DAS MDR-KLIMA-UPDATE | FREITAG, 26. November 2021 Das sind die Klimaziele der Ampel-Koalition 

Nicole Franz
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Das MDR-Klima-Update: SPD, Grüne und FDP haben am Mittwoch ihren Koalitionsvertrag vorgestellt. Darin wurden Ziele zum Klimaschutz festgeschrieben. Außerdem wurde eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass junge Menschen gar nicht so "grün" sind wie gedacht.

Fünf Männer im Anzug und zwei schick gekleidete Frauen laufen nebeneinander auf einer gepflasterten Straße
SPD, Grüne und FDP haben sich auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Bildrechte: MDR/dpa

Liebe Abonnentinnen und Abonnenten, 

SPD, Grüne und FDP haben am Mittwoch ihren Koalitionsvertrag vorgestellt. Darin spielt auch der Klimawandel eine bedeutende Rolle. Deshalb schauen wir uns in diesem Klima-Update an, was die Ampel-Koalition diesbezüglich plant. Außerdem möchte ich Ihnen eine Studie vorstellen, die ergeben hat, dass die Jugend vielleicht doch nicht ganz so "grün" ist, wie bisher angenommen. Dennoch ist der Klimawandel die größte Sorge der 14 bis 29-Jährigen.

Die Klimaziele der Ampel-Koalition

Am Mittwoch haben SPD, Grüne und FDP ihren Koalitionsvertrag vorgestellt. Darin enthalten sind auch Maßnahmen gegen den Klimawandel. Ich möchte Ihnen hier eine Zusammenfassung geben, was die Ampelkoalition in Bezug aufs Klima erreichen will: 

  • Bis 2030 sollen 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Bisher lag der Zielwert bei 65 Prozent, aktuell sind es etwa 45 Prozent.
  • Bis 2030 soll die Zahl an Solar- und Windkraftanlagen auf See vervierfacht werden. Für Windräder sollen zwei Prozent der Bundesfläche reserviert werden. 
  • Es wird eine Solarpflicht für Gewerbe-Neubauten geben, bei privaten Neubauten "soll es die Regel werden".
  • Es sollen neue Gaskraftwerke gebaut werden, sofern sie auch für grünen Wasserstoff geeignet sind. Als Übergangs-Energieträger wird Erdgas benannt.
  • Bis 2030 soll der Schienenverkehr an Bedeutung gewinnen: Ein Viertel mehr Güter und doppelt so viele Personen wie heute sollen auf Schienen transportiert werden. Dafür wurde festgelegt, dass es mehr Geld für Schienen als für Straßenbau geben soll. Fernstraßen sollen vor allem saniert werden, ein Stopp des Fernstraßenausbaus wurde aber nicht festgeschrieben.
  • Elektromobilität: Bis 2030 soll es 15 Millionen vollelektrische Pkw geben. Das bisherige Ziel waren sieben bis zehn Millionen. 
  • Durch Seegras-Wiesen und Algenwälder soll die natürliche CO2-Speicherfähigkeit der Meere verbessert werden. 
  • Bis 2030 sollen 30 Prozent der Landwirtschaft auf Ökolandbau umgestellt werden.
  • Außerdem soll bis 2030 die Hälfte der Wärme klimaneutral erzeugt werden. 
  • Der Kohleausstieg soll "idealerweise" auf 2030 vorgezogen werden.


Um diese Klima-Ziele zu erreichen, soll der Druck auf die Verbraucher nicht weiter erhöht werden. Die Abgabe auf Benzin, Diesel, Heizöl und –gas wird nur in dem Maß erhöht, wie das schon die GroKo vorgesehen hatte. Es wird dabei mit den sowieso schon hohen Energiepreisen argumentiert. 
Des Weiteren soll die EEG-Umlage ab 2023 ganz vom Staatshaushalt übernommen werden. Gemeinsam mit einem zusätzlichen Klimageld soll es für sozialen Ausgleich sorgen.

Kritik am vorzeitigen Kohleausstieg aus Sachsen und Sachsen-Anhalt

Im Ampel-Koalitionsvertrag ist vorgesehen, den Kohleausstieg auf das Jahr 2030 vorzuziehen, acht Jahre früher als geplant. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist der Meinung, dass der Koalitionsvertrag den Strukturwandel unmöglich macht. "Ökonomisch, volkswirtschaftlich geht das nicht. Man kann nicht aus der Atomenergie aussteigen in so kurzer Zeit und gleichzeitig aus der Kohleverstromung", meinte Kretschmer. Der Gedanke, alles mit Gaskraftwerken zu ersetzen, bedeute ein Drehen an der Preisschraube. Deutschland würde sich damit noch mehr vom Ausland abhängig machen. Außerdem vernichte das Vorhaben viele Arbeitsplätze.

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) kritisiert den vorzeitigen Kohleausstieg. Der idealerweise vorgezogene Kohleausstieg sei für die Menschen enttäuschend und zutiefst verunsichernd: "Das ist ein Signal an die Menschen, dass man Politik nur bedingt trauen kann." Schon das vereinbarte Datum 2038 sei ein harter Kompromiss gewesen. Und er sei sich sicher, dass das neue Ziel "nicht einzuhalten" ist.

Jugendliche nicht so "grün" wie erwartet

Die Studie "Jugend in Deutschland" hat das ökologische Verhalten von jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren untersucht. Dabei wurden 1.014 Menschen befragt. Das Ergebnis: Die Jugend ist nicht ganz so "grün" wie erwartet. Rund 60 Prozent sind regelmäßig mit dem Auto unterwegs. Der Anteil der Befragten, die dauerhaft auf ein eigenes Auto verzichten würden, liegt bei 19 Prozent. Auf Flugreisen würden 27 Prozent verzichten. 

Viele junge Leute seien jedoch bereit, hin und wieder neue Verhaltensweisen auszuprobieren und ihr Verhalten möglicherweise langfristig zu verändern. 
"Der größte Gegenspieler von Veränderung ist die Komfortzone des Wohlfahrtstaats, in der sich die jüngere Generation nach dem Vorbild ihrer Eltern bequem eingerichtet hat. Unter diesen Umständen kann der von jungen Leuten mehrheitlich befürwortete Klimaschutz nur mit klaren Regeln und Vorgaben durch die Politik gelingen", so Klaus Hurrelmann, der die Studie als Co-Autor neben Simon Schnetzer durchgeführt hat. 

Bereit, das Essverhalten zu ändern

Mit Blick auf das Essverhalten der 14- bis 29-Jährigen zeigt sich, dass die Mehrheit von 56 Prozent weiterhin ohne jegliche Einschränkungen isst. 44 Prozent haben hingegen schon alternative Ernährungsformen ausprobiert. Laut den Machern der Studie ist es bemerkenswert, dass sich ein so großer Teil der jungen Menschen gegen traditionelle Ernährungsmuster entscheidet und stattdessen flexitarisch, vegetarisch oder vegan ernährt.

Je länger der Schulweg, desto schlechter die Klimabilanz?

Es erklärt sich wohl von selbst, dass es besser fürs Klima ist, wenn Schülerinnen und Schüler zu Fuß zur Schule laufen, anstatt weite Strecken mit dem Bus zurückzulegen oder von den Eltern mit dem Auto gefahren zu werden. 
Doch ganz so einfach ist es nicht. Die Frage, ob der Betrieb eines Schulgebäudes für wenige Schülerinnen und Schüler oder stattdessen ein weiterer Schulweg besser fürs Klima ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Katrin Dziekan vom Umweltbundesamt in Dessau hat dazu eine klare Meinung: "[Es hängt davon ab,] welchen Standort man neu in Betrieb nimmt und wie die Menschen da hinkommen. Wenn man zum Beispiel eine sehr zentrale Schule hat, wo dann alle beispielsweise mit der Bahn hinfahren können, dann kann das im Zweifelsfall auch wieder günstiger aussehen. Man muss das eben von Standort zu Standort individuell angucken. Aber generell gilt glaube ich: Je länger die Wege werden, desto schlechter ist es für die Personen selber, aber auch für die Klimabilanz."

Daten, wie hoch der Anteil des Schülerverkehrs am CO2-Ausstoß ist, gibt es bisher nicht.

Die gute Nachricht: billiger Ökostrom als Klimaretter

Wir leben noch immer im Zeitalter fossiler Brennstoffe. 80 Prozent des gesamten Energieverbrauchs für Industrie, Verkehr und Gebäudewärme werden durch direkte Verbrennung fossiler Energie gedeckt. Strom als bisher teuerster Energieträger macht nur 20 Prozent aus. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, muss sich das dramatisch umkehren. Soweit erstmal die nicht wirklich erfreuliche Nachricht. Aber: Forschende des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung konnten nun zeigen, dass das dank billigem Ökostrom möglich ist.

Zum Schluss

Was passiert eigentlich, wenn wir die Klimakrise nicht mehr aufhalten können und die Erde irgendwann unbewohnbar wird? Können wir dann auf einen anderen Planeten umsiedeln? Der Frage geht mein Kollege Guido Meyer nach. Kleiner Spoiler vorneweg: Es gibt wohl Planeten, die ähnliche Eigenschaften wie die Erde haben. Aber die sind sehr weit weg …

Nun wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende auf dieser Erde, die wir erstmal noch bewohnen können!

Beste Grüße
Nicole Franz

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 24. November 2021 | 17:45 Uhr