Treibhausgase und Lebensmittelproduktion Bedroht unser Hunger das Klima?

Die Produktion von Nahrungsmitteln in den nächsten Jahren reicht allein aus, um das 1,5-Grad-Klimaziel zu verfehlen, zeigt eine neue Studie. Sie fordert, die Emissionen radikal zu reduzieren. Strategien dafür gibt es.

Tierschädel mit Hörnern in einer Wüstenlandschaft
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Die Autoren der im Fachmagazin "Science" erschienenen Untersuchung kommen zu dem Schluss, dass die globale Nahrungsmittelproduktion bisher zu wenig Aufmerksamkeit bei der Suche nach Möglichkeiten zur Reduzierung von Treibhausgasen bekommen hat. Dabei beträgt ihr Anteil an den Emissionen rund 30 Prozent. Nur wenn auch hier ein Umsteuern gelänge, könnten die Ziele des Pariser Klimaabkommens, die mittlere globale Erwärmung durch den Klimawandel auf 1,5 Grad zu begrenzen, noch erreicht werden. Bis zur Mitte des Jahrhunderts müssten die Treibhausgas-Emissionen dafür auf null sinken.

Umstieg auf pflanzliche Ernährung wichtigste Strategie

In der Landwirtschaft fallen neben CO2 vor allem auch Methan und Lachgas durch die Viehhaltung und den Einsatz von Düngemitteln an. In der Studie wurde untersucht, wie sich diese Emissionen entwickeln, wenn die Produktion in den nächsten Jahren so weitergeht wie bisher. Dabei wurde berücksichtigt, wie sich das Wachstum der Weltbevölkerung, die Entwicklungen der Ernteerträge, die Landnutzung durch mehr Ackerflächen, die Verluste durch Lebensmittelverschwendung und die Ernährungsgewohnheiten der Menschen verändern werden.

Die Wissenschaftler haben dazu fünf Strategien entwickelt, mit denen sich die Emissionen am effektivsten reduzieren lassen. Das größte Potenzial hat dabei der Umstieg auf eine pflanzenbasierte Ernährung mit moderatem Konsum tierischer Produkte wie Milch, Fleisch und Eiern. Daneben könnte die Steigerung der Produktionseffizienz eine wichtige Strategie werden - etwa durch einen genaueren Einsatz von Düngern oder durch Zusätze im Tierfutter.

Kühe im Freiluftstall. 3 min
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Nicht nur Landwirtschaft, sondern auch Konsum müsste verändert werden

Von Experten wurde die Studie prinzipiell positiv aufgenommen. "Das Neue und Interessante an der aktuellen Studie ist, dass hier die Rolle der Landwirtschaft bei der Erreichung der Klimaziele klar herausgestellt wird", kommentiert etwa Dr. Florian Schierhorn vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) in Halle (Saale). Der wissenschaftliche Mitarbeiter in der Abteilung Strukturwandel kritisiert jedoch, dass generell auf Angaben zur Unsicherheit der Ergebnisse verzichtet wurde.

Auch vom Dessauer Umweltbundesamt (UBA) gibt es eine Bewertung der Studie. "Das zentrale Ergebnis dieser Studie, wonach es wahrscheinlich essenziell ist, die Treibhausgase des globalen Ernährungssystems zu reduzieren, um die Pariser Klimaziele zu erreichen, fügt sich sehr gut in die uns vorliegenden Erkenntnisse ein", schreiben die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Frederike Balzer und Anne Klatt. Damit würde ein erster Schritt getan, um das Bewusstsein und in der Folge auch das politische Handeln zu verändern. Für sie ist allerdings wichtig, nicht nur die Emissionen in der Landwirtschaft zu reduzieren, sondern auch den Konsum.

cdi

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