Raumschiff jedoch am Boden zerstört. Nasa-Chef Bridenstine betonte, das sei ja der Grund, warum Tests durchgeführt würden: Damit es später sicher für die Astronauten sei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 20. Dezember 2019 | 17:15 Uhr

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