Das MDR Klima-Update | Freitag, 01. Oktober 2021 Hilft Atomenergie im Kampf gegen den Klimawandel?

Volontärin Fabienne von der Eltz
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Das MDR Klima-Update: China testet offenbar Atomreaktor der neuen Generation. Wir klimafreundlich ist der? Außerdem: Grüne und FDP haben erste Gespräche über mögliche Regierungszusammenarbeit geführt: Welche Schnittmengen haben sie bei der Klimapolitik? Und: Eine Studie des Instituts für Klimafolgenforschung zeigt: Mit der globalen Temperatur steigt auch die Gefahr von Wirbelstürmen.

Atomkraftwerk Lingen
Atomreaktoren der neuen Generation sollen effizienter und sicherer sein. Sind sie auch klimafreundlicher? Bildrechte: IMAGO/Hans Blossey

Liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

am Mittwoch war der internationale Tag gegen Lebensmittelverschwendung. 931 Millionen Tonnen Lebensmittel werden im Einzelhandel, in der Gastronomie und zu Hause weggeworfen. Einen Schritt davor, also noch in der Landwirtschaft werden laut Umweltschutzorganisation WWF sogar 1,2 Milliarden Tonnen Lebensmittel verschwendet. Das entspricht in etwa dem Gewicht von zehn Millionen Blauwalen.  

Und noch mehr große Zahlen: Die durch die Lebensmittelproduktion verursachten Emissionen betragen 18 Gigatonnen CO2-Äquivalente im Jahr. Das ist mehr als ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen. Der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung ist also ein Kampf gegen den Klimawandel. Was Sie konkret tun können, lesen Sie hier: 

Zwei Frauen mit Arbeitsschürze begutachten gespendetesm abgepacktes Gemüse in grünen Kisten. Ansicht von schräg oben.
Warensortierung bei der Tafel Dortmund Bildrechte: Die Tafeln/Nikolaus Urban

Weitere Themen des Newsletters sind:

  • Nach der Wahl ist vor den Koalitionsverhandlungen: Was tut die mögliche neue Bundesregierung in der Klimapolitik?
  • Erforschung neuer Atomreaktoren: Wie klimafreundlich ist Kernenergie?

Neue Studie: Gefahr von Wirbelstürmen erhöht sich mit steigenden Temperaturen.

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Was ist nach der Wahl fürs Klima drin? 

Grüne und FDP werden aller Voraussicht nach Teil der neuen Bundesregierung sein. In dieser Woche haben sich beide Parteien zu ersten Gesprächen getroffen und Gemeinsamkeiten ausgelotet.

Was Grüne und FDP in der Klimapolitik verbindet

  • Beide Parteien wollen den Bau von Solar- und Windparks vorantreiben, indem sie Genehmigungsverfahren verschlanken, sagt David Wortmann von DWR eco, einer Unternehmensberatung für Politik, Kommunikation und Strategie, die sich auf Nachhaltigkeitsthemen spezialisiert hat, im Gespräch mit der Deutschen Welle
  • Außerdem wollen beide Parteien eine höhere Recyclingquote einführen und mehr Ladestationen für Elektrofahrzeuge und -fahrräder bauen. 
  • Auch den Ausstoß von CO2 wollen sie besteuern. Über die Höhe des CO2-Preises sind sich die Parteien aber nicht einig. Aktuell liegt er bei 25 Euro pro Tonne und soll bis 2025 auf 55 Euro steigen. Die Grünen wollen ihn bis 2023 auf 60 Euro erhöhen. Die FDP hingegen favorisiert den Emissionshandel, den sie global erweitern und auf andere Sektoren wie Verkehr und Gebäude ausweiten will. Die Folge wären ebenfalls steigende CO2-Preise. 

Was Grüne und FDP trennt

  • Die Grünen wollen Deutschland innerhalb der nächsten 20 Jahre klimaneutral machen. Die FDP will Klimaneutralität erst 2050 erreichen. Das Klimaschutzgesetz sieht dafür das Jahr 2045 vor. 
  • Ab 2030 wollen die Grünen nur noch emissionsfreie Autos zulassen. Die FDP ist gegen ein Verbot von Verbrennungsmotoren und will stattdessen auf klimafreundliche synthetische Kraftstoffe umstellen. 

Wo könnte es Kompromisse geben?

  • Die Grünen wollen den Kohleausstieg auf 2030 vorziehen, die FDP hat sich bisher auf keinen Zeitpunkt festgelegt. Eine Einigung beim CO2-Preis könnte aber auch den Kohleausstieg beschleunigen, sagt David Wortmann im Gespräch mit der Deutschen Welle
  • FDP-Chef Lindner meldete schon im Wahlkampf Interesse am Posten des Finanzministers an. Diesen Wunsch könnten die Grünen erfüllen, allerdings nicht ohne Zugeständnisse der FDP, meint Wortmann. Seine Prognose: Die Grünen werden dafür das Wirtschafts- und Umweltministerium für sich beanspruchen. 

Mehr Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeigt der Vergleich der Wahlprogramme. "FAKT" hat zudem mit einem Paartherapeuten darüber gesprochen, ob eine Beziehung zwischen Grünen und FDP zusammen mit einem dritten Partner funktionieren kann.

Annalena Baerbock, Christian Lindner 5 min
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FAKT Di 28.09.2021 21:45Uhr 05:07 min

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Helfen neue Atomreaktoren im Kampf gegen den Klimawandel?

China hat vermutlich vor Kurzem seinen ersten experimentellen Atomreaktor der sogenannten vierten Generation in Betrieb genommen – einen Flüssigsalzreaktor, der mit dem radioaktiven Element Thorium betrieben wird. Bislang hat das Land den Betriebsstart noch nicht bestätigt. MDR WISSEN erklärt, was die neuen Reaktoren können und was nicht.

Was sind Reaktoren der vierten Generation?

  • Atomreaktoren der sogenannten vierten Generation sollen die Effizienz der Stromerzeugung erhöhen, zugleich sicherer sein und nicht für die Herstellung von Atomwaffen missbraucht werden können. 
  • Insgesamt 14 Industrieländer koordinieren die Forschung und Entwicklung dieser Reaktoren. Auch Deutschland ist über die Europäische Atomgemeinschaft indirekt daran beteiligt.
  • Erforscht werden insgesamt sechs Reaktortypen, alle mit neuen Verfahren zur Kühlung und zum Wärmeaustausch des Reaktors. Sie werden zum Beispiel mit Helium, flüssigem Blei oder Salz gekühlt. Die Reaktoren, die aktuell im Einsatz sind, werden mit Wasser gekühlt.  

Wie klimafreundlich sind die neuen Reaktoren?

  • Die Ziele mehr Effizienz, höhere Sicherheit und die Nichtnutzbarkeit für militärische Zwecke stehen aber offenbar im Konflikt zueinander.
  • Das deutsche Öko-Institut kommt in einem Report zu den neuen Reaktortypen zu folgendem Fazit:

Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit [führen] zu Nachteilen im Bereich der Ökonomie, Vorteile bei der Ressourcenausnutzung stehen vielfach im Widerspruch zu einer Verbesserung im Bereich der Proliferation, [also der Weitergabe von Atomwaffen oder Mitteln zu deren Herstellung].

Deutsches Öko-Institut

  • Letztendlich sei nicht damit zu rechnen, dass mehr Menschen wieder von der Kernenergie überzeugt werden können, wenn die neuen Reaktorkonzepte nicht alle drei Probleme löste, so das Ökoinstitut. 

Hilft Kernenergie im Kampf gegen den Klimawandel?

  • Richtig ist, dass der Betrieb von Kernkraftwerken frei von Treibhausgasemissionen ist.
  • Doch der Rückbau alter Kraftwerke ist kompliziert, genauso wie die Suche nach einem Endlager für den radioaktiven Müll.
  • Zudem sind die Kosten für Atomstrom in den letzten Jahren deutlich gestiegen, für Solar- und Windenergie hingegen massiv gesunken. "Die Investition in neue Atomkraftwerke verschlimmert die Klimakrise. Da gibt es überhaupt keinen Zweifel", sagt Mycle Schneider vom World Nuclear Industry Status Report

Das ARD-Magazin "FAKT" erklärt, warum Atomkraft in der Klimakrise nicht hilft. 

Protest vor AKW Grundremmingen 28 min
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FAKT Di 07.09.2021 21:45Uhr 27:37 min

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Regensommer schreckt Borkenkäfer nicht ab

Der Borkenkäfer gilt als Gewinner des Klimawandels. Geschwächte Wälder werden durch Trockenheit noch anfälliger. Nun war der Sommer in diesem Jahr zwar eher verregnet, doch das gleicht die Schäden aus drei extrem trockenen Jahren nicht aus.

In Thüringen zum Beispiel hat der Schädling im August 2021 etwas weniger Holz befallen als im Vorjahresmonat. Für das gesamte Jahr erwartet der ThüringenForst aber etwa vier Millionen Meter Gesamtschadholz. Das wäre der höchste jemals erfasste Wert im Freistaat.

Neben dem Klimawandel helfen dem Borkenkäfer auch weitere Verbündete: Darmbakterien und Pilzsporen helfen dem Schädling, die Abwehr der Fichten zu durchbrechen. Wie sie das schaffen, sehen Sie im Video.

Wissen

Borkenkäfer 5 min
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MDR FERNSEHEN Fr 24.09.2021 10:15Uhr 05:15 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/borkenkaefer-verbuendete-fichtenwald-102.html

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Wirbelsturmfolgen unterscheiden sich je nach Region

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat errechnet, was weltweit passiert, wenn die globale Temperatur bis 2100 um zwei Grad steigt. Da niemand weiß, wann wo wie viele Menschen leben werden, haben die Forschenden verschiedene Bevölkerungsentwicklungen durchgespielt und Szenarien für Wirbelsturm-Regionen berechnet. 

Das Ergebnis: Bei einer globalen Erwärmung um zwei Grad wären 26 Prozent mehr Menschen durch tropische Wirbelstürme gefährdet, also 33 Millionen Menschen, wenn man von der heutigen Weltbevölkerung ausgeht. Da die Bevölkerung aber wächst, könnten durchaus mehr Menschen betroffen sein. Schon jetzt sind weltweit 150.000 Menschen jedes Jahr durch Wirbelstürme und Taifune in Gefahr. 

Die Folgen unterscheiden sich regional: In den USA werden wahrscheinlich mehr Wirbelsturmschäden entstehen. In anderen Regionen werden auf Wirbelstürme auch mehr Armut und Zwangsmigration folgen. Die gesamte Studie lesen Sie hier. 

Zum Schluss...

... möchte ich Ihnen noch einen Programmtipp geben. Die MDR-Programme am Nachmittag "MDR um 2" und "MDR um 4" widmen sich im Oktober verstärkt dem Klima. Ab Montag werden jeden Tag die Facetten des Klimawandels beleuchtet.

Die erste fünfteilige Serie ist schon jetzt online. Darin ist Diplom-Meteorologin Michaela Koschak Klimaphänomenen in Mitteldeutschland auf der Spur. Zum Beispiel dem milden Klima am Süßen See im Mansfelder Land, wo schon seit Jahrhunderten Aprikosen angebaut werden, die Landwirtinnen und Landwirt nun aber mit der Trockenheit zu kämpfen haben. 

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Bis zum nächsten Mal!
Fabienne von der Eltz

Obstplantage am Süßen See im Mansfelder Land 7 min
Obstplantage am Süßen See im Mansfelder Land Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 04. Oktober 2021 | 16:00 Uhr

28 Kommentare

MDR-Team vor 7 Wochen

Hallo Tacitus,
global gesehen machen die CO2-Emissionen in Deutschland rund 2,5 Prozent aus. Das ist nicht viel, doch es geht auch um Klimagerechtigkeit.
Schauen wir uns den Pro-Kopf-Ausstoß an, sieht es ein wenig anders aus. Jeder von uns ist jährlich für rund 9,7 Tonnen CO2 verantwortlich. Das ist circa doppelt so viel wie der aktuelle weltweite Durchschnitt von rund 4,8 Tonnen pro Kopf und Jahr. Wenn man das messen kann, warum sollte man bei einer Veränderung nicht deren Effekt messen können? Wenn jedes „kleine“ Land etwas unternimmt, kann das auch in der Masse wirken.
https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/was-bringt-es-wenn-deutschland-co2-reduziert/

Tacitus vor 7 Wochen

Die neuen Pläne zur Co2 Besteuerung werden große Preisanstiege in vielen Bereichen des Lebens nach sich ziehen, nicht nur beim Sprit und den Heizkosten, auch bei Lebensmitteln, beim Bau etc.
Der Effekt für den Klmawandel wird angesichts des geringen Anteils Deutschlands nicht messbar sein. All das geht völlig in Ordnung- die Mehrheit hat so gewählt und wie es in einem englichen Wort heißt "you'll get what you deserve".

nasowasaberauch vor 7 Wochen

Fukushima ist 10 Jahre her und hier im Land waren Geigerzähler stark nachgefragt. Das ist ebensowenig rational wie ein Atomkraftwerk im Erdbebengebiet zu betreiben oder deshalb einen adhoc Atomausstieg in Deutschland zu beschließen, zumal wir von dieser Technologie umzingelt sind. Fraglich ist auch, ob der Atomausstieg damals genauso erfolgt wäre, wenn die die CO2 Problematik zu diesem Zeitpunkt den selben Stellenwert gehabt hätte wie heute. Atomenergie als Brückentechnologie zusammen mit Energieerzeugung aus Gas auf Zeit finde ich als Notwendigkeit, um die Strompreis erträglich zu halten. Ohne Energiespeicher sind die Erneuerbaren nicht grundlastfähig für die Sicherung der Versorgungssicherheit. 2023 sollen ca. 20GW Erzeugung aus Kohle abgeschaltet werden und eine entsprechende Speicherkapazität wird bis dahin nicht verfügbar sein, Entwicklungsstand heute und noch 2 Jahre Zeit.